Der Festo-Knoten bei Esslingen-Berkheim gilt als Nadelöhr auf der viel befahrenen Verkehrsachse zwischen Esslingen und den Fildern. Foto: Michael Steinert

Der Festo-Knoten, die Kreuzung vor den Toren des Weltunternehmens im Esslinger Teilort Berkheim, ist nach dem Ausbau wieder dem Verkehr übergeben worden.

Esslingen - Zwei neu ausgebaute Kreuzungen, dazwischen rund 200 Meter Straße, zwei Jahre Bauzeit, 15 unterschiedliche Bauphasen und Wegeführungen, rund 6,5 Millionen Euro Gesamtkosten – das sind die nackten Zahlen, die am Mittwoch anlässlich der Verkehrsfreigabe des sogenannten Festo-Knotens auf dem Esslinger Zollberg von den Festrednern noch einmal in Erinnerung gerufen worden sind.

Darüber hinaus haben der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer (beide Bündnis 90/Die Grünen), der Esslinger Landrat Heinz Eininger (CDU) und der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger (SPD) den Bogen noch weiter geschlagen. Sie haben auffällig häufig von Wertschöpfung, Daseinsvorsorge, Mobilitätskonzepten, Arbeitskräften und Bruttosozialprodukt gesprochen.

Mehr als nur Straßenbau

Dass die Politiker so tief in der Kiste des aktuell angesagten Vokabulars nach Versatzstücken gekramt haben, zeigt, dass es an den Kreuzungen zwischen der Landesstraße 1192 und den beiden Kreisstraßen 1268 und 1216 um mehr gegangen ist, als nur um eine Asphaltdecke, ein paar Richtungspfeile, zwei neue Abbiegespuren, ein kleines Radwegstück und eine behindertengerechte Bushaltestelle.

Stichwort Wertschöpfung: Für Jürgen Zieger, den Oberbürgermeister der Standortkommune, dient der Ausbau des Festo-Knotens nicht nur dazu, den Verkehrsfluss zwischen der Autobahn bei Neuhausen einerseits und dem Esslinger Neckartal bis hinauf auf den Schurwald andererseits zu verstetigen, sondern auch als wichtige Erschließung für den Festo-Stammsitz in Esslingen-Berkheim. Das Unternehmen, das eine weltweite Spitzenstellung in der Automationstechnik einnimmt, hält sich mit dem Straßenanschluss die Option offen, an seinem Heimatstandort eine Tiefgarage mit 2000 Stellplätzen zu bauen.

Verkehrsminister fordert Unterstützung der Unternehmen ein

Stichwort Mobilitätskonzept: Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann hat das Engagement des Landes herausgehoben, das immerhin rund die Hälfte der Investitionssumme entweder direkt oder aus dem Topf des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes beisteuert. Hermann hat aber auch die Unternehmen aufgefordert, sich mit einem betrieblichen Mobilitätsmanagement ihrerseits darum zu bemühen, dass die Staus auf den Straßen im Land wieder kürzer werden. Dazu gehörten Erleichterungen für Fahrradfahrer ebenso, wie Bus-Shuttles zu den Unternehmensstandorten. „Wir brauchen die Unternehmen als Partner für neue Mobilitätskonzepte“, sagte Hermann.

Stichwort Daseinsvorsorge: „Der Landkreis Esslingen folgt mit dem Ausbau des Knotens dem Bekenntnis des Unternehmens Festo zu seinem Heimatstandort“, sagte der Esslinger Landrat Heinz Eininger. Auch im Sinne einer Standortsicherung habe der Kreis eines seiner aufwendigsten Straßenprojekte in der jüngsten Vergangenheit in Angriff genommen.

Festo-Ausbaupläne auf Eis gelegt

Das Unternehmen, das in den vergangenen sechs Jahren die Zahl seiner Beschäftigten an den Standorten im Landkreis Esslingen von 4200 auf 6800 erhöht hat, hatte einen weiteren Ausbau zwar in Aussicht gestellt, die entsprechenden Pläne aber angesichts der wankelmütigen Weltwirtschaft mittlerweile wieder eingefroren.

Angesichts der vielen salbungsvollen Worte musste Heinrich Frontzek, der Leiter der Festo-Unternehmenskommunikation, dann doch zwei Dinge zurechtrücken. Der Name Festo-Knoten sei keine Festo-Erfindung, sondern, weil er quasi direkt vor der Haustüre liege, dem Unternehmen durch die „normativen Kraft des Faktischen“ in den Schoß gefallen. Und: Am Ausbau der Straße hat sich das Unternehmen mit keinem Cent beteiligt.

Der Ausbau des Festo-Knotens ist Teil des Konzepts, mit dem der Verkehr auf der täglich von rund 30 000 Fahrzeugen strapazierten Verkehrsachse zwischen Esslingen und der Autobahn flüssig gemacht werden soll. Nachdem alle Kreuzungsbereiche auf der rund sechs Kilometer langen Umfahrung von Ostfildern-Nellingen ausgebaut worden sind, fehlen nur noch die beiden Endpunkte an der B 10-Einmündung in Esslingen auf der einen und an der Autobahnauffahrt auf der anderen Seite. Letzterer soll erst in Angriff genommen werden, wenn die Bahn dort mit ihrer Schnellbahntrasse Stuttgart- Ulm vorbeikommt.

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