In der katholischen Kirche soll sich viel ändern, fordern die Frauen. Foto: dpa

Erstmals treten Katholikinnen in einen „Kirchenstreik“. Sie fordern Gleichberechtigung und eine Änderung der Machtstrukturen. Um Boykott geht es ihnen nicht.

Stuttgart - Erstmals demonstrieren Katholikinnen mit einer Streikwoche für die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche und für mehr Konsequenz im Umgang mit sexuellem Missbrauch. Von diesem Samstag an wollen sie an zahlreichen Orten in der Bundesrepublik zu regulären Gottesdiensten keine Kirchen mehr betreten, keine Dienste mehr tun und ihre ehrenamtlichen Aufgaben ruhen lassen. Stattdessen soll es Alternativgottesdienste und Protest-Aktionen geben. Es gehe nicht um einen Boykott, sagt Margret Kehle, Diözesanrätin der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Wir möchten sichtbar machen, was Frauen in der Kirche leisten.“ An mehr als 40 Orten schließen sich Frauen im Bistum Rottenburg-Stuttgart der Aktion Maria 2.0 an, die eine Gruppe aus Münster mit einer Online-Petition und einem offenen Brief an Papst Franziskus gestartet hat.

Es gibt sogar eine Protest-Stern-Wallfahrt

In Württemberg gibt es zum Beispiel einen „Flash-Mob-Gottesdienst“ in Biberach und einen vor dem Ulmer Münster, eine Protest-Stern-Wallfahrt im Dekanat Ludwigsburg, einen Filmabend in Aalen oder verschiedene Gottesdienste, die sich mit der Rolle der Frau in der katholischen Kirche befassen. Dabei treten die Frauen für Neuerungen ein, für die sich Kirchenreformer schon lange starkmachen. So soll etwa die Vorschrift fallen, dass Priester ehelos leben müssen. Und es sollen die Ämter, die bisher Männern in der Kirche vorbehalten sind, für Frauen geöffnet werden. Das heißt, es soll zum Beispiel künftig Diakoninnen und Priesterinnen geben.

Solche Forderungen werden von großen Teilen der Basis unterstützt. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart stellt sich auch die Vertretung der Priester hinter den „Kirchenstreik“. „Ich halte die Protestaktion der Frauen für richtig“, sagt der Sprecher des Priesterrats, der Esslinger Dekan Paul Magino. „Wer die schreckliche Mahnung des Missbrauchsskandals nicht hört, die Machtstrukturen in der Kirche neu zu ordnen, versündigt sich.“ Bischof Gebhard Fürst ist da wesentlich zurückhaltender: Er könne sich vorstellen, dass Frauen zu Diakoninnen werden, meint der Geistliche. „Wenn jemand aber im Ehrenamt in den Streik geht, sollte er bedenken, dass er damit nicht die Institution trifft; vielmehr entzieht er den Menschen, für die die Ehrenamtlichen in unterschiedlicher Weise tätig sind, seine Hilfe.“

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