Fredi Bobic wurde vom Kicker ausgezeichnet. Foto: Bongarts

Der frühere Stuttgarter Sportdirektor Fredi Bobic wurde vom kicker als „Mann des Jahres“ ausgezeichnet. Tatsächlich hat er in den vergangenen zwölf Monaten viel mit Eintracht Frankfurt erreicht.

Frankfurt/Main - Auf dem Höhepunkt seines Schaffens hat Fredi Bobic das Rentner-Dasein schon im Visier. „Wenn ich irgendwann keine Lust mehr verspüre, werde ich in Pantoffeln am Frühstückstisch sitzen“, sagte der vom kicker als „Mann des Jahres“ geehrte Sportvorstand von Eintracht Frankfurt mit einem Augenzwinkern: „Meine arme Frau!“ So schnell muss die in Berlin lebende Gattin Britta die permanente Anwesenheit ihres Ehemanns aber nicht fürchten. Schließlich steht der 47-Jährige noch bis zum Jahr 2023 beim hessischen Fußball-Bundesligisten unter Vertrag.

Und derzeit kann sich kaum jemand vorstellen, dass die Eintracht ihren Manager früher gehen lässt. Denn der Klub aus der Mainmetropole hat im zu Ende gehenden Jahr nicht nur den DFB-Pokal geholt. Unter der Führung des Europameisters von 1996 reihte sich zudem Rekord an Rekord. 60.000 Mitglieder, 160 Millionen Euro Umsatz, 49.000 Zuschauer im Schnitt, 230 Millionen Euro Kader-Marktwert, sechs Siege in sechs Partien der Europa League - all dies sind neue Bestmarken.

Lob für Ex-Stuttgarter Bobic

Da verwundert es nicht, dass das Lob für die Arbeit des gebürtigen Slowenen von den höchsten Stellen kommt. „Ich habe riesigen Respekt vor dem, was Fredi Bobic bislang geleistet und erreicht hat - auf und neben dem Platz“, sagte Bundestrainer Joachim Löw über seinen früheren Schützling beim VfB Stuttgart: „Er ist sich immer treu geblieben - als Spieler genauso wie jetzt als Sportvorstand. So schnörkellos und direkt sein Spiel als Stürmer war, so uneitel, offen, souverän, klar, meinungsstark und zielgerichtet agiert er jetzt in seiner Funktion in Frankfurt.“

Auch bei DFL-Boss Christian Seifert genießt Bobic hohes Ansehen. „Fredi Bobic agiert stets mit Ernsthaftigkeit und klarer Meinung“, äußerte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), der Bobic auch schon unter seinen Fittichen hatte: „Dass er dabei über den Tellerrand hinausblickt und sich nicht darauf verlassen hat, dass seine Erfahrungen aus der aktiven Karriere ihn automatisch dazu befähigen, einen Bundesligaklub in führender Position zu prägen - das wurde unter anderem schon vor vielen Jahren während eines mehrmonatigen Praktikums bei der DFL deutlich.“

Bobic setzte sich gegen 16 Konkurrenten durch

Dennoch hätte diese Erfahrung fast nicht ausgereicht, um den Job bei der Eintracht zu bekommen. Bobic musste sich gegen 16 Konkurrenten durchsetzen. Acht Stunden diskutierte der Aufsichtsrat der Hessen diese Personalie. Heute dürften sich auch die damaligen Bedenkenträger freuen, dass Bobic am 1. Juni 2016 seine neue Stelle antrat.

Die Ehrung durch den kicker sieht Bobic „nicht nur als Auszeichnung für mich persönlich, sondern vor allem als Anerkennung für das Mitarbeiter-Team, das ich zusammengestellt habe.“ Aber der „Teamleiter“ weiß selbst, dass das Geschäft schnelllebig ist. „Ich liebe es, bei der Eintracht zu arbeiten“, sagte Bobic: „Aber ich kann nie sagen, was in fünf, sechs Monaten oder in zwei Jahren sein wird.“ Bobic spricht aus Erfahrung, in seinem bisherigen Leben wurde es nie langweilig.

Der 37-malige Nationalspieler (10 Tore) spielte bei sieben Profiklubs. Doch damit nicht genug. Der gelernte Einzelhandelskaufmann und Vater zweier Töchter war Manager beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas sowie beim VfB. Abseits des Platzes arbeitete Bobic als TV-Experte, spielte in Musikvideos mit und nahm ein Lied („Steh auf“) auf. Dabei beherzigte Bobic nach eigenen Angaben stets sein Motto: „Hart arbeiten und konsequent leben.“

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