Nur wenn die deutsche Frauen-Nationalmannschaft kickt, sind die Ränge meistens voll. Ansonsten sieht es eher mau aus. Selbst in der Bundesliga kommen selten mehr als 1000 Zuschauer. Foto: Archiv Pressefoto Baumann

Die Macher und Vereinsverantwortlichen aus der Region rechnen nicht damit, dass sich die Frauen-WM in Frankreich positiv auf die Clubs auswirken wird. Das zeigt die Vergangenheit, in welcher die Begeisterung stets nur kurzlebig war.

Filder - Frauenfußball erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit – aber nur, wenn die Frauen-Nationalmannschaft wie jetzt bei der Weltmeisterschaft in Frankreich um Titelehren kämpft. Millionen Fans werden wieder vor dem Fernseher sitzen und die Daumen drücken. Indes: dass sich die Vereine hernach über einen immensen Zulauf an fußballbegeisterten Mädchen erfreuen können, wird wohl nicht der Fall sein. Das hat die Vergangenheit gezeigt. Nach jedem der bislang zwei WM- und drei EM-Erfolge der vergangenen zwölf Jahre hatte man deutschlandweit auch in den Bundesliga-Klubs auf den großen Schub gehofft; die Heim-Weltmeisterschaft 2011 sollte gar zum ganz großen Durchbruch verhelfen. Doch die Welle der Begeisterung ebbte stets schon vor Saisonbeginn wieder ab.

In Plattenhardt ist der Hype noch nicht spürbar

Das kann Volker Straub, der Abteilungsleiter der Fußballerinnen des TSV Plattenhardt, nur bestätigen. Als sich der Weilerhau vor acht Jahren zur Fan-Meile verwandelte und die Kickerinnen, aktuell in der Landesliga am Ball, mit allerlei Aktionen für sich und ihre Sportart geworben hatten, sei der Zulauf überschaubar gewesen. Das wird vermutlich auch nach dem 7. Juli nicht anders sein, wenn in Lyon der achte Frauen-Weltmeister gekürt wurde. „Noch spüren wir gar nichts von einem Hype“, sagt Volker Straub. Die eigenen Spielerinnen würden weder im neuesten Nationaltrikot auftauchen, noch sei die WM Gesprächsthema Nummer eins. Und schon gar nicht würde der Tauschhandel der 480 Bilder für das 56-seitige Panini-Stickeralbum Hochkonjunktur haben.

Tatsächlich scheint die Zahl der fußballspielenden Mädchen vor einigen Jahren ihr Limit erreicht zu haben. Haben in der Saison 2010/11 noch knapp 1000 Juniorinnenteams im Württembergischen Fußballverband (WFV) am Spielbetrieb teilgenommen, sind es inzwischen weniger als 500. Angelika Fioranelli-Petersohn, Ausschussvorsitzende für den Frauen- und Mädchenfußball im WFV, sieht das Problem vor allem darin, dass der Frauenfußball in den Medien viel zu wenig präsent ist. „Frauenfußball ist hierzulande nur ein Randsport“, sagt sie. Um dem etwas entgegenzuwirken wird der Tag des Mädchenfußballs in diesem Jahr nicht nur in den Vereinen, sondern erstmals in allen Grundschulen der 16 Bezirke des WFV beworben.

Um Spielerinnen kämpfen, das müssen auch die Verantwortlichen der SG Leinfelden-Echterdingen. Mit den Frauen in der Regionenliga und den B-Junioren hat der Klub zwar lediglich zwei Teams, „wir müssen trotzdem um jede Spielerin kämpfen“, sagt Patrick Goldberg, der Abteilungsleiter. Um aber neue Spielerinnen zu akquirieren, sei ein immenser Aufwand nötig, für den in den Goldäckern schlicht die Manpower fehle.

In Bernhausen boomt der Mädchenfußball – aber nicht wegen der WM

Anders sieht es beim TSV Bernhausen aus, dessen Frauenmannschaft am heutigen Samstag die Chance hat, in die Bezirksliga aufzusteigen. An die 80 Mädchen, ähnlich viele wie beim TSV Plattenhardt, kicken dort inzwischen – Tendenz steigend. Mit der WM habe das allerdings nichts zu tun, sagt die Jugendleiterin Jutta Wahl-Volz. „Wir machen unheimlich viel Werbung in den Schulen und in den Kindergärten Denn Frauenfußball ist nun mal kein Selbstläufer“, sagt sie. Der Erfolg eines Vereins stehe und falle mit dem Engagement der Leute, die sich einbringen. Und wenn eine Weltmeisterschaft mal einen Hype auslöse, dann allenfalls die der Männer. „Dann kommen die Mädels mit den Trikots und den Namen ihrer Lieblingsspieler drauf und wollen plötzlich kicken“, sagt Jutta Wahl-Volz.

Der DFB und WFV rühren zu wenig die Werbetrommel

In der fehlenden Außendarstellung sieht auch Heinz Mayer vom Fußball-Bezirk Stuttgart ein Grundproblem. „Der DFB und der WFV könnten die Werbetrommel deutlich mehr rühren“, sagt der Fußballfunktionär, der sich einst schon in seiner Funktion als Bezirksspielleiter stark für den Frauenfußball eingesetzt hat. Wie allgemein im WFV zu beobachten – der im Übrigen keinen Erst- und Zweitligisten hat – ist auch im Bezirk die Zahl der Frauen-Mannschaften konstant. In dieser Saison nehmen 22 Teams am Spielbetrieb teil, der in den unteren Klassen dennoch mangels Masse bezirksübergreifend stattfindet (Stuttgart, Rems/Murr). Die Spvgg Stuttgart-Ost und der VfB Obertürkheim spielen als klassenhöchste in der Oberliga, der vierthöchsten Spielklasse. Letztgenannter Klub kann heute mit einem Sieg im letzten Spiel den Sprung in die Regionalliga klar machen. Ob dann einmal mehr als die im Schnitt 40 Zuschauer kommen, wird sich zeigen.

Wie schon zu seinen Anfängen – 1894 wurde das erste britische Frauen-Team, die „British Ladies“ gegründet – , kämpft der Frauenfußball also nach wie vor vielerorts um gesellschaftliche Anerkennung – wenn denn nicht gerade wieder einmal auf internationaler Bühne um eine Krone gespielt wird. Millionen Fans werden wohl auch heute wieder vor dem TV sitzen und den WM-Auftakt der DFB-Frauen gegen China anschauen.

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