Urs Schneider, Arzt und Forscher am Fraunhofer Institut, erzählt den Jungen und Mädchen von seiner Arbeit mit Prothesen, Robotern und Computern. Foto: Rebecca Stahlberg

Ein Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung hat im Rahmen der Ferienbetreuung im Kinder- und Jugendhaus Vaihingen über seine Arbeit gesprochen. Er forscht an Prothesen.

Vaihingen - „Das will ich aber nicht anfassen!“, tönt es aus der Reihe der Grundschüler, die sich im Medienraum des Kinder- und Jugendhauses an der Walter-Heller-Straße versammelt haben. Das Objekt, das bei einem der Jungen solchen Widerwillen hervorruft, ist eine Beinprothese. Die anderen Schüler hingegen sind neugierig; das künstliche Bein wird genau begutachtet und staunend herumgereicht.

Urs Schneider hat die Prothese mitgebracht. Er ist Arzt und als Forscher am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) tätig. Er hat im Rahmen der Osterferienbetreuung im Jugendhaus einen Vortrag zum Thema moderne Prothesen gehalten und von seiner Arbeit erzählt. Die erste Woche der Aktion stand unter dem Motto „Forschen-Staunen-Lernen“.

Von Montag bis Donnerstag haben sich die 26 Mädchen und Jungen aus den Grundschulen des Stadtbezirks mit dem Thema Technik beschäftigt. In diesem Zusammenhang haben sie zum ersten Mal die Experimentierkästen und Legobausätze ausprobiert, die das Fraunhofer Institut dem Jugendhaus Ende Februar geschenkt hat (unsere Zeitung berichtete). „Wir haben sie extra aufgehoben, um in der Ferienbetreuung einsteigen zu können“, sagt Klaus Hausch, der Leiter des Kinder- und Jugendhauses. Die Kinder durften sich mit den Robotern, naturwissenschaftlichen Experimenten und Legobausätzen beschäftigen. „Wir wollen sie früh und niederschwellig an Technik heranführen“, erklärt Hausch. „Sie sollen selbst ausprobieren, ohne dass wir viel erklären, ohne dass es Noten und zu viel Theorie gibt.“ Er fügt hinzu: „Neugierde ist der wichtigste Motor.“

Die Kinder erleben die Praxis der Forschung

Nach den Worten des Kinder- und Jugendhausleiters ist es wichtig, die Begeisterung für die sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) früh zu wecken. „Der wirtschaftliche Erfolg Baden-Württembergs beruht auf guten Ingenieuren.“ Hausch ist froh über die Kooperation mit dem Fraunhofer Institut. „Die Kinder können die Praxis der Forschung erleben und sehen, dass die Forscher Menschen aus Fleisch und Blut und sogar nett sind.“ Aus diesem Grund war Urs Schneider am 1. April mit seinem Vortrag ins Jugendhaus gekommen. Er präsentierte den Jungen und Mädchen einen Einblick in seine Forschungsarbeit. Er und seine Kollegen entwickeln mit Hilfe von Computern und Robotern immer besser funktionierende, teils sogar intelligente Prothesen für Menschen ohne Arme oder Beine.

„Bei uns kommen Menschen zusammen, die sich gut mit Mathe, Elektronik und Computern auskennen“, berichtete Schneider und empfahl den Kindern, gut Englisch zu lernen. „Die Forscher auf der ganzen Welt tauschen sich überwiegend in Englisch aus, und auch Neues kann man nur in dieser Sprache lernen.“

Die Schüler stellten viele Fragen und berichteten von Menschen in ihrem Umfeld, die Prothesen tragen. Zum Abschluss resümierte Hausch für die Schüler: „Haut ordentlich rein in der Schule, bleibt dran. Vielleicht könnt ihr dann irgendwann auch dort arbeiten und Dinge erforschen, die anderen Menschen im Leben weiterhelfen.“

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