Nichts für Warmbader ist der Besuch im Esslinger Neckarfreibad. Foto: Ines Rudel

Aufgrund der Energiekrise senken die Stadtwerke Esslingen im Neckarfreibad und im Freibad Berkheim die Wassertemperatur von 24 auf maximal 21 Grad ab. Vor allem Frühschwimmer werden den Unterschied merken.

Nur noch 21 Grad Wassertemperatur? „Das ist ganz schön frisch“, meint Maria Krug-Feirreira. Regelmäßig zieht sie im Esslinger Neckarfreibad ihre Bahnen – und wird künftig wohl „ein wenig schneller schwimmen, um nicht zu frieren“, sagt sie schmunzelnd. Sehr viel wärmer wird das Wasser in dem Sportbecken in diesem Sommer nämlich nicht mehr.

 

Die Stadtwerke Esslingen (SWE) haben mitgeteilt, im Neckarfreibad und im Hallenfreibad in Berkheim die Wassertemperatur auf maximal 21 Grad zu senken – üblich waren bisher 24 Grad. „Das heißt, dass die Becken nicht zusätzlich künstlich erwärmt werden, sobald diese Mindesttemperatur erreicht ist“, sagt der SWE-Sprecher Dominik Völker. Diese neue Regelung gelte ausnahmslos für alle Becken, also auch für Kinderplanschbecken.

Indem sie auf das Heizen verzichten, wollen die Stadt Esslingen und ihre Stadtwerke einen Beitrag zum Energiesparen leisten. Erst jüngst hatte der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wegen der Gasknappheit und steigender Ölpreise zu mehr Engagement aufgerufen. „Wir sind uns bewusst, dass wir unseren Besuchern mit dieser Maßnahme einiges abverlangen, und bitten um Verständnis“, sagt Völker. „In diesen Zeiten ist es wichtig, dass alle ihren Teil dazu beitragen, Energie zu sparen.“

Nach der Einschätzung des Unternehmenssprechers wird das Absenken der von den SWE selbst festgelegten Mindesttemperatur vor allem an kühleren Sommertagen spürbare Folgen haben. „Auch die Frühschwimmer werden den Unterschied merken“, räumt Völker ein. Doch bei lang anhaltend warmem Wetter werde die Wassertemperatur in den beiden Freibädern oft über 21 Grad liegen, „da sich das Wasser auch durch die Sonneneinstrahlung auf natürliche Weise aufheizt“, erläutert er. Im Neckarfreibad, für dessen Betrieb Fernwärme genutzt wird, gebe es außerdem eine Solarthermieanlage. Diese werde wie bisher genutzt, um das Wasser für die Becken vorzuwärmen. „Und in Berkheim gibt es ein Blockheizkraftwerk, das dann eingesetzt wird, wenn die Wassertemperatur zu niedrig ist“, ergänzt Völker.

Dass die Gäste ausbleiben, weil das Wasser kälter ist als üblich, davon gehen die SWE nicht aus. „Der Freibadbesuch hängt eher vom Wetter ab als von der Wassertemperatur“, meint Völker und verweist darauf, dass Nord- und Ostsee auch nur 19 bis 21 Grad warm seien. Wie viel Energie die Stadtwerke auf diese Weise einsparen können, lasse sich nicht beziffern. Doch ein paar Grad weniger würden bei den enormen Wassermassen, die ein Freibad benötige, viel ausmachen.

Nach den Angaben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) bedeutet eine Reduzierung der Wassertemperatur um zwei Grad bereits eine Energieersparnis von bis zu 25 Prozent. Laut dem Verband haben bisher 60 Prozent der rund 6000 öffentlichen Frei- und Hallenbäder quer durch die Republik inzwischen die Wassertemperaturen gesenkt. Die Stuttgarter Freibäder beispielsweise verzichten seit 1. Juli auf die Aufheizung mit Gas, und auch in Neuffen und Wernau (beide Kreis Esslingen) richtet sich die Temperatur des Wassers nach den äußeren Bedingungen.

Maria Krug-Feirreira nimmt die Sache mit Humor. „Ich habe irgendwo gelesen: Der Megatrend des Sommers 2022 ist Eisbaden. Da ist das hier doch fast Warmbaden.“