Der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart ist ein Klassiker im Frauentennis. Foto: IMAGO/Eibner

Das kommt überraschend: Mercedes wird Exklusivpartner der Frauen-Tennisorganisation WTA. Was bedeutet das für die Turnierlandschaft – und den Porsche Grand Prix in Stuttgart?

Es war hoher Besuch im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum zu Gast. Niemand Geringeres als Roger Federer, Billie Jean King und Coco Gauff gaben sich die Ehre – drei Ikonen des Tennissports. Und auch wenn Moderatorin Andrea Petkovic nur im Spaß von der „Pressekonferenz des Jahrhunderts“ sprach, war klar, dass etwas Bedeutendes im Schwange war.

 

Und tatsächlich: Die verkündete Partnerschaft zwischen dem Stuttgarter Automobilriesen Mercedes und der Women’s Tennis Association (WTA) kann man als Big Deal im Profitennis bezeichnen. Ab 2026 fungiert Mercedes als sogenannter Premier- und Exclusive Automobile Partner auf der Frauentour und wird bei allen großen Turnieren (mit Ausnahme der Grand Slams) als Sponsor präsent sein. Das Stellen des Fuhrparks für die Stars der Szene ist dabei nur ein Teil der Partnerschaft. Man wolle durch „physische Präsenz viele emotionale Erlebnisse kreieren“, heißt es aus der Konzernzentrale, ohne konkreter zu werden.

Erst der Ausstieg, jetzt die Rückkehr

Tennis und Mercedes – da war doch mal was? Tatsächlich war die Marke mit dem Stern lange auf den Courts dieser Welt omnipräsent. Vor allem auf der Männertour (ATP), und natürlich auch in Stuttgart. Von 1979 bis 2022 fungierte Mercedes als Namenssponsor des Weissenhof-Turniers, ehe vor drei Jahren der Ausstieg erfolgte. Als Grund galt eine strategische Neuausrichtung – weg von Sportarten wie Tennis, hin zu Golf, Elektro-Motorsport und Mode.

Etwas überraschend mutet daher nun die Rückkehr in den Filzball-Zirkus an. Dass es nur den weiblichen Part betrifft, ist kein Zufall. Offenbar sieht man bei den Frauen eine neue, stärkere Zielgruppe. Auch wenn das bei Mercedes niemand direkt ausspricht. „Indem wir eine der größten globalen Frauenligen unterstützen, können wir dazu beitragen, die Wahrnehmung aller Sportlerinnen zu verändern“, heißt es auf Anfrage. Die WTA wiederum sieht in der Partnerschaft einen Meilenstein darin, „das Wachstum des Frauentennis zu beschleunigen“.

Bis 2022 war Mercedes Namenssponsor beim Stuttgarter Männer-Turnier – mit Roger Federer als Sieger 2018. Foto: imago/Paul Zimmer

Ein ähnliches Bestreben verfolgt man auch ein paar Kilometer entfernt von Stuttgart-Untertürkheim, in Zuffenhausen. Und zwar schon lange – unter anderem durch das Stuttgarter Prestige-Turnier, den Porsche Tennis Grand Prix. Beim innerstädtischen Automobil-Konkurrenten hat man den Einstieg von Mercedes in die WTA-Tour mit Interesse vernommen. Betrifft er ab dem kommenden Jahr doch womöglich auch das eigene Turnier. Auf Anfrage widerspricht das Unternehmen: „Der Porsche Tennis Grand Prix wird in der gleichen Art fortbestehen wie bisher“, teilte ein Sprecher mit. Das obligatorische Siegerinnen-Auto wird also weiter das Stuttgarter Rössle auf der Motorhaube zieren und keinen Stern. Vorstellbar ist allenfalls eine kleine Form der Präsenz von Mercedes– etwa auf der Sponsorenwand der WTA.

Das sagt Porsche zum Einstieg des Konkurrenten

Grundsätzlich hat jedes Turnier seine individuellen Sponsoring-Verträge mit der Spielerinnenorganisation. Porsche hat sein Feld am Heimatstandort weitgehend abgesteckt – für Außenstehende ist da rechtlich kaum Platz. Schon gar nicht für direkte Konkurrenten. In Zuffenhausen geht man davon aus, dass die WTA mit Mercedes genau definieren wird, was bei welchem Turnier genau möglich sein wird. Seinen ersten Aufschlag will Mercedes Anfang des Jahres in Abu Dhabi wagen.

Ein zweites „Weltmarkenbündnis“ wie beim VfB Stuttgart wird es beim kommenden Stuttgarter Turnier, das von 11. bis 19. April in der Porsche Arena ausgetragen wird, also nicht geben. Beim Fußball-Bundesligisten sind bekanntlich sowohl Mercedes als auch Porsche als Investoren nahezu gleichermaßen beteiligt. Eine Besonderheit und kein Normalfall – so sieht man es beim Sportwagenhersteller. Wo man den Einstieg von Mercedes bei der WTA keineswegs verteufeln will, im Gegenteil. Im Sinne des (weiblichen) Tennissports sieht man einen potenten Partner grundsätzlich als Mehrwert für jedes Turnier.

Kein zweites Weltmarkenbündnis

Eben nur nicht für das eigene. Bleibt die Frage, was Mercedes auf längere Sicht plant – und was ihnen gestattet sein wird. Auf konkrete Nachfrage zum Auftreten beim Turnier in der Porsche-Arena antwortete Mercedes: „Wir starten ab 2026 unter dem gemeinsamen Claim „WTA Tour – driven by Mercedes-Benz. Wir werden bereits bei 30 Turnieren unter anderem mit dem Stern im Netz präsent sein, ab 2027 sogar noch mehr.“