Total abgefahren: Dank seiner spektakulären und kreativen Videos hat der Österreicher 7,78 Millionen Youtube Abonnenten – er betreibt einen der 50 populärsten Sportkanäle weltweit. Nun kommt er zu einer Show nach Stuttgart.
Im Radsport gibt es zahlreiche Wettkampfformen – auf dem Renn-, Bahn-, Querfeldein-, BMX- oder Kunstrad geht es um Siege, Titel, Medaillen. Und es gibt die Radler, die das alles nicht interessiert. Viele von ihnen sind Freigeister, die weder Regeln noch Grenzen kennen, doch gerade deshalb ihr Publikum finden, manchmal sogar ein unfassbar großes. Wie Fabio Wibmer.
Der Mann aus Osttirol ist einer der Superstars der Szene, die sich über atemberaubende Tricks, sportliche Höchstleistungen, Kreativität und Akribie definiert – und natürlich über Zahlen. Fabio Wibmer (28) ist eine Youtube-Größe, seine Videos haben rund 1,55 Milliarden Aufrufe, mit 7,78 Millionen Abonnenten betreibt er einen der 50 populärsten Sportkanäle weltweit. Dazu kommen 2,6 Millionen Follower auf Instagram, auf Facebook sind es eine Million, auf Tiktok 1,8 Millionen. „Diese Zahlen sind wichtig für mich, sie bewerten meine Leistung“, sagt Fabio Wibmer, „aber ich lasse mich durch sie nicht beeinflussen. Was ich kreiere, muss vor allem mir Spaß machen. Ich kann nur erfolgreich sein, wenn ich zu 100 Prozent lebe, was ich tue.“ Dazu passt das jüngste Video.
Spektakel auf der Streif
Fabio Wibmer stammt aus dem 100-Seelen-Dorf Oberpeischlach am Großglockner, schon als Bub fuhr er mit Motocrossmaschine und Bike viel auf Schnee, der monatelang Wege und Wiesen bedeckte. Weil Kitzbühel nur eine gute Autostunde entfernt liegt, hatte er bereits damals die Idee, irgendwann die Streif zu bezwingen – auf dem „Radl“, wie er sein Gefährt nennt. Nun wurde die Vision Wirklichkeit. Monatelang hat sich Fabio Wibmer nur auf dieses Projekt konzentriert. Es wurde geplant, gebaut, trainiert. Und umgesetzt. Wibmer rast nicht nur die schwerste Abfahrt der Welt auf seinem mit Spikes ausgerüsteten Spezialrad hinunter, er macht ein Spektakel daraus. Mit Sprüngen und Salti von vier Rampen, die nur für ihn errichtet wurden, mit Höchsttempo in Mausefalle und Zielschuss, mit einem Ausflug über die Bande am Ende des Steilhangs. „Es war schon extrem steil und eisig, da kommt man ans Limit. Zudem hatten wir nicht wie sonst mehrere Wochen oder Monate Zeit, sondern nur fünf Drehtage“, sagt Fabio Wibmer, „ich bin immer auf der Suche nach Dingen, die noch nie jemand gemacht hat. Mit dem Ergebnis auf der Streif bin ich zufrieden. Alles, was ich umsetzen wollte, hat geklappt.“
In den ersten drei Wochen nach der Veröffentlichung kommt das Video bereits auf 3,3 Millionen Aufrufe und reiht sich damit ein in die Erfolgsstory des Freestyle-Mountainbikers, Filmemachers, Social-Media-Stars und Unternehmers mit eigener Modemarke. Als er neulich gefragt wurde, ob es stimme, dass er rund 300 000 Euro im Monat verdiene, wollte Fabio Wibmer, der mittlerweile in Monaco lebt, nicht widersprechen. „Ich habe genügend Geld, um mir keine Sorgen machen zu müssen“, sagt er, „und um meinen Traum leben zu können.“
Zu diesem gehört, bei Stunts ans Limit zu gehen. Das Video, in dem er in Saalbach mit dem Rad aus einem Hubschrauber springt, ist eines seiner persönlichen Highlights, wie auch die Fahrt auf einem schmalen Geländer über einer 200 Meter hohen Staumauer. Doch zugleich liebt Wibmer die Vielseitigkeit. So entstanden spektakuläre Videos in Städten, eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, eine wilde Abfahrt auf einem alten Damenrad. Während der Coronapandemie hat er daheim gedreht, mit seinem Rad den Haushalt erledigt und einen Basketball in den Korb befördert – dafür brauchte es 601 Versuche. „Ich habe das Glück, genau das tun zu können, was mir in den Kopf kommt“, sagt Wibmer, dem wichtig ist, nicht nur einzelne Sequenzen aneinanderzureihen, sondern mit jedem Video eine Geschichte zu erzählen. „Ich habe eine Passion dafür, mit meinen Tricks beim Radlfahren eine Story zu kreieren“, erklärt er, „das macht meinen Style aus, hebt mich von anderen ab.“
Ein berühmtes Vorbild: Danny MacAskill
Inspiriert wurde Wibmer, als er 14 Jahre alt war, durch ein Video von Danny MacAskill (38), einem anderen Superstar der Szene. Der hochtalentierte Biker, der das Zeug gehabt hätte, auch in Downhill-Wettbewerben erfolgreich zu sein, wusste sofort, dass er Ähnliches machen will. Er intensivierte sein Training, lernte sein Idol drei Jahre später kennen. Danny MacAskill teilte daraufhin eines der ersten Videos von Fabio Wibmer – es war der Startschuss zu einer ganz besonderen Karriere. „Wettkämpfe haben mich nie gereizt“, sagt der Klick-Milliardär, der sich trotzdem als Hochleistungssportler sieht: „Der Ansatz ist halt ein anderer als bei einem Marathonläufer. Die Kreativität spielt eine große Rolle, das filmische Können. Aber die sportliche Leistung muss mindestens auf einem genauso hohen Level sein, dafür trainiere und arbeite ich hart.“
Die Idee fürs nächste Video? Hat Fabio Wibmer schon längst im Kopf. Allzu viel verraten will er nicht, das würde die Spannung nehmen. „Es wird abwechslungsreich“, sagt er nur, „ein kompletter Kontrast zur Streif.“ Aber ziemlich sicher auch total abgefahren.
Fabio Wibmer: Auftritt in Stuttgart
Masters of Dirt
Bei der wilden Show geht es um spektakuläre Sprünge und atemberaubende Tricks – mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen. An diesem Sonntag (14 Uhr und 20 Uhr) fliegen in der Stuttgarter Schleyerhalle nicht nur diverse Bikes durch die Luft, sondern auch Quads, Schneemobile oder Scooter, die von wagemutigen Freestyle-Athleten gesteuert werden.
Youtube-Master
Prominentester Name im Feld der Artisten ist Fabio Wibmer. Der Klick-Milliardär aus Österreich ist für den eher technischen Part der Show zuständig. „Das ist eine gute Abwechslung“, sagt Wibmer, „es passt perfekt zusammen.“ Wie auch sein Stunt, bei dem er der Hallendecke bedenklich nahekommt.