Nach 15 Jahren und 600 Sendungen moderiert Frank Elstner am Samstag zum letzten Mal die Show „Menschen der Woche“. Foto: dpa

Frank Elstner muss mit seiner Talksendung „Menschen der Woche“ aufhören, denkt aber trotz 73 Jahren nicht an den Ruhestand.

Baden-Baden - Es war vor wenigen Tagen in Köln. Frank Elstner stand auf der Bühne und strahlte übers ganze Gesicht. Die Kölner Bürgergesellschaft hatte ihm gerade den Ohren-Orden verliehen. Ein renommierter Preis für Promis, die ihr „Ohr am Puls der Zeit“ haben und mit der man das Lebenswerk der TV-Legende würdigen wolle. Nun ist (noch) nicht bekannt, welche Auszeichnung der ohnehin schon preisgekrönte Moderator an diesem Samstagabend in Baden-Baden vielleicht von seinem bisherigen Arbeitgeber, dem Südwestrundfunk, erhalten wird oder ob es zum Abschied nur einen Händedruck gibt. Fakt ist aber: Es ist Elstners letzter Auftritt als Moderator von „Menschen der Woche“ – nach 15 Jahren, 600 Sendungen und rund 3000 Gästen.

Die Talksendung aus dem alten E-Werk in Baden-Baden, die im Schnitt 700 000 Zuschauer anlockte, wird nach 15 Jahren eingestellt. Zum Leidwesen vieler Fans und mit großem Bedauern von Elstner selbst. „Ich hätte gerne noch ein oder zwei Jahre weitergemacht“, sagt der Österreicher. Aber der SWR wollte das nicht. Zum einen aus Spargründen, zum anderen wegen der Reform des Programms. Elstner, der in seinem Fernsehleben viele Formate erfunden hat (das prominenteste Beispiel ist „Wetten, dass . . ?“) und unzählige Sendungen wie „Die Montagsmaler“ und „Verstehen Sie Spaß?“ moderierte, musste akzeptieren, dass er aussortiert wird. Er wisse „ja seit zwei Jahren, dass jetzt Schluss ist“, sagt er gelassen und doch leicht verbittert.

Damals hatte ihm SWR-Intendant Peter Boudgoust mitgeteilt, dass der Sender künftig nur noch zwei Talkformate im Programm haben will. Genau so wurde es umgesetzt: das „Nachtcafé“ mit Michael Steinbrecher (als Nachfolger von Wieland Backes) und „Pro & Contra“ mit Schiedsrichter Clemens Bratzler. Elstner hat damals zweimal geschluckt, hat die Entscheidung des SWR inzwischen aber akzeptiert. „Man muss einem Sender erlauben, dass er sich Gedanken über seine Zukunft macht und nicht über die Zukunft eines 73-Jährigen.“ In seiner Redaktion und Firma in Baden-Baden sieht man das freilich etwas anders. Noch wissen nicht alle, womit sie ab Januar ihre Brötchen verdienen.

Rückzug aus dem Showgeschäft kommt für Elstner nicht in Frage

Elstner, der einst in Rastatt und Baden-Baden zur Schule ging, aber nicht in Freiburg Theaterwissenschaft studieren konnte, weil er das Abitur nicht bestanden hatte, kann da gelassener sein. „Ich habe in meinem Leben so oft aufgehört und dann wieder angefangen.“ Er war Radioreporter, Schauspieler, Talkmaster, Showmoderator, er hat Sendungen wie „Jeopardy“ und „Nase vorn“ erfunden, hat vor Jahren sein Faible für Tier-Dokumentationen entdeckt und will diese Leidenschaft unter dem TV-Titel „Elstners Reisen“ auch in den nächsten Jahren pflegen. „Mein Spieltrieb ist ungebrochen“, sagt er. Ein Rückzug aus dem Fernsehgeschäft – wie es Thomas Gottschalk oder Hape Kerkeling zuletzt versucht haben – kommt für den Mann mit dem Glasauge nicht infrage. „Ich trete nicht zurück, sondern mache nur weniger.“ Und so bemüht er sich immer wieder zu betonen, dass er trotz des Endes für „Menschen der Woche“ nicht ganz von der Bildfläche verschwinden wird. Mit Ranga Yogeshwar will er weiterhin die „Große Show der Naturwunder“ moderieren. Nebenbei wird er vielleicht über neuen TV-Formaten brüten. „Ich schließe nicht aus, dass ich im nächsten Jahr eine tolle Idee habe.“ Wer Elstner kennt, der ahnt: Trotz Rentenalters denkt der TV-Dino noch längst nicht an Ruhestand.

Aber erst einmal schaut Elstner auf die letzte Ausgabe von „Menschen der Woche“. Seine Gesprächspartner sind Schauspieler Ralf Bauer, Model Franziska Knuppe, Sänger Ritchie Newton, Ex­tremsportler Felix Baumgartner sowie ein Überraschungsgast, den Elstner selbst nicht kennt. Der Moderator will trotz Abschiedsvorstellung so vorgehen wie immer: Den Gästen im Einzelgespräch zuhören, mit ihnen unaufgeregt reden. Das wilde Stimmengewirr anderer Talkshows, wo vielfach durcheinander statt miteinander geredet wird, das war nie Elstners Stil. Oder wie es SWR-Intendant Boudgoust umschreibt: „Frank Elstner hat nicht sich, sondern die Menschen der Woche ins Rampenlicht gestellt.“ Mit dem „geduldigen Zuhören und respektvollen Nachfragen“ habe er sich als ein „Großmeister seines Fachs“ erwiesen.

Auf jeden Fall gelang es Elstner fast jeden seiner Wunsch-Gesprächspartner nach Baden-Baden zu locken: Von Schauspieler Klaus Maria Brandauer über Bud Spencer und Kanzler Gerhard Schröder bis zur Ex-Kaiserin Farah Diba. Aber was macht der SWR künftig nun auf diesem Sendeplatz am Samstagabend? Noch scheint keine Entscheidung gefallen zu sein. Nächsten Samstag kommt an dieser Stelle der Spielfilm „Zwei Seiten der Liebe“. Elstner dürfte das egal sein. Er freut sich „auf ein paar Monate Nichtstun“, aufs Reisen – und auf freie Wochenenden. „Jetzt planen nicht mehr andere meine Zeit, jetzt kann ich selbst planen.“

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