Fredi Bobic will mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal gewinnen. Foto: dpa

Fredi Bobic, Sportchef von Eintracht Frankfurt, spricht über das Pokalfinale gegen die Bayern, seinen Ärger über den Wechsel von Trainer Niko Kovac – und das Luxusproblem des VfB Stuttgart.

Stuttgart - Zum zweiten Mal in Folge steht Eintracht Frankfurt an diesem Samstag (20 Uhr/ARD) im DFB-Pokalfinale. Im Vorjahr verloren die Hessen gegen Dortmund, jetzt geht es gegen den FC Bayern, der Trainer Niko Kovac abgeworben hat.

Herr Bobic, wie viel Wut auf den FC Bayern ist vor dem Pokalfinale noch übrig?
Null Komma null. Ich spüre vor allem große Vorfreude, zum zweiten Mal hintereinander in Berlin zu sein. Das ist für einen Club wie unseren alles andere als selbstverständlich. Mit Dingen wie Wut halte ich mich nicht auf.
Sie haben dem FC Bayern aber kräftig vors Schienbein getreten, als Ihr Trainer Niko Kovac von den Münchnern abgeworben worden war.
Das ist ein Vorgang, der für mich abgeschlossen ist. Ich habe damals klar benannt, was mir nicht gefallen hat. Das war auch meine Pflicht als Verantwortlicher von Eintracht Frankfurt. Jetzt ist das aber kein Thema mehr. Ich bin ein Mensch, der immer nach vorne blickt. Mit dauernden Rückschauen kommst du nicht weiter.
Mit Niko Kovac haben Sie alles ausgeräumt?
Zwischen uns steht gar nichts. Wir haben schon gleich anschließend lange darüber gesprochen und sind noch immer jeden Tag in engem Austausch. Das ist wie auf dem Fußballplatz: Man beackert sich, es knallt auch mal – aber anschließend gibt man sich die Hand, und dann geht es weiter. Unter Ex-Fußballern ist das gar kein Problem. Wir wissen beide: So ist das Geschäft.
Trauen Sie Niko Kovac zu, auch beim FC Bayern Erfolg zu haben?
Er hat in Frankfurt bewiesen, dass er die Grundvoraussetzungen hat, ein hervorragender Trainer zu sein. Die Ansprüche in München sind aber komplett andere. Es wird für ihn sicher sehr spannend sein, sich in diesem Umfeld zu bewegen. Ich wünsche ihm, dass er Erfolg hat – weiß aber nicht, ob alle Wünsche in Erfüllung gehen. Damit muss ich mich auch nicht beschäftigen.
Sie haben in dem Österreicher Adi Hütter einen Nachfolger verpflichtet, der nicht jedem Fußballfreund ein Begriff ist . . .
. . . zumindest jeder Fachmann kennt ihn. Es ist aber sicher kein Nachteil, dass er in der Bundesliga noch nicht so bekannt und damit auch noch nicht so verbraucht ist. Solche Trainer können der ganzen Liga eine frische Note geben.
Was zeichnet ihn sonst noch aus?
Seine Vita, seine Persönlichkeit, seine Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt – all das passt gut zu uns. Und: Er brennt darauf, in der Bundesliga zu arbeiten. Das ist nicht selbstverständlich, weil er mit den Young Boys Bern nächste Woche im Pokalfinale noch das Double perfekt machen kann.
Auch Adi Hütter hatte noch einen laufenden Vertrag, genau wie Niko Kovac bei Ihnen. Sind es jetzt die Berner, die stinksauer sind?
Nein, denn es gibt einen entscheidenden Unterschied: Wir haben das von Beginn an ganz offen mit unserem Berner Kollegen Christoph Spycher besprochen, der lange bei der Eintracht gespielt hat. Er war immer involviert – etwas anderes käme für mich auch nie infrage.
Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass der neue Trainer im Sommer den amtierenden Pokalsieger übernimmt?
Wenn man nur von der Papierform ausgeht, ist es eine einfache Geschichte – dann gewinnen die Bayern. Das Schöne am Pokalfinale ist aber, dass diese Spiele sehr gerne ihre eigenen Storys schreiben. Das ist nicht nur eine Floskel oder eine vage Hoffnung – das ist Fakt. In den vergangenen Jahren war das immer so.
