Das Ensemble Quatuor Modigliani in Originalbesetzung Foto: Jérome Bonnet

Das französische Streichquartett Quatuor Modigliani hat in Stuttgart bei Russ Klassik einen kurzfristigen Besetzungswechsel bestens gemeistert.

Der kurzfristige Ersatz eines Mitspielers ist für ein Streichquartett eine heikle Angelegenheit, ist doch die in langer Probenzeit erreichte Homogenität damit gefährdet. Insofern kann als Glücksfall gelten, wenn ein Einspringer gefunden wird, mit dem diese weitestgehend erhalten bleibt – wie nun beim Konzert des französischen Quatuor Modigliani im Stuttgarter Mozartsaal.

 

Das musste auf seinen Bratscher verzichten, fand aber mit Adrien Boisseau einen überaus kompetenten Ersatz: Ein bisschen zurückhaltend agierte das einstige Mitglied des Quatuor Ébène, ansonsten aber fügte sich Boisseau reibungslos in das von Temperament und Klangschönheit geprägte Musizieren des Ensembles.

Von der Folklore Andalusiens inspiriert

Los ging es mit Joaquin Turinas „La oración del torero“. Der Komponist schildert darin das Gebet eines Toreros in einer Kapelle, in die der Lärm und Tumult der benachbarten Arena hereinwehen; ein farbenreich-sinnliches, von der Folklore Andalusiens inspiriertes Werk, das vom Quatuor Modigliani mit Prägnanz und rhythmischer Kontur gespielt wurde.

Auch Maurice Ravel war von der Kultur Spaniens fasziniert. Einige seiner Werke wie die „Rhapsodie espagnole“ beziehen sich direkt darauf, in anderen ist der Einfluss subtiler – wie etwa in seinem Streichquartett F-Dur, wo vor allem im letzten Satz typisch spanische Wendungen herauszuhören sind. Eine wichtige Funktion haben dabei die Tremoli: Ravel setzt sie auf sehr differenzierte Weise zwischen atmosphärischem Flirren und rhythmischem Pulsieren ein, und das Quartett arbeitete diese verschiedenen Qualitäten in der gebotenen Deutlichkeit heraus.

Fabelhafte Zugabe

Das Programm nach der Pause wurde dann wegen des Besetzungswechsels umgestellt: Statt des annoncierten Beethovenquartetts spielte man Brahms’ Klarinettenquintett op. 115, zu dem sich noch der Klarinettist Pablo Barragán dazugesellte. Der Andalusier, immerhin Preisträger beim ARD-Wettbewerb, platzierte sich in der Mitte zwischen die vier Streicher und nahm gleich im ersten Satz das Heft in die Hand. Eher hell und offen klingt sein Instrument, was dann gut zum Quartett passte, das statt herbstlich gedeckter Melancholie eher die kraftvoll musikantischen Aspekte von Brahms’ melodiensattem Spätwerk betonte.

Dass der Bratschist eingesprungen war, hatte man bis dahin fast vergessen, und mit der fabelhaft hingelegten Zugabe knüpften die Musiker noch einmal an den Beginn des Konzerts an: Manuel de Fallas „Danza ritual del fuego“.