Eva Weinmann arbeitet als Yogalehrerin, vor sieben Jahren hat sie ihr Yoga Studio „Fuß über Kopf“ eröffnet. Foto: Christine Joos

Wie erleben die Menschen den Teil-Lockdown? Unser Fragebogen will das erkunden. Heute: Eva Weinmann, die als Yogalehrerin in Stuttgart ihr eigenes Studio betreibt und in Teilzeit als Psychologin tätig ist.

Stuttgart - Wie erleben die Menschen den Teil-Lockdown? Unser Fragebogen will das erkunden und erscheint in lockerer Folge – bis auf Weiteres...

  Weiter Teil-Lockdown in Deutschland – wie geht’s, Frau Weinmann?

„Die Antwort hängt davon ab, wo ich hinschaue. Wenn ich auf meine Situation und den Moment blicke, dann kann ich sagen ‚im Großen und Ganzen total gut‘. Wenn ich weiter und in die Zukunft schaue, mache ich mir schon Sorgen über die möglichen längerfristigen Konsequenzen der Pandemie. Dabei meine ich nicht nur die wirtschaftlichen Folgen, sondern besonders auch die gesundheitlichen.“

  Und wie steht’s im Beruf?

„Seit wir im März den ersten Lockdown hatten, haben wir unser Yogaprogramm im Studio auf online umgestellt – phasenweise ganz. Aufgrund der Beschränkungen hatten wir weniger Einnahmen, bei mehr Arbeit. Das liegt auch daran, dass die Technik mehr Fürsorge braucht und öfter störanfällig ist. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass in der Pandemie viele Möglichkeiten und kreative Projekte entstehen. Wir haben zum Beispiel ein Online-Angebot zur Selbstfürsorge und Resilienz entwickelt und unser fantastisches Team hat sich bereit erklärt, jede neue Idee auszuprobieren. In meiner Arbeit als Psychologin bei Wildwasser Stuttgart e.V., einer Fachberatungsstelle für Frauen, merken wir natürlich die Auswirkungen von zum Beispiel Armut und sozialer Isolation in der Pandemie nochmal deutlich stärker. Und haben es auch dort mit einem höheren Arbeitspensum zu tun.“

  Gibt es etwas, was Ihnen im Alltag gerade besonders hilft?

„Ein wichtiger Aspekte von Yoga ist die Verbindung zu sich selbst, zum Moment und auch zu anderen Menschen. Die eigene Yogapraxis trägt mich nach wie vor größtenteils durch die Corona-Pandemie. Ich spüre beruflich weiterhin viel Verbindung zu den Menschen, die an den Kursen online teilnehmen und zu den Klientinnen sowieso. Im privaten Bereich sind es unspektakuläre, alltägliche Dinge und Rituale, die für mich hilfreich sind, beispielsweise viel in der Natur sein, gutes Essen, genügend Schlaf und mich mit Menschen treffen oder vernetzen, die mir gut tun.“

  Was wünschen Sie sich heute am meisten von Ihren Mitmenschen?

„Kürzlich hat eine meiner Einzelschülerinnen sich diese Frage selbst gestellt und gleichzeitig beantwortet – zugegebenermaßen mit einem etwas abgedroschenen, aber dennoch zeitlosen Zitat von Reinhold Niebuhr: ‚Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.' Für mich persönlich würde ich das Wort ‚Gott’ streichen und das Zitat um ein bisschen Humor ergänzen.“

  Und wie planen Sie Ihr Weihnachten?

„Normalerweise gebe ich zwischen den Jahren ein Yogaretreat. Gerade überlege ich, ob ich das auf online umstelle. Weitere, auch familiäre Pläne habe ich noch gar nicht, weil hierzu auch die Befindlichkeiten abgesprochen werden müssen.“

Eva Weinmann (37) lebt in der Landeshauptstadt und unterrichtet seit 2007 Yoga. 2013 hat sie das Yoga Studio „Fuß über Kopf“ im Stuttgarter Westen eröffnet. Zudem arbeitet sie in Teilzeit als Psychologin bei Wildwasser Stuttgart e.V., einer Fachberatungsstelle für Frauen, die sexualisierte Gewalt in der Kindheit oder Jugend erlebt haben oder noch immer erleben.

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