Vor einem Jahr war Borussia Dortmund ebenfalls Favorit und hat gegen Ihr Team gewonnen.
Wir waren aber gar nicht so weit vom Sieg entfernt. Jetzt sind wir breiter aufgestellt, haben Leader dazugewonnen wie Kevin Prince Boateng, für den das Spiel in seiner Geburtsstadt etwas ganz Besonderes ist. Wir werden alles raushauen und über unsere Grenzen gehen. Wir werden ein unbequemer Gegner sein – und gleichzeitig hoffen, dass die Bayern nicht ihren besten Tag erwischen. Dann kann es klappen.
Die Eintracht muss das Finale gewinnen, um sich für die Europa League zu qualifizieren. Sie hätte es sich einfacher machen können: Noch am 27. Spieltag hatte Ihre Mannschaft acht Punkte Vorsprung auf Rang acht.
Dass wir alle enttäuscht waren, dass wir am letzten Spieltag noch hinten runtergefallen sind, ist doch klar. Wir haben alle Bock auf Europa und hätten uns gerne direkt qualifiziert. Das bedeutet aber nicht, dass wir jetzt am Boden zerstört wären. Auch wenn es nicht klappt, ändert dies nichts daran, dass wir eine tolle Runde gespielt haben. Vor der Saison haben 90 Prozent der Experten gesagt, wir kämpfen gegen den Abstieg. Stattdessen haben wir lange mit den Großen in Champions-League-Regionen gekämpft. Darauf können wir stolz sein, und das lassen wir uns auch nicht nehmen.
Lag der Einbruch am Ende auch am Bekanntwerden des Trainerwechsels?
Nein. Ich hatte nie das Gefühl, dass es zwischen Trainer und Mannschaft irgendein Problem gibt. Es war schlicht so, dass wir unsere einzige Schwächephase gegen Ende der Saison hatten. Das ist immer ein schlechter Zeitpunkt. Hoffenheim und der VfB haben hintenraus frisch, fröhlich, frei drauflosgespielt und hatten nichts zu verlieren. Es ist immer schön, wenn man am Ende der Saison einen Lauf hat und Sachen erreicht, von denen man gar nicht geträumt hat.
Der VfB wollte eigentlich gar nicht in die Europa League – jetzt sind die Stuttgarter Siebter und drücken den Bayern die Daumen . . .
. . . so schnell kann es im Fußball gehen. Ist doch ein schönes Luxusproblem.
Wie sehr hat Sie der Aufschwung Ihres Heimatclubs überrascht?
Bei aller Euphorie in Stuttgart wird mein Kollege Michael Reschke richtig einschätzen können, dass in der Rückrunde sehr vieles perfekt gelaufen ist. Mit 36 Toren 51 Punkte zu holen – Hut ab, das spricht für totale Effizienz und nicht dafür, dass man die Gegner in Grund und Boden gespielt hat. Zwischen einem 1:0 und einem 0:1 liegen oft nur Kleinigkeiten. Trotzdem: Der VfB hat sich das verdient.
Wie sehr freut es Sie für Trainer Tayfun Korkut, der einst unter Ihrer Führung VfB-Jugendtrainer war.
Es freut mich riesig. Es war eine mutige und gute Entscheidung, ihn zu holen, das habe ich von Beginn an gesagt. Er hat seine Philosophie des attraktiven und offensiven Fußballs an die Gegebenheiten angepasst und erfolgreich auf Ergebnisfußball gesetzt. Das ist eine Weiterentwicklung.
Michael Reschke hat nach Saisonende die Verpflichtung von fünf neuen Spielern bekannt gegeben. Ist da auch der eine oder andere dabei, den Sie gerne gehabt hätten?
Das sind alle richtig gute und hungrige Fußballer. Es ist eine tolle Situation für Michael Reschke, wenn die nächste Tranche von der Ausgliederung kommt und man richtig Geld ausgeben kann. Und besonders schön ist es, wenn man das schon so frühzeitig fix machen kann.
Sie wären in Frankfurt dazu nicht in der Lage?
Finanziell ist uns der VfB mindestens einen Schritt voraus. So viel Kapital, wie in Stuttgart durch die Ausgliederung geflossen ist, kann bei uns in so kurzer Zeit nicht fließen. Wir sind aber auch gut gerüstet. Nach dem Pokalfinale werden auch wir in die Vollen gehen – je nach Ergebnis ein bisschen mehr oder weniger.
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