Ein Hinweisschild am Eingang weist die Badegäste auf die geschlossenen Duschen hin. Foto: Sandra Hintermayr

Bei einer Routineüberprüfung des Wassers in den Duschen wurden im Vaihinger Freibad erhöhte Legionellen-Werte festgestellt. Die Duschen sind für die Badbesucher gesperrt und werden aufwendig desinfiziert. Für die Badbesucher bestehe keine Gefahr bei der Nutzung der restlichen Anlagen wie Schwimmbecken und Außenduschen, sagt die Bäderchefin Anke Senne.

Vaihingen - Am vergangenen Donnerstag hat Kai Brodbeck noch an einen Schwabenstreich geglaubt. Jeden Morgen schwimmt er im Freibad Rosental, bevor er zur Arbeit fährt. Am Mittwoch seien die Duschen wegen eines „technischen Defekts“ gesperrt gewesen, am Donnerstag seien sie wieder geöffnet gewesen. Brodbeck und seine Mitschwimmer bemerkten neue Duschköpfe, von denen einer einem der Duschenden direkt beim Aufdrehen des Wassers auf den Kopf fiel. „Aus vier von zwölf Duschköpfen kam kaum Wasser“, sagt Brodbeck. Seine erste Vermutung: im Schwimmbad seien Wassersparduschköpfe eingebaut worden. Nachdem die Duschen dann allerdings am Freitagmorgen erneut gesperrt waren, kam Brodbeck ins Grübeln. „Man hat gehört, dass drinnen Wasser läuft, aber keine Auskunft bekommen, warum die Duschen geschlossen sind.“

Sperrung sei eine Vorsichtsmaßnahme

Er sei eigentlich niemand, der sich sofort beschwere, sagt Brodbeck. „Das Freibad Rosental ist bis auf die Duschen top in Schuss gehalten, schön gepflegt und das Personal immer freundlich“, sagt Brodbeck. Nun mache er sich allerdings Sorgen, weil er keine Auskunft bekomme, was genau das Problem mit den Duschen sei. An einen Schwabenstreich glaubt er längst nicht mehr. „Ich frage mich, ob da etwas Größeres dahintersteckt“, so Brodbeck. Er denke etwa an Legionellen.

Das muss Anke Senne, die Leiterin der Bäderbetriebe Stuttgart, leider bestätigen. Das Gesundheitsamt beauftrage einmal im Jahr ein Labor damit, Proben von dem Wasser in den Schwimmbädern zu nehmen. „Dabei hat das Labor erhöhte Legionellen-Werte in den Duschen festgestellt“, so Senne. Die Sperrung sei eine Vorsichtsmaßnahme. „Die Gesundheit unserer Besucher geht vor. Legionellen sind nicht zu unterschätzen.“

Keine Gesundheitsgefahr für die Badbesucher

In die Duschen seien in einem ersten Versuch Sterilfilter eingebaut worden – besagte Duschköpfe, die Brodbeck bemerkte. „Die haben leider nicht lange gehalten, weil die Badegäste damit herum hantiert haben“, sagt Senne. Deswegen habe man sich entschlossen, die Duschräume komplett für die Badegäste zu sperren. Derzeit werden die Duschen thermisch desinfiziert. „Wir erwarten die Ergebnisse Ende der Woche“, so Senne. Wenn die Werte negativ sind, könnten die Duschen schon nächste Woche wieder geöffnet sein.

Für die Badegäste bestehe bei der Nutzung der restlichen Anlagen des Freibads, der Schwimmbecken und der Außenduschen keine Gesundheitsgefahr, versichert die Leiterin der Bäderbetriebe. Nur die Warmwasserduschen seien betroffen, und die seien nicht für die Besucher zugänglich, solange ein Risiko bestehe. Über den Grund für die Legionellen kann Senne nur mutmaßen. „Die heißen Temperaturen und hohen Besucherzahlen der vergangenen Wochen könnten eine Belastung für das Wassersystem gewesen sein.“ Solange die Duschanlagen geschlossen sind, müssen die Badegäste auf die Kaltwasserduschen im Außenbereich ausweichen. Der Hinweis darauf ist im Kleingedruckten auf einem Schild im Eingangsbereich und direkt an den Duschen zu lesen. Wer eine warme Dusche will, muss in den FKK-Bereich ausweichen oder daheim duschen.

Die Duschen sind schon lange sanierungsbedürftig

„Am Eingang wird darauf hingewiesen, dass die Duschen gesperrt sind, zudem können die Kassierer Auskunft geben“, sagt Senne. Konrad Luft bemängelt, dass das Din-A4-Hinweisschild am Eingang zu klein sei. Er besuchte am Sonntag das Freibad und merkte erst, nachdem er den Kassenbereich passiert hatte, dass die Duschen geschlossen sind. „Der Zettel am Eingang ist nicht ersichtlich“, so Luft. Zwischen den ganzen weiteren Hinweisen, die im Eingangsbereich angebracht seien, gehe das Schild unter.

Dass trotz geschlossener Duschen der reguläre Eintrittspreis verlangt wird, findet Luft „unverschämt“. „Ich würde gerne den vollen Eintritt zahlen, wenn davon ein Teil als Spende für eine neue Duschanlage verwendet werden würde“, sagt der Vaihinger. „Das geht seit Jahren so, mal funktionieren die Duschen und mal nicht.“ Seit 1970 besuche er das Freibad, seitdem habe sich wenig getan in Sachen Duschenrenovierung, sagt Luft. „Die Duschen sind mehr als fällig, wann renoviert man das endlich richtig?“, fragt er.

Das allerdings ist ein Thema, das nun erst einmal hinten angestellt werden muss. In erster Linie geht es darum, die Legionellen abzutöten und den regulären Freibadbetrieb wieder herzustellen, bevor die Saison am 13. September beendet ist.

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