In der Nacht auf Mittwoch hat die Polizei in Aspach einen Renault untersucht. Foto: 7aktuell.de/Kevin Lermer

Die Spur der im Rems-Murr-Kreis entführten Pflegerin führt nach Frankreich. Dort wurde ein verlassenes Wohnmobil entdeckt. Einer der beiden mutmaßlichen Täter gilt als gewalttätig und psychisch auffällig.

Aspach - Die am Montag in Großaspach (Rems-Murr-Kreis) entführte 47-jährige Jolanta S. ist nach Frankreich verschleppt worden. Dies hat die Polizei am Freitag bekannt gegeben. Im Zusammenhang mit der Entführung wird jetzt nach zwei Männern gefahndet. Ein Wohnmobil, das die beiden Täter benutzt haben sollen, um die Frau gegen ihren Willen zu verschleppen, ist inzwischen aufgetaucht – im Elsass, in der Nähe von Strasbourg. „Dort wurde es verlassen und festgefahren in einem Waldstück entdeckt“, erklärt der Polizeisprecher Ronald Krötz.

Die Polizei fahndet nach zwei mutmaßlichen Entführern

Jetzt läuft die Fahndung nach zwei Männern auf Hochtouren: Maciej I., 51 Jahre alt, und Krzystof T., 23 Jahre alt. Bei dem älteren der mutmaßlichen Täter handelt es sich um den Exfreund der Entführten. Laut Informationen unserer Zeitung ist er als gewalttätig bekannt, außerdem gilt er als psychisch auffällig. Die Ermittler vermuten, dass S. die Beziehung zu ihm beendet hatte – und er darauf dann mit der Entführung reagierte. Die Polizei rät dringend, sich den Gesuchten nicht zu nähern.

Auch die französische Polizei hat sich mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit gewandt. Sie vermutet das Trio in der Gegend um Schweighouse-sur-Moder (deutsch: Schweighausen), wo das Wohnmobil gefunden worden war.

Bis auf die Bilder liegt bislang keine nähere Beschreibung der Gesuchten vor. Es ist lediglich auf den Fotos sichtbar, dass I. Tätowierungen auf den Armen trägt. Warum I.s jüngerer Kollege sich an der Entführung beteiligt hat, ist unklar. Ebenso wenig ist bekannt, warum die Männer ihr Opfer nicht in die Heimat Polen, sondern über die Grenze nach Südwesten verschleppt haben.

Fahndungsfotos veröffentlicht – das untersuchte Auto gehört der Tochter der Entführten

Nach wie vor, betont der Polizeisprecher Krötz, gingen die Ermittler davon aus, dass die entführte Jolanta S. am Leben ist. „Wir vermuten, dass sie jetzt mit einem weiteren, unbekannten Fahrzeug unterwegs sind“, so Krötz. Die Ermittler hoffen, dass Zeugen das Trio gesehen haben und ihnen Hinweise geben können. Sie haben aus diesem Grund nicht nur Fotos der Entführten und der beiden mutmaßlichen Täter, sondern auch der bislang verwendeten Fahrzeuge veröffentlicht. Auch die französische Presse berichtet inzwischen über den Fall. Bislang sind nur vereinzelte Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen.

Die polnische Staatsbürgerin Jolanta S. hatte in Aspach als Pflegerin bei einer alten Dame gearbeitet. Am Montag war die als zuverlässig geltende 47-Jährige nicht aus der Mittagspause zurückgekommen und war als vermisst gemeldet worden. In der Nacht auf Mittwoch hatte die Polizei, unterstützt von Spürhunden, der Feuerwehr und einem Hubschrauber, einen Parkplatz bei der Mechatronik-Arena in Großaspach abgesucht und dabei auch ein abgestelltes Auto unter die Lupe genommen.

„Wir vermuten, dass einer der beiden Täter mit diesem Fahrzeug aus Polen angereist ist“, so Krötz. Das Auto soll der Tochter des Entführten gehören, die in Polen lebt. Sie ist ein gemeinsames Kind von S. und I.. Ob bei der Suchaktion in Großaspach eine heiße Spur entdeckt wurde, ist nicht bekannt.

Die Polizei arbeitet eng mit den Behörden in Frankreich und Polen zusammen

„Wir arbeiten sehr eng mit den Kollegen in Frankreich und in Polen zusammen“, sagt der Polizeisprecher Ronald Krötz. Die Arbeit der Polizei ist eine große Herausforderung: Einerseits gilt es, S.s Aufenthaltsort schnellstmöglich herauszufinden und auch die Öffentlichkeit in die Fahndung mit einzubeziehen. Andererseits wird dadurch auch der Druck auf den psychisch labilen Entführer größer – was unter Umständen das Opfer in Lebensgefahr bringen könnte.

Wer die Vermisste oder einen der mutmaßlichen Entführer gesehen hat, wird dringend gebeten, sich unter der Nummer 0 71 51/95 03 33 bei der Kriminalpolizei in Waiblingen zu melden.

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