Bald keine Minderheit mehr? Frauen in Führungspositionen. Foto: dpa/Oliver Berg

Eine Quote für Frauen in Führungspositionen nutzt nicht nur den Unternehmen, sondern der ganzen Gesellschaft, kommentiert Katja Bauer.

Berlin - Die Zeit der reinen Männerrunden an der Spitze von Unternehmen – sie ist vorbei. Endlich! Per Gesetz wird künftig jedes börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen ab 2000 Mitarbeitern dazu verpflichtet, vom vierten Vorstandsposten an eine Frau in seiner Führungsriege zu platzieren. Die Quote für Vorstände ist ein wichtiger Fortschritt, nicht allein für die Frauen, sondern für die gesamte Gesellschaft. Und übrigens auch für die Unternehmen, die sich jetzt noch darüber beklagen.

 

Zugleich besteht aber die Gefahr, dass dieses Gesetz nicht schnell und nicht gut genug wirkt – schlicht, weil die Dosis zu gering ist. Denn im Grunde handelt es sich nicht um eine Quote, sondern um eine Mindestbeteiligung von eben einer Frau. Das könnte also auch bedeuten, dass in einem neun- oder elfköpfigen Gremium nur eine Frau sitzt. Viele Studien zeigen aber, dass für eine Veränderung in der Unternehmenskultur, im Umgang miteinander, etwa ein Drittel der Positionen mit Frauen besetzt sein müssten.

Freiwillig bewegt sich wenig

Quoten sind für viele ein ungeliebtes Mittel, das man auf dem Weg zu mehr Parität lieber im Schrank ließe. Das geht auch vielen Frauen so, die dann den Verdacht fürchten, ihren Job nur wegen der Regelung zu haben. Andererseits: Als Frau ist man so oft in der Situation, als nicht ausreichend qualifiziert, als weniger belastbar, als Person mit Gebärrisiko einsortiert zu werden, dass ein neuer Abwehrreflex mehr kaum ins Gewicht fällt.

Wie stark dieser Reflex in männlich besetzten Unternehmensführungen immer noch ist, das wurde leider zuletzt gut dokumentiert. 70 Prozent der Unternehmen gaben auf die Frage, welche Beteiligung von Frauen in ihren Vorständen sie anstrebten, die inzwischen berüchtigte „Zielgröße Null“ an. Und die Industrie äußerte zugleich das Bedenken, nicht genügend qualifizierte Bewerberinnen zu finden. Deutlicher kann man seine eine Verkrustung nicht dokumentieren. Freiwillig bewegt sich also wenig.

Mehr als die Hälfte der großen börsennotierten Konzerne haben keine Frau im Vorstand, wie die Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ in ihrem jährlichen Women-on-Board-Index zeigt. Im April stellte die Initiative auch fest: von 66 Konzernen, die der neuen Regelung unterliegen, reagierten bereits sechs vor Verabschiedung des Gesetzes, indem sie eine Frau in den Vorstand beriefen. Das beweist zumindest eins: Quoten wirken, wo es ohne Quoten nicht geht.

Das Ziel: Arbeit besser teilen

Und sie sind der Weg zu einem Ziel, an dem der Gesellschaft, aber auch jedem einzelnen Unternehmen gelegen sein kann. Denn Gleichberechtigung mag im Grundgesetz stehen. Aber in der Realität wirken Stereotype und Vorurteile weiter, und um sie zu verändern bedarf es für eine Übergangszeit einer Hilfestellung. Frauen werden nach wie vor bei gleicher Leistung und fachlicher Ausbildung schlechter beurteilt. Sie machen im Beruf ab einer bestimmten Stufe die Erfahrung, wie ungleich viel anstrengender und demotivierender für sie die Arbeit in männerdominierten Teams ist. Was wiederum dazu führt, dass sie sorgfältig abwägen, ob sie überhaupt weiter aufsteigen wollen.

Und ja, Frauen gehen auch immer noch häufiger in Teilzeit, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, und fallen dann in einer wichtigen Phase der Karriereentwicklung zurück. Eine Quote könnte hier helfen, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die dem Bedürfnis vieler junger Eltern gerecht wird, Arbeit besser zu teilen. Dies wiederum würde in Unternehmen mit vielfältigeren Teams belohnt werden. Eine Entwicklung, die sich auszahlt: Etliche Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen mit Frauen in der Führung erfolgreicher sind.