Eine süße Welt: Christine Flores in ihrem Café in Magstadt, das sie sich mit Schneiders Lädle teilt. Foto: factum/Simon Granville

Die Französin Christine Flores hat jahrelang als Betriebswirtschaftlerin gearbeitet und dann auf Konditorin umgeschult. Mit Backen als Beruf genießt sie ihr Leben viel mehr.

Magstadt - Sie lässt ihren Kunden kaum eine Wahl: Die meisten kaufen am Ende alle drei Sorten ihres französischen Feingebäcks. Wenn Christine Flores freitags und samstags ihr Café in Magstadt öffnet, sind die Tartelettes manchmal innerhalb von einer halben Stunde ausverkauft. „Die Küchlein sehen ja toll aus“, schwärmt eine Kundin und bestellt gleich acht davon, bunt gemischt. Sablé Breton, traditioneller Sandkuchenteig mit Schokocreme und Himbeeren versehen, ein Fruchtstückchen und eine klassische Tartelette Chocolat sind dieses Mal im Angebot bei „Christines Süße Welt“. „Es ist schön, direkt diese Reaktion und die Anerkennung zu bekommen“, sagt sie.

Als Betriebswirtschaftlerin hat Christine Flores fast ein Viertel Jahrhundert lang in Unternehmen mit internationalen Kunden gearbeitet. Die Französin spricht vier Sprachen und hat sich gleich nach dem Universitätsabschluss nach einem Job in Deutschland umgesehen. Im Customer-Service und im Marketing war sie vor allem tätig. „Man sitzt zwischen den Kunden, der Produktion und der Entwicklung – und man ist der erste, bei dem alle Beschwerden landen“, sagt sie. Mit zunehmender Unzufriedenheit wurde ihr Traum, ein französisches Café zu eröffnen, immer größer. Vor fünf Jahren machte sie ihre Gesellenprüfung als Konditorin.

Ihr Hobby von Kindheit an

„Ich backe und koche sehr gerne seit ich klein bin“, lautet die einfache Erklärung der 49-Jährigen für die Entscheidung. Ihr Handwerk eignete sie sich in ihrer Heimat an: In die Lehre ging sie bei Konditormeister Olivier Fernandes, beim berühmtesten, elsässischen Pâtissier Christophe Felder besuchte sie Backkurse und studierte seine Bücher. „Die Ausbildung parallel zum Job war schon schwer“; erzählt sie. Bei der Prüfung seien die jungen Schüler allesamt eine Stunde früher fertig gewesen, weil ihr die Übung fehlte. Als Angestellte sammelte sie dann drei Jahre Erfahrung in zwei Betrieben in der Region. Die neue Tätigkeit hat sich im Vergleich zur alten ein bisschen wie eine Befreiung angefühlt: „Am Ende des Tages ist in der Bäckerei alles erledigt, es bleibt keine Aufgabe liegen wie im Büro“, erklärt sie den Unterschied.

Kunstvoll hat Christine Flores Kiwischeiben, Erdbeerstückchen und Johannisbeeren auf ihre Tartelette Méli-Mélo drapiert. „Feine Rezepte aus Frankreich“ setzt sie um, alles ist selbst gemacht. Haselnusskrokant mit Mousse au Chocolat gehört zu ihrem Repertoire, Vanille-Eclair mit Erdbeeren , Tartelettes au Citron oder Biscuit mit Mokkabuttercreme und Schokoladen-Ganache. Im vergangenen November eröffnete sie ihr Café – damals kamen gleich 120 Gäste. „Es war der Wahnsinn“, erinnert sie sich. Aber dann kam eine Krankheit dazwischen und kurz darauf Corona. Statt an vier Tagen und mit Sonntagsfrühstück hat sie aktuell nur freitags und samstags für jeweils zwei Stunden geöffnet und offeriert „Frankreich to go“ an, wie sie es auf die Werbetafel vor dem Lokal geschrieben hat.

Zweiter Platz beim Start-up-Wettbewerb

Bei einem Start-up-Wettbewerb in Magstadt landete die Konditorin vergangenes Jahr auf dem zweiten Platz. „Mein Ziel ist es nicht, Millionärin zu werden“, schränkt sie die Gewinnerwartungen für ihr Geschäft ein. Mit Existenzgründerseminaren bereitete sie sich auf die Selbstständigkeit vor, ihr Mann ist weiterhin als Projektingenieur tätig. Der Knackpunkt war, einen Laden zu finden. Jetzt ist sie in Schneiders Lädle untergekommen, das jedoch nur am letzten Wochenende des Monats ebenfalls als Café betrieben wird.

Rund 40 Petits Gâteaux bereitet Christine Flores für einen Öffnungstag vor. Die erste Kundin, die ihre Törtchen bewundert, bietet sich gleich als Hilfe an. „Ich finde es einfach toll“, sagt sie, „ich backe selbst gern, aber solche Sachen kann ich nicht.“ Christine Flores lächelt und lässt sich die Telefonnummer geben. Ihre Vitrine leert sich dann schnell. Den Berufswechsel hat sie nie bereut. „Ich genieße mein Leben so“, sagt die Konditorin.

Veränderte Öffnungszeiten

Vor Corona hatte Christine Flores mittwochs, freitags, samstags und sonntags geöffnet – bis auf das letzte Wochenende im Monat, wenn Schneiders Lädle an der Reihe ist. Momentan verlauft sie ihre Kuchen nur freitags von 10 bis 12 Uhr und samstags von 13.30 Uhr, Neuigkeiten gibt es auf ihrer Homepage.

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