Die Steinheimer Räte segnen ab, die Planungen voranzutreiben. Weiter unklar ist aber, ob gleich alle großen Becken modernisiert werden. Eine Frage, von der einiges abhängt.
Auch wenn es höchstens Badegäste vom Fach erkennen, wenn sie im Steinheimer Wellarium ihre Bahnen ziehen: die Substanz in den Bassins bröckelt zusehends. Vor allem am Schwimmer- und am Nichtschimmer-Becken hat der Zahn der Zeit genagt. „Es besteht hier ein sehr, sehr dringender Sanierungsbedarf“, sagte Julia Leibiger vom Büro Richter + Rausenberger nun im Gemeinderat. Unter anderem seien die Fugen undicht, Wasser sickere ins Untergeschoss, Kabelbrücken, Beton und Stahlelemente würden angegriffen. Deshalb sollen die Becken erneuert werden – wofür nun das Gremium in Steinheim den Weg ebnete.
Die Kollegen in Murr, mit denen zusammen das Freibad betrieben wird, hatten bereits vor der Sommerpause ihren Segen gegeben, die Planungen für einen ersten Bauabschnitt mit Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken zu forcieren.
Zuschussprogramm könnte Entscheidung beeinflussen
Die Modernisierung des Wellenbeckens, das noch halbwegs in Schuss ist, sollte auch aus finanziellen Gründen zurückgestellt werden. In Steinheim war das Thema seinerzeit aber vertagt worden. Den Freien Wählern war wichtig, den Bürgern zuerst reinen Wein über die Gesamtinvestitionen einzuschenken, weshalb sie sich auch für das Wellenbecken eine vertiefende Planung samt genauer Kostenberechnung gewünscht hätten, wie Fraktionschef Timo Renz ausführte. Bei der Verwaltung war indes die Botschaft angekommen, dass die Abschnittsbildung an sich der Casus knacksus sei. Deshalb hatte das Architekturbüro den Auftrag mit auf den Weg bekommen, herauszuarbeiten, welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt, das Projekt in zwei Phasen aufzuteilen. Nach längerer Diskussion beschloss die Runde in Steinheim letztlich wie Murr, sich auf den ersten Abschnitt zu konzentrieren.
Trotzdem könnte es sein, dass das Wellenbecken auch gleich fit für die Zukunft gemacht wird. Denn in der Sommerpause ist ein möglicher Gamechanger aufgetaucht: es wurde vom Bund ein Zuschussprogramm aufgelegt, um das sich die Stadt umgehend beworben hat. Bis zu 45 Prozent der förderfähigen Kosten könnten über diese Schiene finanziert werden – womit sich vielleicht doch alles in einem Rutsch stemmen ließe.
Mehr Klarheit gegen Ende des Jahres
Ob man bei dem Programm zum Zuge kommt, soll sich gegen Ende des Jahres abzeichnen. Bis dahin werde das Architekturbüro sich auch so weit in die Planungen vertieft haben, dass weitere Fakten zu dem Vorhaben und der konkreten Umsetzbarkeit auf dem Tisch liegen, erklärt der Erste Beigeordnete der Stadt Steinheim, Stephan Retter. Insofern könne Anfang 2024 entschieden werden, ob der zweite Bauabschnitt, also das Wellenbecken, auch gleich mit in Angriff genommen werden soll.
Damit könnten vor allem die Kosten gedrückt werden, weil zum Beispiel die Baustelle nur einmal eingerichtet werden müsste, wie Julia Leibiger erklärte. Klar sei aber, dass das Bad dann angesichts der längeren Bauzeit eine ganze Saison nicht öffnen könne. Wobei die Arbeiter auch erst bestenfalls Ende Juni abrücken, wenn sie sich nur das Schwimmer- und das Nichtschwimmerbecken vornehmen. „Es wird dann eine Badesaison möglich sein, aber sie wird verkürzt sein“, sagte Leibiger. Zudem müsse man erst mal Firmen finden, die es von der Kapazität her schaffen, auf einen Schlag alle drei Becken zu modernisieren, gab die Fachfrau zu bedenken.
Welche Argumente am Ende auch immer schwerer wiegen: bis der Startschuss für die Sanierung fällt, wird noch etwas Zeit vergehen. „Ich gehe davon aus, dass es nach der Badesaison 2025 losgeht. Das wäre plausibel. Die Entscheidung liegt aber beim Gemeinderat“, erklärt Stephan Retter.