Kapitän Julian Schuster vom SC Freiburg ist heiß auf das Duell beim VfB Stuttgart. Foto: Getty

Julian Schuster, Kapitän des SC Freiburg, spricht im Interview über den Reiz des Duells mit dem VfB Stuttgart – und über Baden und Württemberg.

Freiburg - Er ist ein Kind der Region, nun kehrt Julian Schuster wieder heim. Der Kapitän trifft mit dem SC Freiburg an diesem Sonntag (18 Uhr) in Stuttgart auf den VfB – und spricht vorher über seine alte und neue Heimat.

Herr Schuster, sind Sie eigentlich froh, dass Vincenzo Grifo seit dem Sommer endlich weg ist und für Borussia Mönchengladbach spielt?
Warum denn das?
Weil Sie beim SC Freiburg seitdem wieder die Nummer eins bei den Standards sind. Sie dürfen die Ecken und Freistöße schießen – das war vorher Grifos Hoheitsgebiet.
Stimmt. Aber ich hätte Vincenzo gerne noch hier. Er ist ein überragender Kicker. Und ein überragender Typ.
Das müssen Sie jetzt sagen, als vorbildlicher Kapitän.
Nein, nein, das können Sie mir ruhig glauben (lacht). Aber ich freue mich natürlich darüber, dass ich wieder der Mann für unsere Standards bin.
Im vergangenen Bundesligaspiel gegen Hertha BSC hätten Sie kurz vor Schluss per Freistoß fast das Siegtor erzielt, zuletzt gegen Dynamo Dresden im DFB-Pokal trafen Sie zum 2:1. Wie oft trainieren Sie die Standards eigentlich?
Das hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Weil jeder weiß, dass diese Dinge bei engen Spielen immer öfters den Unterschied ausmachen. Es gibt viele Duelle auf Augenhöhe, da können einstudierte Ecken oder Freistöße den Sieg bringen.
Auch am Sonntag, im Spiel beim VfB?
Ja. Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe. Wir sind vorbereitet. Auch, wenn der Ball ruht.
Das Spiel in Stuttgart ist für Sie ein besonderes. Sie sind ein Kind der Region: in Bietigheim-Bissingen geboren, aktiv für den FV Löchgau und später für den VfB. Vater, Mutter, Bruder, Neffen und Freunde leben noch immer in der Gegend – gibt es am Sonntag einen Schuster-Block im Stadion?
Ja, ich habe wieder einige Karten organisiert. Aber ich habe da klare Vorgaben. Ohne Freiburg-Trikot kommt mir keiner rein. Von mir aus können sie das Trikot mit dem roten Brustring drunter tragen – mehr geht nicht.
Das ist mal eine klare Ansage.
Ja, ist aber alles nur Spaß. Es sind natürlich viele VfB-Fans dabei, das habe ich dann im Zweifel zu akzeptieren (lacht).
Wie nehmen Sie die Rivalität zwischen Freiburg und Stuttgart wahr – ist das überhaupt ein echtes Derby?
Ja, absolut. Der SC aus Südbaden trifft auf den VfB aus der großen Landeshauptstadt in Württemberg – klar ist das ein Derby, ein echtes Landesderby. Und, wenn alles friedlich verläuft, übt diese Rivalität auch jedes Mal einen großen Reiz aus.
Sie sind als Schwabe, der seit 2008 in Freiburg lebt, ein ausgewiesener Experte, was die Badener und die Württemberger angeht. Stimmen diese ganzen Klischees eigentlich?
Ja, da ist schon was dran. Das „Schaffe, Schaffe, Häusle baue“ kommt nicht von ungefähr. Ich bin froh, dass ich im Schwabenland aufgewachsen bin und viel von der Mentalität mitbekommen habe. Dass man fleißig sein muss, gewissenhaft in der Arbeit, dass man es dann zu etwas bringen kann – das war sehr wichtig für meine Entwicklung, das war wie eine Schule fürs Leben.
Und was haben Sie nach fast zehn Jahren im Südbadischen für sich mitgenommen?
Das Lebensgefühl, das ganze Flair. Nicht umsonst machen viele Menschen in der Gegend Urlaub. Das Wetter, die geografische Nähe zu Frankreich, die Weinkultur – all das ist wunderbar. Und färbt auf die Menschen ab, die eine große Lebensfreude haben. Man kann sich hier eigentlich nur wohlfühlen.
Ist der Badener also tatsächlich ein bisschen lockerer als der Schwabe?
Vielleicht, ja. Aber das das heißt natürlich nicht, dass man hier in Südbaden nicht auch fleißig am Schaffen ist. Und glauben Sie mir – ich kenne auch genug Schwaben, die das Leben in vollen Zügen genießen (lacht).
Apropos genießen – warum fühlen Sie sich eigentlich so wohl in Freiburg?
Ich habe es mit meiner Familie gemerkt, wie sehr uns die Ruhe guttut. Freiburg ist keine pulsierende Großstadt, man hat viele Grünflächen, das ist es, was ich brauche. Und auch als Fußballer weiß ich diese Ruhe zu schätzen. Es gibt nicht wie anderswo fünf Tageszeitungen, die über uns berichten, man kann in Ruhe seinen Job machen.
Sie wohnen mit Ihrer Familie nur 400 Meter vom Stadion und vom Trainingsgelände entfernt. Nehmen Sie das Rad zum Training?
Ja klar! Die Kita von meinen Kids liegt auch noch auf dem Weg. Und mal ehrlich: Wenn ich bei den 400 Metern das Auto nehmen würde, wäre das doch total bescheuert.
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