Freie Aktive Schule in Stuttgart Der Neubau in Heumaden steht auf der Kippe

Von Josef Schunder 

Erst wohnten hier Flüchtlinge, dann zog in die Behelfsbauten an der Hohen Eiche in Degerloch 1990 die Freie Aktive Schule ein. Befristet. Im kommenden Schuljahr werden hier 110 Schüler unterrichtet. Foto: Tilman Baur
Erst wohnten hier Flüchtlinge, dann zog in die Behelfsbauten an der Hohen Eiche in Degerloch 1990 die Freie Aktive Schule ein. Befristet. Im kommenden Schuljahr werden hier 110 Schüler unterrichtet. Foto: Tilman Baur

Lehrer und Schüler sollten in ein paar Jahren von Degerloch nach Heumaden umziehen. So hatten es die Stadtverwaltung und die Schulleitung geplant. Doch die Stadträte haben Bedenken.

Stuttgart - Die Stadtplaner und die Schulleitung waren sich schon einig: Die Freie Aktive Schule mit ihren 110 Schülern soll einen Neubau in Heumaden erhalten, weil sie am Standort Degerloch nicht bleiben kann. Doch plötzlich sind noch einmal Hausaufgaben zu machen.

Am Dienstag hat der Technikausschuss des Gemeinderats desto mehr Zweifel bekommen, je länger er sich mit dem von der Verwaltung empfohlenen Vorhaben am östlichen Rand des Wohngebiets Über der Straße befasste. Es sei seltsam, dass diese Fläche nicht ins Visier geraten sei, als man jahrelang nach Wohnungsbauflächen suchte, sagte Jürgen Zeeb (Freie Wähler). Man solle Alternativen prüfen, meinten der Stadtist Ralph Schertlen und SPD-Fraktionschef Martin Körner, der einen nahegelegenen Acker „von zweifelhaftem ökologischem Wert“ an der Kirchheimer Straße in Sillenbuch benannte. Carl-Christian Vetter (CDU) bedauerte, dass für einen tollen Ballspielplatz an anderer Stelle Ersatz geschaffen werden muss. Einzig Beate Schiener (Grüne) sprach von einer „sehr positiven Lösung“.

Am 24. Juli wird wieder debattiert

Die Schulleitung hatte das Gelände in Heumaden, so die Projektleiterin Tina Unseld, wohl oder übel als „gute Alternative“ angesehen, wenn man am jetzigen Standort Hohe Eiche nicht neu bauen darf. Dort, wo die Schule 2009 befristet in früheren Behelfsbauten für Flüchtlinge unterkam, sei der Neubau nicht möglich, erklärte die Stadtverwaltung. Im Flächennutzungsplan ist das Areal als Sportfläche eingestuft. Die Vereine hätten auch weiteren Bedarf. Die baurechtliche Genehmigung für die Schule sei vom Baurechtsamt bis Ende August 2018 befristet worden, wenngleich der Mietvertrag mit der Stadt bis Ende 2023 laufe. Dagegen ist das Areal in Heumaden bereits für Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten eingestuft. Die Stadt will dort eine Kita bauen, die Schule außer Klassenräumen auch eine kleine Kita. Dafür bedürfte es nicht mal eines neuen Bebauungsplans.

Nun soll die Verwaltung klären, ob die Schule länger in Degerloch bleiben könnte, damit es Luft für ein Bebauungsplanverfahren an einem Alternativstandort gibt. Tina Unseld von der Schule sagte, just am Montag sei der Bescheid gekommen, dass die Nutzungsfrist bis Mitte 2023 verlängert wird. Prüfergebnisse möchten die Stadtplaner am 24. Juli im Ausschuss präsentieren. Aber auch wenn es bei Heumaden bleibe, müssten die vier angedachten Gebäude für die Schule und ihre Kita komprimiert werden, forderte Jürgen Zeeb. Dann könnten wenigstens ein paar neue Wohnungen möglich werden. Man dürfe nicht so „mit Bauflächen aasen“.

Lesen Sie jetzt