Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, soll das Strümpfelbacher Freibad einem Wohngebiet weichen. Foto: Gottfried Stoppel

Weinstadt will zwei alte Freibäder zugunsten eines zentralen Neubaus schließen. Das lokale Klimabündnis kritisiert die Pläne und prophezeit dadurch weitere Probleme.

Aus zwei mach eins, so lautet der umstrittene Plan der Stadt Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) für die Freibäder. Die Einrichtungen in den Ortsteilen Beutelsbach und Strümpfelbach – beide stammen aus den 1930er Jahren und sind stark sanierungsbedürftig – sollen geschlossen und durch ein neues Freibad im Ortsteil Endersbach ersetzt werden. Für die Finanzierung des neuen Freibads sollen die Einnahmen aus dem Verkauf der frei werdenden Flächen in Beutelsbach und Strümpfelbach als Baugrund beitragen.

 

Das Klimabündnis Weinstadt hat sich nun in einer Stellungnahme gegen diese Pläne und für den Erhalt der zwei alten Freibäder ausgesprochen. Aus Sicht des Klimaschutzes hält das Bündnis einen Freibad-Neubau für eine denkbar schlechte Lösung. Dadurch werde nicht nur eine neue Fläche versiegelt, sondern auch noch die der bisherigen Freibäder bebaut. So würden wertvolle Versickerungsflächen verschwinden, das Risiko von lokalen Hochwasserereignissen steigen und die Neubildung von Grundwasser reduziert. Auch gehe mit der Bebauung ein Verlust an Lebensräumen von Tieren und Pflanzen einher und der wertvolle alte Baumbestand verloren.

Zentrales Bad führt zu mehr Autoverkehr

Der Erhalt der bestehenden Bäder sei auch im Hinblick auf die Kohlendioxid-Emissionen und den Energieverbrauch von Vorteil, argumentiert das Klimabündnis Weinstadt. Obendrein hätten dezentrale Freibad-Standorte wie jene in Beutelsbach und Strümpfelbach den Vorteil, dass die Besucher diese zu Fuß oder mit dem Rad erreichen können. Ein zentrales Bad in Endersbach führe hingegen zu mehr Autoverkehr und mehr Parkdruck am ohnehin schon belasteten Sport- und Bildungszentrum Benzach.

Forderung: Erhalt des Baumbestands

„Sollte sich der Gemeinderat dennoch für den Neubau eines zentralen Freibades entscheiden, so sind aus unserer Sicht schon zu Beginn der Planungen umfangreiche Untersuchungen und Ausgleichsmaßnahmen notwendig“, heißt es in der Stellungnahme. Dazu gehörten „der weitgehende Erhalt des alten Baumbestandes, vorgezogene Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Arten, umfassende Ausgleichspflanzungen zur Beschattung und Kohlendioxid-Speicherung sowie die Entwicklung eines Verkehrskonzepts, das keine Aufstockung der PKW-Parkplätze vorsieht“.

Ebenso müssten im Bebauungsplan der beiden Neubaugebiete Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünungen, Regenwasserzisternen, zusätzliche Wasserspeicher und Verdunstungsflächen sowie eine Bauweise mit möglichst klimafreundlichen Materialien Pflicht sein.

Das Klimabündnis fordert zudem, dass künftig alle Beschlussvorlagen in Weinstadt verbindlich einem „Klimacheck“ unterzogen werden. Die Verwaltung müsste dann in jeder Vorlage für den Gemeinderat klar darlegen, in welchem Umfang die zu treffende Entscheidung klimarelevant ist. In der Nachbarkommune Waiblingen ist diese Vorgehensweise beispielsweise bereits der Fall.