Mehr Frauen sind berufstätig, aber in der Chefetage sind sie immer noch selten. Foto: dpa

Politische Förderprogramme für Frauen hatten bisher nur wenig Wirkung. Immer mehr Frauen sind berufstätig, aber in den Chefetagen sind sie immer noch rar. Experten fordern, dass staatliche Zuschüsse für Firmen künftig an Frauenförderung geknüpft werden.

Politische Förderprogramme für Frauen hatten bisher nur wenig Wirkung. Immer mehr Frauen sind berufstätig, aber in den Chefetagen sind sie immer noch rar. Experten fordern, dass staatliche Zuschüsse für Firmen künftig an Frauenförderung geknüpft werden.

Stuttgart - Der Anteil von Frauen in der ersten Führungsebene ist bei baden-württembergischen Firmen seit 2004 kaum größer geworden. Nach einer Studie des IAW Tübingen ist der Anteil seitdem von 24 auf 25 Prozent gestiegen. Insbesondere in männlich dominierten Branchen wie dem verarbeitenden Gewerbe befänden sich wenig Frauen in den Chefetagen, so Eva Strobel, Leiterin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Das sind die Branchen, die in Baden-Württemberg zu den Schwergewichten gehören.

Für Frauenförderer ist es ernüchternd, dass es immer noch so wenig Chefinnen gibt. „Das ist auf keinen Fall zufriedenstellend“, sagte Barbara Schwarze, Vorsitzende des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit. „Die Fortschrittsgeschwindigkeit entwickelt sich nicht so dynamisch, wie wir uns das erhofft haben.“ Dabei gibt es bereits seit den 1970er Jahren politische Förderprogramme mit der Zielsetzung, Frauen für naturwissenschaftliche Fächer und Managementpositionen zu begeistern. In Schulen und an Universitäten liefern Mädchen und Studentinnen auch seit Jahren immer bessere Ergebnisse ab. Es gelänge aber nicht, diese Entwicklung in die deutschen Chefetagen zu transportieren, so Schwarze. Nun müssten die Firmen dafür sorgen, dass die Frauen nicht auf der mittleren Managementebene hängen bleiben.

Zwar bieten laut IAW 27 Prozent der Firmen im Land mindestens eine Maßnahme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf an (plus 21 Prozent im Vergleich zu 2008). Die Analyse zeige aber auch, dass dies zwar das Arbeitsvolumen von Frauen erhöhe, nicht aber deren Karrierechancen, sagte Günther Klee vom IAW. So hat die Zahl der beschäftigten Frauen in Baden-Württemberg 2012 mit 2,3 Millionen einen Höchsttand erreicht.

Zur Karriereförderung seien aber solche Maßnahmen am wirkungsvollsten, die sich gezielt an weibliche Nachwuchsführungskräfte richteten wie Mentoring-Programme für Frauen, Karriereplanung, bevorzugte Stellenbesetzung mit Frauen oder Quotierung, sagte Klee. „Allerdings engagierten sich 2012 in Baden-Württemberg nur zwei Prozent der Betriebe aktiv für die direkte Förderung ihrer weiblichen Belegschaft.“

Barbara Schwarze fordert daher, dass staatliche Fördergelder künftig an Projekte zur Herstellung von Chancengleichheit geknüpft werden sollen. „Solange wir für die Unternehmen keine konkreten Anreize schaffen, wird sich die Zahl der Chefinnen weiter im Schneckentempo verändern.“

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