Keeper Michael Gelt hat sich in Freiberg zu einem Leistungsträger entwickelt und fiebert dem Derby gegen die Stuttgarter Kickers entgegen.
Die Konzentration des Torhüters Michael Gelt gilt an diesem Freitagnachmittag natürlich schon dem Duell Blau gegen Blau, das am Samstag auf der Waldau in Stuttgart ausgetragen wird. Doch der Keeper des SGV Freiberg ist in Gedanken auch bei Deutschland besten Schlussmann Manuel Neuer, der am Mittwoch beim Champions-League-Aus des FC Bayern das geballte brutale Leben eines Torhüters erfahren hat: Erst hielt Neuer wie eine Krake alle Bälle von seinem Kasten fern mit seinen langen Armen, um dann einen Ball fallen zu lassen, den so mancher Nachwuchstorwart problemlos gehalten hätte. Joselu vollendete für Madrid. Der Patzer war der Anfang vom Scheitern der Münchner. Natürlich fühlt Gelt da mit. „Da denkt man kurz nach, ob man den Ball flach aufnehmen oder es anders lösen soll und dann passiert auch einem Manuel Neuer so ein Fehler“, sagt Gelt. Mal Hauptdarsteller. Mal Depp. Er kennt diesen Rollenwechsel.
Nach Verletzung stärker denn je
Der 22-Jährige hingegen hat am vergangenen Wochenende beim 1:1 gegen den TSV Steinbach Haiger ein nahezu perfektes Spiel abgeliefert und war machtlos am Gegentor in der Nachspielzeit. Davor hatte er einen Elfmeter pariert, viele Paraden geliefert. Was ein guter Torwart eben so machen muss. Überhaupt läuft es seit Wochen perfekt für den gebürtigen Ludwigsburger. Er ist in seiner zweiten Saison jetzt so richtig angekommen in Freiberg. Eine Verletzung an einem Rückenwirbel hat ihn immer wieder ausgebremst und er konnte vor der Saison auch nur eine Woche bei der Vorbereitung mitmachen. Trainer Roland Seitz setzte deshalb zunächst auf den Konkurrenten Eric Gründemann. Die Rivalität unter Tormännern ist eine besondere. Doch die beiden Freiberger Keeper liefern sich einen respektvollen Wettkampf um das Tor.
Seit Januar hat Gelt seinen Rücken im Griff. Und nicht nur das. Seit er in der Rückrunde das Vertrauen des Trainerteams genießt, hat er sich von Woche zu Woche gesteigert. Und mit jedem guten Spiel stieg auch sein Selbstvertrauen, er harmonierte immer besser mit der Defensivformation davor, gab Kommandos. Aber auch die Einheiten mit seinem Torwarttrainer Nick Heimann haben ihn nochmals auf ein neues Level geführt. Davor hatte er schon eine exzellente Torwartausbildung in der Nachwuchsakademie bei der TSG Hoffenheim genossen, war in der U19 dann zum Karlsruher SC gewechselt, die nächste Station vor Freiberg war die SG Sonnenhof Großaspach. Auf dem Weg dahin begleiteten ihn auch die Selbstzweifel, ob es wirklich was werden könnte, Fußball zum Beruf zu machen. Jetzt ist er auf der Sonnenseite des Jobs, zählt er zu den Stützen eines Teams, das als Tabellenfünfter zu den positiven Überraschungen der Saison zählt.
Vertragsverlängerung als Lohn für starke Paraden
Das haben auch die Verantwortlichen im Verein registriert und den Vertrag mit dem jungen Torwart um ein Jahr verlängert. „Es ist toll, wie er sich entwickelt hat und wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt Sportdirektor Dieter Gerstung. Michael Gelt ist nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Das Torwartspiel interpretiert er gerne offensiv, weil die Sicherheit am Ball zu seinen besonderen Stärken zählt. Aber auch in Eins-zu-Eins-Situationen überzeugt der Handschuhträger der Freiberger. Die Stürmer in der Regionalliga wissen, dass es gegen Gelt nicht reicht, entweder nur fest oder platziert zu schießen, es muss schon beides dabei sein. Das aber ist kompliziert und lässt sie auch hin und wieder zaudern. Gelts Vorbild ist nicht Manuel Neuer, sondern Iker Casillas der früher bei seinem Lieblingsclub Real Madrid zwischen den Pfosten stand. Den Königlichen drückt er auch im Champions-League-Finale die Daumen. Und unter den deutschen Keepern fällt die Wahl auf Marc-André ter Stegen, weil „er für mich der bessere Fußballer ist.“
Seinem Leben hat Michael Gelt kürzlich eine neue Facette hinzugefügt: Er macht parallel Online-Abitur, das in drei Jahren abgeschlossen sein wird. Danach kann er sich ein Fernstudium vorstellen, weil er weiß, dass man sich im schnelllebigen Geschäft nicht nur allein auf Fußball konzentrieren sollte. Und was erwartet ihn bei den Kickers? „Der Druck liegt nicht bei uns. Alles ist möglich“, sagt Gelt. Mal schauen welchen Part des Torwartdaseins er übernehmen wird.