Sollten mehr Freibäder das Oben-ohne-Baden für Frauen erlauben? Foto: dpa/Axel Heimken

Willkommen in der Debatte des Sommers 2022: Beim Oben-ohne-Baden für Frauen, das nun einige Schwimmbäder erlauben, gehen die Meinungen auseinander.

 
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Blanke Brüste sind in diesem Sommer das Gesprächsthema – seit einige Schwimmbäder das Oben-ohne-Baden für Frauen erlaubt haben. Worum geht es? Zum Verständnis geht der Blick nach Göttingen: Dort ist seit Mai, zumindest am Wochenende, auch Frauen das Baden „oben ohne“ im Schwimmbad erlaubt. Spätestens seitdem eine solche Regelung auch in anderen Städten debattiert wird, tobt es im Internet.

Die Erlaubnis des Oben-ohne-Badens für alle - also auch für Frauen - stößt bei Männern auf größere Zustimmung als bei weiblichen Befragten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. Auf die Frage „Erste Bäder erlauben nackte weibliche Oberkörper zu bestimmten Zeiten - wie finden Sie das?“ antworteten 46 Prozent der männlichen Befragten mit „sehr gut“ oder „eher gut“, jedoch nur 28 Prozent der Frauen.

Auffällig: Junge Männer (18 bis 24 Jahre) antworteten weit unter dem Durchschnitt nur zu 32 Prozent positiv, während die gleichaltrigen Frauen besonders positiv eingestellt sind (41 Prozent).

Expertin sieht Probleme

Insgesamt beurteilen es 37 Prozent der Erwachsenen in Deutschland positiv. Im Osten (44 Prozent) sind es mehr als im Westen (35). Negativ sehen es bundesweit 28 Prozent, 26 Prozent sind unentschieden („teils/teils“), der Rest machte keine Angabe.

„Ich bin natürlich dafür, Frauen die Freiheit über ihren Körper zuzusprechen“, sagt die Psychologin Ada Borkenhagen, die derzeit an einem Buch mit dem Titel „Bin ich schön genug? Schönheitswahn und Body Modification“ arbeitet. Doch sehe sie nackte Brüste in öffentlichen Bädern auch kritisch, sagt die Professorin von der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uni Magdeburg. „In unserer Gesellschaft ist die weibliche Brust nach wie vor ein anderes sexuelles Zeichen als die männliche Brust. Das kann man nicht rasch verändern, wenn einfach so getan wird, dass das doch dasselbe sei.“

Psychologin Borkenhagen findet den alten Nacktbadeansatz sinnvoller. „Frauen plötzlich nackte Brüste im Schwimmbad zu erlauben, ist etwas Anderes, als wenn in einem FKK-Bereich ein grundsätzliches Kleidungsverbot herrscht und wirklich alle gleich behandelt werden. Am FKK-Strand oder in den gemischten Saunen Deutschlands gibt es vor lauter Nacktheit sowieso meist eine Kultur des Drüberhinwegschauens. Da existiert ein echter Gleichheitsgrundsatz, der die verschiedenen Aufmerksamkeitszeichen der Geschlechter offenlegt - bei Frauen eher obenrum, bei Männern untenrum.“

Besser ganz nackt?

Beim Thema Nacktheit herrscht eine gewisse Polarisierung in Deutschland vor. Auf die Frage „Wie gerne besuchen Sie FKK-Orte, also Orte, an denen sie nackt sein müssen, wie zum Beispiel Saunen, spezielle Thermen oder Strände?“ antworteten 18 Prozent mit „sehr gern“ oder „eher gern“. Bei den Männern waren es 27 Prozent, bei den Frauen nur 10 Prozent. Überdurchschnittlich affin sind hier laut Umfrage junge Männer (18 bis 24 Jahre), während die Frauen derselben Altersgruppe unterdurchschnittlich begeistert davon sind.

Auf die Frage „Würden Sie sich selbst in Bezug auf Nacktheit als schamhaft bezeichnen?“ antworteten 57 Prozent der Frauen mit „Ja“, während es nur 40 Prozent der Männer waren. Besonders überdurchschnittlich schamhaft in der Selbsteinschätzung waren hier ebenfalls junge Frauen bis Mitte Zwanzig.