Die VfB-Frauen haben ihr nächstes Etappenziel erreicht. Kader, Spielstätte, Saisonziel: Wir beantworten die wichtigsten Fragen mit Blick auf die kommende Saison.
Viel souveräner geht es kaum: Nach 20 Siegen aus 22 Spielen (bei zwei Unentschieden) haben die Frauen des VfB Stuttgart mit dem Erfolg gegen Schwaben Augsburg am letzten Spieltag die Meisterschaft in der Regionalliga Süd und damit den Aufstieg in die zweite Liga perfekt gemacht. Wie geht es nun weiter mit Blick auf den Kader, die Spielstätte – und wie lautet das Saisonziel? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Kader Ein größerer Umbruch steht bevor. In den Dongus-Zwillingen Fabienne und Tamar (31) sowie in Janina Hechler (26) wurden bereits drei erfahrene Spielerinnen verpflichtet. Vor zwei Wochen präsentierte der VfB mit der Junioren-Nationalspielerin Muriel Dürr eines der größten Talente Deutschlands. Die gebürtige Stuttgarterin ist zwar erst 16, aber bereits für den Kader der ersten Mannschaft eingeplant. Das gilt auch für die 17-jährige Rosa Rückert, die aus Frankfurt zum VfB kommt. Vergangene Woche kam dann noch ein prominenter Name hinzu: Nicole Billa. Die Österreicherin kommt vom 1. FC Köln, trug davor neun Jahre lang das Hoffenheimer Trikot und war 2021 Deutschlands Fußballerin des Jahres.
Die Strategie aus der Vergangenheit, fast ausschließlich Spielerinnen mit Bezug zur Region nach Stuttgart zu holen, lässt sich eine Klasse höher so nicht mehr umsetzen. Sportdirektor Sascha Glass setzt auf einen Mix aus gestandenen Spielerinnen und vielversprechenden Talenten. Der Fokus in der Transferstrategie liegt nun in der Weitsicht Richtung Bundesliga – dort will man beim VfB in spätestens zwei Jahren angelangt sein.
Bei den Abgängen gibt es noch einige Fragezeichen. Vergangenes Jahr verließen acht Spielerinnen den Club aus Cannstatt. Ähnlich dürfte die Größenordnung dieses Mal ausfallen.
Etat Schon zu Drittligazeiten steckte der Verein rund eine Million Euro in sein Frauenteam. Eine Klasse höher dürfte sich der Etat entsprechend erhöhen. Was mit den Gehältern, aber auch den Reisen zu tun hat. Statt nach Hegnach und Karlsruhe geht es künftig nach Bochum oder Mönchengladbach. Rund zwei Drittel aller Auswärtsfahrten werden mit einer Übernachtung verbunden sein, sagt Glass. Die Gehaltsstruktur wird sich ebenfalls nach oben verschieben. Glass: „Die meisten sollen sich voll auf Fußball konzentrieren können“ – sprich: nicht mehr nebenher arbeiten müssen. Jedenfalls keine 40 Stunden. Der Trainingsaufwand wird sich schließlich ebenfalls erhöhen. An zwei Tagen pro Woche soll doppelt trainiert werden. Einige wenige aus dem Kader werden trotz zweiter Liga nicht allein vom Kicken leben können oder wollen. Sie gehen einem (Neben-)Job beim VfB nach oder absolvieren ein Fernstudium.
Spielstätte Zur kommenden Saison verabschieden sich die Weiß-Roten endgültig aus Obertürkheim. Zumindest die erste Mannschaft. Vom ortsansässigen VfB Obertürkheim wurde 2021 die Lizenz für den Start in der Oberliga übernommen, die Kooperation im Nachwuchsbereich besteht weiter fort. 2025/26 wird das Zweitliga-Team sämtliche Heimspiele auf dem Gelände des PSV Stuttgart im Schatten der MHP-Arena austragen, das bis zu 1500 Fans Platz bietet. Für den PSV spricht der Naturrasen, gegen Obertürkheim unter anderem die höheren Auflagen in der zweiten Liga. So werden künftig sämtliche Partien auf Sporttotal live übertragen, Ausschnitte gibt es bei Magenta TV. Langfristig wird in einer Machbarkeitsstudie der Neubau einer eigenen Spielstätte auf dem VfB-Clubgelände geprüft. Alternative ist der Umbau des Stadions Festwiese. Fest steht nur: Das PSV-Gelände wird keine Dauerlösung sein.
Gespielt wird künftig nur noch beim PSV
Saisonziel „Oben mitzuspielen, sollte unser Anspruch sein“, formuliert es Sportdirektor Glass. Man wolle nicht tiefstapeln, aber auch nicht übers Ziel hinausschießen. Spätestens in der übernächsten Saison will man dann aufs Ganze gehen und das Oberhaus in Angriff nehmen. Entgegen der ursprünglichen Pläne des Deutschen Fußball Bundes wird die Frauen-Bundesliga zunächst nur von zwölf auf 14 Teams aufgestockt. Eine weitere Ausweitung auf 16 Teams, wie für 2026/27 geplant, wird es vorerst nicht geben. Zu den Favoritinnen in der kommenden Zweitligasaison zählen die Clubs aus Bochum, Sand und Meppen – sollten es die Meppenerinnen nicht noch in diesem Jahr schaffen. Und vielleicht redet auch der VfB ein Wörtchen in Sachen Aufstieg mit.