Frank Mastiaux, Vorstandschef der EnBW, ist davon überzeugt, dass man sowohl Mitarbeiter als auch Kunden oder Anrainer beispielsweise von Windenergieanlagen überzeugen müsse. Foto: dpa

Die Energiewende macht auch kommunikativ Veränderungen notwendig. Worin sie bestehen, ist kulturell sehr unterschiedlich, wie eine Diskussion beim Weltenergiekongress in Abu Dhabi zeigte. Für Deutschland saß EnBW-Chef Frank Mastiaux auf dem Podium.

Abu Dhabi - Die Notwendigkeit, Geschäftsmodelle klimafreundlicher zu gestalten, wirft für Energieunternehmen relativ neue Fragen auf. Wie überzeugt man Mitarbeiter davon, massive Veränderungen mitzumachen? Wie überzeugt man Menschen davon, dass in ihrer Nachbarschaft eine Hochspannungstrasse gebaut werden muss? Wie überzeugt man Kunden oder Investoren? Das war am Dienstag Thema einer Diskussionsrunde beim Weltenergiekongress, der zurzeit in Abu Dhabi stattfindet.

 

Was unter „Gewinn mit Nutzen“, so der Titel der Runde, zu verstehen ist, differiert international allerdings stark. Das war bei der Diskussion, an der unter anderen Vertreter aus Japan, Saudi-Arabien und Deutschland – der EnBW-Chef Frank Mastiaux – teilnahmen, deutlich herauszuhören. Während Aabed al-Saadoun, Chef der Arab Petroleum Investments Corporation, den Unternehmenszweck vor allem darin sah, Wohlstand zu schaffen und so der Gesellschaft zu nutzen, hielt es der Vorstandsvorsitzende des japanischen Atomkraftbetreibers Tepco, Masashi Nagasawa, bereits für einen großen Fortschritt in Richtung Transparenz, Finanzberichte zu veröffentlichen.

Bevölkerung in Deutschland steht mehrheitlich hinter der Energiewende

Frank Mastiaux, Vorstandsvorsitzender der EnBW, ist mit anderen gesellschaftlichen Ansprüchen konfrontiert. Sowohl Mitarbeiter als auch Kunden oder Anrainer beispielsweise von Windenergieanlagen müsse man heute überzeugen und mitnehmen, sagte er. Obwohl die Bevölkerung in Deutschland mehrheitlich hinter der Energiewende stehe, seien viele bei einzelnen Projekten, die sie beträfen, kritisch. „Wenn man sie nicht überzeugt, scheitert man mit großer Wahrscheinlichkeit“, so Mastiaux. Dabei müsse „man muss mit herausfordernden Fragen rechnen – Menschen haben eine hervorragende Antenne dafür, ob man etwas ernst meint oder nicht.“ Bei Veränderungen im Unternehmen müsse man sich überdies darauf einstellen, dass Veränderungen Zeit bräuchten. „Bis Menschen ihr Verhalten ändern, kann es fünf bis zehn Jahre dauern.“

Danach gefragt, was andere Länder von den Erfahrungen mit der Energiewende lernen könnten, riet Mastiaux, die Förderung einzelner Technologien regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen, um Überförderungen zu vermeiden, und Prozesse vom Ende her zu denken. Deutschland habe es beispielsweise versäumt, den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien durch einen Ausbau der Netze zu flankieren.