Im Becken des Bädles gibt es in diesen Tagen viel Platz. Foto: Thomas Weingärtner

Sorgte im vergangenen Jahr der heiße Sommer für volle Freibäder, so läuft die Freibadsaison 2016 alles andere als gut. Für die Betreiber der vier Bäder im Stuttgarter Norden ist bereits jetzt sicher, dass die diesjährige Bilanz negativ ausfallen wird.

Stuttgarter Norden - Für unser Bad ist es ein katastrophaler Sommer“, sagt Peter Kolb, der stellvertretende Vorsitzende des MTV Stuttgart. Zwar habe er noch keine genauen Zahlen, es sei aber bereits jetzt absehbar, dass die Einnahmen aus dem Badbetrieb um 70 bis 80 Prozent unter denen des Vorjahres lägen. Auch wenn das Wetter in den kommenden Wochen deutlich besser werden sollte, könne man diesen Rückstand nicht mehr aufholen. Das liege vor allem daran, dass heuer in den drei Wochen vor den Sommerferien das Wetter zu schlecht gewesen sei. Normalerweise sei dies die beste Zeit, da dann vor allem viele Schüler ins Bad kämen, die später, also während der Ferien, im Urlaub seien. Laut Kolb braucht man 20 bis 25 gute Tage pro Saison, bislang habe es erst fünf gegeben. „Trotz des städtischen Zuschusses, über den wir sehr dankbar sind, bleibt ein großes Loch in der Kasse“, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Auch das Höhenfreibad auf dem Killesberg wird in dieser Saison rote Zahlen schreiben. „Die Besucherzahlen sind stark unterdurchschnittlich“, sagt Anita Grube, die kommissarische Geschäftsführerin der Bäderbetriebe Stuttgart. Momentan liege man etwa 40 Prozent unter den Werten vom Vorjahr. Bis zum 16. August 2016 sind laut Grube 82 844 Gäste ins Killesberg-Bad gekommen, im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 140 036. Dank des hervorragenden Wetters war die Gesamtbilanz 2015 mit insgesamt 159 237 Besuchern hervorragend. Selbst wenn sich Petrus in den Wochen bis zum 11. September (dann schließt das Bad) von seiner besten Seite zeigt, kann diese Zahl kaum mehr erreicht werden. Trotz Olympischer Spiele oder Fußball-EM ist für Grube klar: „Entscheidend für die Saison ist das Wetter.“ Grundsätzlich, so hat sie festgestellt, bräuchten viele Leute sozusagen eine Vorglühzeit. Sie kämen erst dann ins Bad, wenn es mindestens drei heiße Tage hintereinander gegeben habe. Für die Saison 2016 kann Grube bislang nur zwei wirklich gute Tage verzeichnen: Am 10. und am 20. Juli wurden jeweils zwischen 6000 und 7000 Besucher gezählt. Bei viel Betrieb ist im Höhenfreibad in diesem Jahr erstmals ein Sicherheitsdienst (eine Frau und ein Mann) unterwegs. Da laut Grube die Saison bislang ruhig verlaufen sei, war das Team allerdings an insgesamt noch nicht einmal 20 Tagen im Einsatz.

Das schlechte Wetter verhagelt die Bilanz

Ein trauriges Ereignis hatte es Anfang Juli im Botnanger ASV-Quell gegeben, als dort ein 13-jähriger Flüchtlingsjunge ertrunken ist. Fremdverschulden lag nicht vor, auch der Schwimmmeister hatte keine Chance, das Unglück zu verhindern. Dennoch belastet der Unfall natürlich die Mitarbeiter. Seitdem, das erzählt Pressesprecher Hubert Schmalz, würden die Aufsichtskräfte noch genauer hinsehen, wenn Flüchtlingskinder im Bad seien, und auch in deren Nähe bleiben. Zudem gebe es Ehrenamtliche, die versuchen, Flüchtlingen das Schwimmen beizubringen.

Auch beim ASV ist man mit den Besucherzahlen nicht zufrieden. Vor allem das schlechte Wetter vor den Ferien habe die Bilanz verhagelt, in dieser Zeit strömen normalerweise die meisten Gäste ins Bad. Aufzuholen ist der Rückstand laut Schmalz nicht mehr. Auch der ASV bekommt Zuschüsse von der Stadt. Außerdem helfen regelmäßig Ehrenamtliche dabei, das Bad fit für die Saison und für den Winter zu machen, wodurch sich Geld sparen lässt. Schön sei auch, das berichtet Schmalz, dass immer mehr junge Eltern mit ihren kleinen Kindern zur Furtwänglerstraße 122 kämen.

„Wir machen unser Hauptgeschäft vor den Sommerferien“, sagt auch Dieter Kugler, Betriebsleiter und Schwimmmeister vom „Bädle“ auf der Zuffenhäuser Schlotwiese. Wegen des Wetters sei heuer nicht viel gelaufen. Kugler hat ausgerechnet, dass bis Ende Juli 2016 im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr 47 000 Euro weniger in die Bädle-Kasse geflossen sind. Den SSV-Verantwortlichen geht es wie fast allen anderen Freibad-Betreibern: Selbst bei bestem Wetter fällt die finanzielle Bilanz am Saisonende negativ aus. Was den SSV betrifft, wird daran auch die Tatsache nichts ändern, dass auf der Schlotwiese bald ein neues Blockheizkraftwerk in Betrieb geht, das sowohl das Bädle als auch die Gaststätte und die Mehrzweckhalle des SSV mit Wärme und Strom versorgen soll.

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