Peter Bröckel steht meistens zwischen dem Markt- und dem Schillerplatz. Foto: /Beate Grünewald

Wie erleben die Menschen den Teil-Lockdown? Unser Fragebogen will das erkunden. Heute: der Stuttgarter Trottwar-Verkäufer Peter Bröckel. Er begegnet seit fast zehn Jahren Stuttgartern und hat in der Pandemie einen klaren Wunsch an sie.

Stuttgart - Wie erleben die Menschen den Teil-Lockdown? Unser Fragebogen will das erkunden und erscheint in lockerer Folge – bis auf Weiteres...

Wieder Teil-Lockdown in Deutschland – wie geht’s Herr Bröckel?

Gesundheitlich geht es mir gut. Aber das Soziale fehlt mir leider sehr. Durch Corona hat sich alles geändert.

Und wie steht’s im Beruf?

Ich bin seit fast zehn Jahren fest angestellt bei Trott-war und verkaufe in Stuttgart die Straßenzeitung. Das ist schwerer geworden. Meine Verkaufszahlen haben ziemlich nachgelassen, das ist schade. Die Menschen haben sich in der Pandemie verändert, sind uns Verkäufern gegenüber distanzierter und zum Teil aggressiv. Man merkt: Sie haben Angst und trauen sich nicht mehr so nah ran. Dabei verkaufen wir mittlerweile kontaktlos und stehen etwas entfernt vom Zeitungsstapel.

Gibt es etwas, was Ihnen im Alltag gerade besonders hilft?

Das Wichtigste ist für mich, dass ich meine Arbeit habe, Geld verdiene und Kontakt zu den Menschen im Büro habe. Würde es Trott-war nicht mehr geben, müsste ich wieder von vorne anfangen. Ich will hier so lange bleiben, wie es geht. Es gibt für mich keine bessere Arbeit, denn hier halten alle zusammen und unterstützen mich.

Was wünschen Sie sich heute am meisten von Ihren Mitmenschen?

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen wieder mehr lächeln und nicht nur den Stress mit sich rumtragen. Man sieht, dass viele total verschlossen sind. Dabei ist das eigentlich das Wichtigste: das Lächeln.

Irgendwann ist das Virus besiegt! Worauf freuen Sie sich für die Zeit danach schon jetzt am meisten?

Dass es so ist wie früher: Dass Menschen wieder auf uns zukommen, lachen, mit uns reden und wir ganz normal verkaufen können. Dass man seine Familie und Freunde wieder treffen kann. Und dass wir wieder mit den Kollegen zusammensitzen dürfen, Weihnachtsfeiern haben und Grillfeste feiern. Trott-war ist wie eine große Familie für mich.

*Trott-war ist ein Verein, der 1994 gegründet wurde und monatlich eine Straßenzeitung veröffentlicht. Etwa 180 sozial benachteiligte Menschen finden durch deren Verkauf und andere Vereinsaktivitäten einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt.

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