Am Samstag beginnt in Stuttgart die Freibad-Saison. Möhringen macht wie immer den Anfang. Was ist in einem Bad zu tun, das aus dem Winterschlaf erwacht?
Sieben Grad und grauer Himmel. Ins Wasser zieht es einen an diesem kühlen Dienstagvormittag nun wirklich nicht. Im Freibad Möhringen wird auch nicht gebadet, sondern gearbeitet. Denn am Samstag geht sie los, die Freibadsaison in Stuttgart. Und bis dahin ist auf dem 40.000 Quadratmeter großen Gelände noch viel zu tun.
Wie immer macht das Freibad an der Hechinger Straße den Anfang, nach und nach kommen dann in den nächsten Wochen die anderen vier städtischen Freibäder dazu. Das Team von Schwimmbadleiter Christian Müller bessert Fliesenschäden aus, mäht die Liegewiesen, streicht den Sprungturm oder siebt auf dem Spielplatz mit einer Maschine den Sand durch, um Schmutz oder Scherben zu entfernen. Damit das Bad bereit ist, wenn am Samstag die Badegäste kommen. „Das meiste haben wir schon geschafft, jetzt geht es an die Kleinigkeiten“, sagt Müller. „Das Volleyballnetz aufhängen zum Beispiel.“
In einem Teil der Kioskterrasse weist ein grünes Schild den Raucherbereich aus. Denn auch die Freibäder müssen das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz des Landes umsetzen. Deshalb gilt ab dem ersten Öffnungstag: Rauchen oder Vapen, das Inhalieren von Dampf aus E-Zigaretten, ist nur noch in den ausgewiesenen Raucherbereichen erlaubt. Im Freibad Möhringen gibt es davon zwei – den am Kiosk und einen weiteren im FKK-Bereich.
Gleich am Eingang weist eine Infotafel auf die Neuregelung hin. Jens Böhm, der Pressesprecher der Stuttgarter Bäder, geht davon aus, dass man am Anfang viel erklären muss: „Nicht jeder hat etwas von der Gesetzesänderung mitbekommen. Wir setzen also auf den Dialog.“ Wenn sich aber jemand wiederholt außerhalb des Raucherbereichs eine Zigarette ansteckt, kann er von den Security-Leuten auch des Freibades verwiesen werden.
Kiffen bleibt weiterhin verboten
Wie viele Raucherbereiche ein Freibad hat, kommt auf die Größe an: In Vaihingen wurden drei eingerichtet, das kleine Sillenbucher Bädle hat nur einen. Übrigens: Cannabis rauchen war und bleibt in den Freibädern verboten.
Das Team des Heslacher Stadtbads, Bademeisterinnen und Bademeister und das Servicepersonal, wechseln an diesem Freitag an ihren Sommer-Einsatzort in Möhringen. Die Personalsituation bei den Stuttgarter Bädern sei zwar besser geworden, so viele Leute, dass man einzelne Hallenbäder auch im Sommer offen lassen könnte, habe man aber immer noch nicht. „Vielleicht klappt es im kommenden Jahr“, sagt Böhm, aber versprechen kann er das nicht. Schließlich ist die Stadt zum Sparen verdammt.
Von neun Grad auf 23 Grad Badetemperatur
Drei bis vier Tage dauert es, bis das 50-Meter-Becken gefüllt ist, es fasst 2000 Kubikmeter Wasser. Dann muss das neun Grad kalte Wasser auf 23 Grad Badetemperatur gebracht werden, erklärt der Schwimmbadleiter. „Jeden Tag wird es um 1,5 Grad wärmer.“ Eine Beckenabdeckung hält die Temperatur. Dann wird das Wasser gechlort, bevor das Team einen Probelauf macht, um zu checken, ob alles funktioniert. Zuletzt muss noch das Gesundheitsamt sein Okay geben.
Ein Grund, warum das Möhringer Freibad das erste ist, das in die Saison startet: Die Wärmehalle. Hier kann man sich umziehen, duschen und direkt ins Becken tauchen – alles bei kuscheligen 30 Grad. „Gerade in der Übergangszeit ist das sehr angenehm: Sie müssen eigentlich gar nicht an die kalte Luft“, sagt Müller. Im Moment nutzt der Schwimmbadleiter die Halle noch als Gewächshaus – bis zur Eröffnung finden hier noch seine Erdbeerpflanzen ein gemütliches Plätzchen.
An einem Bilderbuch-Sommertag strömen rund 7000 Badegäste hierher. Zur Eröffnung am Samstag wird man da nicht ran kommen, aber Christian Müller rechnet auf jeden Fall mit den Stammgästen. „Die sind eine richtige Clique. Die lassen sich den Auftakt nie entgehen.“ Im Kiosk ist der Sekt für sie schon kalt gestellt.