Der Trainer Marcus Dippel wird wohl einige neue Talente in seinem Kader begrüßen können. Foto: Archiv Yavuz Dural

Der Frauen-Regionalligist von den Fildern soll zur Plattform für die besten Nachwuchsspielerinnen aus Stuttgart und Umgebung werden. Profitieren könnten beide Seiten.

Möhringen - Ende September wird im Stuttgarter Basketball etwas Historisches passieren: Erstmals seit dem Abstieg des SV Möhringen im Frühjahr 1995 wird wieder eine Frauenmannschaft aus der Landeshauptstadt in der zweithöchsten deutschen Spielklasse auf Korbjagd gehen. Der MTV Stuttgart hat sich jüngst entschieden, das Abenteuer zu wagen und sich nach der wegen Corona frühzeitig abgebrochenen Saison 2020/21 als einziger Drittligist aus dem Regionalbereich Südwest um einen Aufstiegsplatz beworben. Von den zuständigen Gremien folgte das Okay. Und gespannt darf man nun auch von Möhringen aus zuschauen, denn indirekte sportliche Auswirkungen hat die am Kräherwald neu entstandene Situation auch 15 Kilometer weiter südlich auf den Fildern.

Markus Dippel hat ein Marktlücke entdeckt

Dort hat Marcus Dippel, der Trainer des bisherigen MTV-Ligarivalen, eine Marktlücke entdeckt, die er für seine eigenen Personalplanungen nutzen will. „Wir haben im Nachwuchsprojekt Regio-Team Stuttgartetwa ein halbes Dutzend Mädchen der Jahrgänge 2004 bis 2007, für die der Sprung in die zweite Bundesliga noch ein bis zwei Jahre zu früh kommt. Die möchten wir in der kommenden Saison an dieses Niveau heranführen“, sagt Dippel. Heißt: die Talente sollen in Möhringen höherklassige Erfahrungen sammeln, ehe sie sich dann vielleicht irgendwann nach noch weiter oben verabschieden. Dabei hege er mitnichten allein eigennützige Gedanken, betont Dippel, der seit drei Jahren an der Hechinger Straße die Kommandos führt und auch schon in der ersten Frauen-Bundesliga als Trainer aktiv war. Vielmehr gehe es ihm ganz allgemein um die Perspektiven im Stuttgarter Frauen- und Mädchenbasketball. Und da müsse es in dem seit 2014 aus acht Vereinen der Region zusammengeschlossenen Verbund Regio-Team Stuttgart auf jedem Niveau entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten geben – von der fünften (Landesliga) bis zur zweiten Liga. Für die Regionalliga ist eben nur noch eine ­mögliche Plattform verblieben: jene in Möhringen.

Für Talente ist die Regionalliga ideal

„Wir haben sechs Oberligisten in einem Umkreis von 20 Kilometern für die Basis im Breiten- und Freizeitsport. Für Talente, die sich mit 15 oder 16 Jahren in Richtung Leistungsbereich orientieren wollen, ist dagegen die Regionalliga ideal. Und dafür wollen wir jetzt der Anlaufpunkt und ein Sprungbrett sein“, sagt Dippel. Der 48-Jährige und seine Co-Trainerin Danijela Bradfisch, die zudem beim Regio-Team für die U-16-Regionalligamannschaft zuständig ist, haben deshalb in den vergangenen Wochen mehrere Gespräche mit Franck Becker geführt. Letzterer ist Koordinator und sportlicher Leiter im Regio-Team. Offenbar gelungen ist es, bisherige Dissonanzen ad acta zu legen. In der Vergangenheit hatte es zwischen beiden Seiten immer wieder geknirscht. Der Streitpunkt: wer von den Youngsters trainiert beziehungsweise spielt wann und wo? Von Dippel hatte es mehrfach Kritik gegeben.

Zwei Talente haben sich bereit im Training vorgestellt

„Diese Dinge sind ausgeräumt. Schließlich wollen wir alle nur das Beste für den Stuttgarter Frauen- und Mädchenbasketball, gerade jetzt nach Corona, wo es besonders schwierig ist, alle wieder zurück in die Halle zu bekommen“, sagt der Coach nun. Ein paar Talente aus der Regio-Mannschaft, die in der vergangen Saison erstmals die Qualifikation für die Jugend-Bundesliga (WNBL) geschafft hatte und dort mit zwei Siegen aus drei Spielen gestartet war, haben sich in Möhringen bereits im Training vorgestellt. Im Idealfall, so hofft Dippel, werden in der neuen Spielzeit vier oder fünf Teenager aus den Kooperationsclubs mit einer Zweitlizenz im Möhringer Frauen-Regionalligateam aktiv sein.

Hinzu kommen zum einen eigene Talente wie Annika Bezler (17), Eva Kasakidou (19) und die Jugend-Nationalspielerin Joanna Scheu (16) – und zum anderen die Routiniers Barbara List, Sabrina Lehrer und Lynn Schintgen. „Wenn dann noch ein oder zwei externe Neuzugänge den Weg zu uns finden, sollten wir einen interessanten Kader haben, mit dem wir sportlich eine gute Rolle spielen und die talentierten, motivierten Nachwuchskräfte für die nächste sportliche Ebene vorbereiten können“, sagt Dippel.

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