Eine der reichsten Frauen der Welt: Liliane Bettencourt Foto: dpa

Die Milliarden-Erbin Liliane Bettencourt ist jahrelang von ihrem Butler abgehört worden.

Paris - Tatort Neuilly bei Paris: Der Lauschangriff in der Villa der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt ereignet sich meistens kurz vor dem Mittagessen. Der Butler der 87-Jährigen legt ein schwarzes Filzetui auf den Tisch, in dem ein kleines Diktiergerät versteckt ist. Ein Jahr lang horcht er die Tischgespräche der reichsten Frau Frankreichs mit ihren Beratern systematisch aus. Auf den Mitschnitten hört man, wie Teller klappern und Hunde bellen. Vor allem aber enthalten sie offenbar spektakuläres Beweismaterial. Und stützen so die These, dass die greise Multi-Milliardärin geistig nicht mehr auf der Höhe ist und das wehrlose Opfer des schillernden Pariser Fotografen Francois-Marie Banier (63) geworden ist.

Fast eine Milliarde Euro hat die verschwenderische Erbin des L'Oréal-Imperiums diesem Tausendsassa vermacht, der auch Schriftsteller und Schauspieler, Maler und Designer ist: mal in Lebensversicherungen, mal in wertvollen Gemälden, mal in Schecks. "Ich bin eine freie Frau", rechtfertigte Liliane Bettencourt einmal ihre surreal anmutende Großzügigkeit, die sie als Kultur-Sponsoring für einen äußerst talentierten Mann verstanden haben will. Ihre Tochter Francoise Meyers-Bettencourt hingegen sieht einen monströsen Betrüger am Werk, der die Schwäche der Greisin schamlos ausnutzt. Sie klagt auf Rückzahlung von 993.000.000 Euro und will die Mutter entmündigen. Den Boulevard versetzt der Mutter-Tochter-Krieg im Schönheitsimperium in helle Aufregung.

Liliane Bettencourts Schwäche über Jahre hinweg ausgenutzt

Die 28 CD-ROMs, die der neugierige Butler zwischen Mai 2009 und Mai 2010 mitschnitt, könnten in dem aufsehenerregenden Prozess die Wende zugunsten der Jüngeren bringen. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Le Point" rechtfertigt der Butler, der seit über zehn Jahren in Diensten der L'Oréal-Erbin steht, seine Spionage-Aktion. Er habe nicht mehr mit ansehen können, wie Liliane Bettencourt "von skrupellosen Menschen ausgenutzt wurde". Gemeint ist nicht nur Francois-Marie Banier, sondern auch Bettencourts Vermögenswalter Patrice de Maistre.

Vor einem Monat spielte der Butler die delikaten Aufnahmen aus dem Hause L'Oréal der Tochter zu. Worauf diese das umfangreiche Beweismaterial zur Polizei in Nanterre schleppte. Schließlich drängt die Zeit - am 1. Juli beginnt der Prozess gegen Banier. "Mein Mandant wurde nicht beauftragt, und er hat auch kein Geld für die Aufnahmen bekommen", betont nun Antoine Gillot, der Anwalt des Butlers. Das Material beweise eindeutig, dass Liliane Bettencourts Schwäche über Jahre hinweg systematisch ausgenutzt wurde.

Zufall oder nicht: Kaum hatte der Butler seine Abhöraktion beendet, quittierte er freiwillig den Dienst bei Liliane Bettencourt. Angeblich aus Angst vor Repressalien. Hausangestellte, die Banier vor einem Jahr gegenüber der Polizei schwer belastet hätten, seien kaltgestellt worden. "Auch mir hat Herr Banier vorgeworfen, zur Polizei gegangen zu sein, was aber nicht stimmt", sagt der Butler, den die Polizei am Mittwoch zum Verhör ins Polizeigewahrsam steckte.

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