Sonnenbaden: Ja, aber das Eincremen mit einer Creme mit hohem Lichtschutzfaktor nicht vergessen – und auf keinen Fall zu lange in der Sonne liegen. Foto: dpa

Die Hitzewelle soll jetzt, am letzten Juli-Wochenende, ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen – mit Temperaturen im Stuttgarter Kessel von knapp 40 Grad. Gut vorbereitet lässt sich die Hitze, die aus Nordafrika kommt, nicht nur aushalten, sondern sogar genießen.

Stuttgart - Was der Juni Stuttgart und der Region an Sommer schuldig blieb, gleicht der Juli mehr als aus: 18 Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad und vier heiße Tage mit mehr als 30 Grad hat er am Schnarrenberg bereits abgeliefert – und am Wochenende schüttet der Monat sein Füllhorn weiter aus. Das Thermometer soll bis auf knapp 40 Grad klettern und in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der Stuttgarter Innenstadt nicht unter 20 Grad fallen. Das bedeutet: Von Samstag auf Sonntag steht die erste Tropennacht des Jahres bevor.

Cool durch die Tropennacht

Viele Stuttgarter und ihre Nachbarn in der Region sind für die heiße Nacht gerüstet. Rund 800 Ventilatoren hat Elektrohändler Ulrich Bruhn in seinen Filialen in Stuttgart und der Region innerhalb von zehn Tagen verkauft. „Bei normalen Temperaturen sind die Geräte Ladenhüter, aber sobald sich das Thermometer Richtung 40 Grad bewegt, gehen sie weg wie warme Semmeln.“ Noch sind die Windmaschinen nicht ausverkauft. Für alle, die darauf verzichten möchten, hat das Landesumweltministerium coole Tipps auf Lager: Am Tag die Rollos runter lassen und die Fenster schließen und nachts lüften. – Wem es trotzdem zu heiß wird: Luftmatratze auf den Balkon oder in den Garten und den Sternenhimmel genießen.

Abkühlung im Freibad

Den Mitarbeitern der Bäderbetriebe Stuttgart kann es nicht heiß genug sein. Sie hoffen auf einen neuen Besucherrekord am Wochenende. Dafür müssten mindestens 73 182 Sonnenanbeter und Wasserratten in die fünf städtischen Freibäder strömen. Den bisherigen Rekord seit 2003 halten der 10. und 11. Juli 2010: An dem Wochenende suchten 73.181 Besucher in den Bädern Abkühlung. Bis jetzt hat der Juli den Bäderbetrieben mit insgesamt rund 445 000 Besuchern 57 Prozent mehr Gäste beschert als der Vorjahreszeitraum mit nur 280 000 Badegästen.

Erste Hilfe bei Beschwerden

Die Experten vom städtischen Gesundheitsamt warnen allerdings vor zu ausgiebigen Sonnenbädern. Um Sonnenbrand und langfristige Schäden wie Hautkrebs zu vermeiden, empfehlen sie, nicht zu viel Haut zu zeigen und Cremes mit hohem Lichtschutzfaktor aufzutragen. Passiert’s doch und ist die Haut am Abend krebsrot, helfen kühle Tücher und viel trinken. Da Kinder noch kein ausgeprägtes Durstempfinden haben, rät Amtsleiter Hans-Otto Tropp Eltern, dem Nachwuchs Früchte- und Kräutertees ohne Zucker, Saftschorlen und Mineralwasser anzubieten. Bei Sonnenstich, der sich durch Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen bemerkbar macht, rät das Deutsche Rote Kreuz: sofort raus aus der Sonne in den Schatten. Oberkörper aufrecht lagern, den Kopf kühlen. Tritt keine Besserung ein, den Rettungsdienst unter 112 alarmieren.

Rund 1000 Notarzt-Einsätze

Der Rettungsdienst in Stuttgart verzeichnete bis zum frühen Freitagabend 962 Einsätze wegen Herz-Kreislauf-Problemen. Nach dem heißen Wochenende dürften es mehr als 1000 Einsätze sein. Im gesamten Juli 2012 waren es 993 Einsätze. Damit es nicht so weit kommt, rät das Deutsche Rote Kreuz Stuttgart, Anstrengungen zu vermeiden.

Fußball trotz Hitze

Der Württembergische Fußball-Verband (WFV) hat die Schiedsrichter aufgefordert, für regelmäßige Trinkpausen während der Spiele zu sorgen. Gastgebende Clubs sollen genügend Behälter mit kühlem Wasser am Spielfeldrand aufstellen. An diesem Wochenende findet die erste Runde des WFV-Pokals statt, zudem bestreiten viele Amateurvereine Testspiele. Auch in den Profiligen wird es für die Spieler zusätzliche Trinkpausen geben.

Bis zu 200 Liter Wasser nötig

Den 40.000 Straßen- und 100.000 Parkbäumen hat der Wolkenbruch am Mittwoch gut getan. Sie konnten einen großen Schluck Wasser auf Vorrat nehmen. „Das entlastet uns enorm“, sagt Volker Schirner, Leiter des städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamts. „Jeder Baum benötigt derzeit je nach Größe 100 bis 200 Liter Wasser. Bleibt es noch länger so heiß, unterstützt uns die Abfallwirtschaft mit ihren Tankwagen.“ Die haben Minimum tausend Liter Wasser an Bord und fahren die wichtigsten Baumstandorte an.

Tierisch gut drauf

Die meisten Zoobewohner sind Migranten aus heißen Ländern und genießen die Hitze. In der Südamerikaanlage können die Besucher derzeit die Alpakas und Pekaris beim Duschen unterm Rasensprenger beobachten. Wird es dem Eisbärenpärchen Anton und Corinna zu heiß, springen die beiden ins 15 Grad kalte Mineralwasserbecken und drehen ein paar Runden. Die Brillenpinguine, die aus Südafrika und Namibia stammen, können auf die Kühlkammer verzichten, in der sich ihre größeren Verwandten, die Königspinguine, abgekühlt haben. Da Letztere die Wilhelma verlassen haben, wird die Kühlkammer zum Aquarium für Tiefseefische umgebaut.

Donnerwetter

Sonntagabend erwarten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes in Stuttgart schwere Gewitter. Der Regen soll Abkühlung um bis zu 15 Grad bringen. Dann soll das Spiel von Neuem losgehen. Von Montag bis Mittwoch wird es allmählich wieder heißer, so dass die 30-Gard-Marke geknackt werden könnte. Dann folgt Abkühlung durch Gewitter.

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