Am 9. März organisiert das Töchterkollektiv einen Frauenstreik. Neben dem Sichtbarmachen der Care-Arbeit geht es den Frauen auch um politische Forderungen. (Symbolbild) Foto: Töchterkollektiv

In mehr als 80 Städten gehen am 9. März Frauen auf die Straße, um zu zeigen, was sie meist im Hintergrund leisten. Auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz ist ein Frauenstreik geplant.

Frauen leisten einen großen Anteil an der sogenannten Care-Arbeit. Das umfasst Aufgaben in der Kindererziehung und im Haushalt wie Kochen, Putzen, Einkaufen, den Überblick über Termine bewahren, planen und noch vieles mehr. Oft wird dabei aber übersehen, was Frauen meist im Hintergrund erledigen.

 

In frauendominierten Branchen wie Kindergärten oder in Pflegeberufen arbeiten sie teilweise unter prekären Verhältnissen. Auch werden Frauen und Männer oft nicht gleich bezahlt.

250 bis 500 Teilnehmende erwartet

Die bundesweite intersektional feministische Bewegung Töchterkollektiv will genau darauf aufmerksam machen. Deshalb organisiert sie einen Tag nach dem Weltfrauentag, also am 9. März, in mehr als 80 Städten einen Frauenstreik. In Stuttgart findet die Kundgebung von 16 bis 18 Uhr auf dem Schlossplatz statt. Die Organisatoren rechnen mit 250 bis 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Der Aufruf richte sich nicht nur an Frauen, sondern an alle Menschen, die von Ungleichheit betroffen seien oder solidarisch unterstützen wollten, heißt es in einem Instagram-Beitrag des Accounts „frauenstreik2026.stuttgart“.

„Unser Ziel ist es, die strukturellen Ursachen von Ungleichheit, ökonomischer Abhängigkeit und geschlechtsspezifischer Gewalt sichtbar zu machen und politischen Handlungsdruck aufzubauen“, sagt eine Sprecherin des Organisationsteams in Stuttgart. Außerdem soll die Aktion zeigen, dass das Land ohne Frauen stillstehen würde, wie es auf der Webseite des Töchterkollektivs heißt. Der Streik am Montag kann unterschiedliche Formen annehmen, je nach Möglichkeit der Frauen. Wer nicht auf der Straße dabei ist, könnte im privaten Umfeld streiken. Das sieht dann zum Beispiel so aus, dass Frauen an diesem Tag nichts im Haushalt erledigen, etwa nicht einkaufen gehen oder kein Essen kochen.

Neben dem Sichtbarmachen der Care-Arbeit geht es bei dem Streik auch um Forderungen in der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gleichstellungspolitik, zum Beispiel soll die Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen vor Gewalt konsequenter umgesetzt werden.

Bei dem Protest in Stuttgart sind verschiedene Aktionen geplant:

  • Es soll Redebeiträge von unterschiedlichen Vereinen, Verbänden und Gewerkschaften wie „Frauen helfen Frauen“, Verdi, dem Hebammenverband Baden-Württemberg sowie dem Aktionsbündnis 8. März Stuttgart geben.
  • Informationsmaterial wird bereitgestellt.
  • Eine „Wall of Shame“ soll auf strukturelle Missstände aufmerksam machen und die Anwesenden können ihre persönlichen Erfahrungen in einer Mitmach-Box teilen.

Teilnehmende sind nicht vom Streikrecht geschützt

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten aber beachten, dass sie nicht durch das Streikrecht geschützt sind. Bei dem Protest handelt es sich nicht um tarifliche Forderungen, sondern um einen politischen Streik. Das bedeutet, dass durch Fehlen am Arbeitsplatz Konsequenzen riskiert werden. Daher gilt: Wer an der Veranstaltung teilnimmt und auf Nummer sicher gehen will, sollte Urlaub nehmen, Überstunden abbauen, auf Gleitzeit oder eine Freistellung vom Arbeitgeber zurückgreifen.