Hammerflügel-Virtuose Kristian Bezuidenhout Foto: Holger Schneider

In Stuttgart hat das Freiburger Barockorchester Sinfonien von Haydn und Beethoven auf alten Instrumenten gespielt. Bei Mozarts c-Moll-Klavierkonzert war Kristian Bezuidenhout der Solist am Hammerflügel.

Stuttgart - Wenn Alte-Musik-Ensembles Werke der Klassik spielen, dann ändert sich auch für Zuhörer die Perspektive. Dann blicken diese staunend von der historisch anderen Seite auf die Musik. Dort können sie unerhört Neuem und Aufregendem begegnen – vor allem dort, wo „moderne“ Orchester aus der Tradition des 19. Jahrhundertes heraus die Musik im gewohnten Mischklang und in romantisch geprägter Stilistik zelebrieren. Die Lust historisch informierter Musiker, Kontraste zumal bei der Gestaltung von Tempi, Rhythmen und Klangfarben ins Extrem zu treiben, muss man im Gegenzug in Kauf nehmen.

Das Freiburger Barockorchester hat am Mittwoch im Mozartsaal Haydns 98. Sinfonie gespielt: als Musik, die (auch weil die Kommunikationswege in diesem Ensemble exzellent eingeübt sind) rauh, rasch, quicklebendig klingt. Die voller Überraschungen steckt und voller Witz. Allein die konzertanten Einschübe im Finale sind ein verschmitztes Vergnügen – und leben auch von der gewählten Orchesteraufstellung, die (ganz nach Haydns Vorbild) das Dialogische im Orchester betont und den Konzertmeister in der Mitte (Gottfried von der Goltz) als Primus inter Pares definiert.

Ein solcher ist auch Kristian Bezuidenhout, der durch sein Spiel auf dem Hammerflügel Mozarts dunkles c-Moll-Klavierkonzert KV 491 ganz sinfonisch wirken lässt. Schon Bezuidenhouts erster Einsatz ist reiner Balsam – und ein Beweis dafür, dass virtuose Selbstdarstellung den Zauber dieses Stücks zerstört. Das Zierwerk bleibt hier Zierwerk, Obertöne des Flügels klingen im Orchester nach, und die eigenen Kadenzen des Pianisten sind Fenster in die Romantik.

Dass Beethovens „Pastorale“ am Ende im ersten Satz eine Spur zu direkt und zu spannungsarm gerät, ist schade, wird aber durch ein klangfarblich und rhythmisch exzellent gestaltetes Gewitter wettgemacht. Frohe und dankbare Gefühle folgen ihm nach. Das Publikum ist beglückt.

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