Empfehlungen für die Qualifizierung der künftigen Pädagogen sind umstritten. Foto: dpa

Die Landesregierung will die Lehrer künftig besser auf ihre vielfältigen Aufgaben vorbereiten. Über den richtigen Weg sind sich die Experten allerdings nicht einig.

Stuttgart - Die Vorschläge liegen auf dem Tisch: Lehrer für Haupt- und Werkrealschulen, ­Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien in Baden-Württemberg sollen künftig gemeinsam ausgebildet werden. Das hat eine hochkarätige Kommission der grün-roten Landesregierung empfohlen. „Es ist ein Irrglaube, dass bei jüngeren oder leistungsschwächeren Schülern weniger Fachexpertise nötig sei als bei älteren oder leistungsstärkeren“, erklärte Sybille Volkholz, Vorsitzende der Kommission, bei der Vorstellung der Studie im März in Stuttgart.

Sechs Wochen später, am Dienstag, kam die ehemalige Berliner Bildungssenatorin erneut in die Landeshauptstadt, um bei einer Fachtagung mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) und Kultusminister Andreas Stoch (SPD), Vertretern von Hochschulen und Lehrerseminaren, von Lehrer-, Eltern- und Schülerverbänden, von Wirtschaft und Kirche sowie mit Landtagsabgeordneten über die teils heftig umstrittenen Empfehlungen zu diskutieren.

Die Diskussion sei wichtig, „um über das weitere Vorgehen zu entscheiden“, sagte Kultusminister Stoch. Baden-Württemberg habe zwar gute Lehrer und eine gute Lehrerausbildung. Gesellschaftliche Veränderungen wie sinkende Schülerzahlen und eine größer werdende Vielfalt in den Klassenzimmern machten es aber nötig, „alle Schüler optimal zu fördern, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft“. Um Lehrer besser auf neue Anforderungen wie die individuelle Förderung oder den gemeinsamen Unterricht von Kindern ohne und mit Handicaps vorzubereiten, müsse die Lehrerbildung verändert werden.

Fachliche Ausbildung bleibt auf der Strecke

Bisher haben Stoch und Bauer die Empfehlungen der Kommission noch nicht bewertet. „Wir sind heute in der Rolle der Zuhörenden“, sagte Bauer. In den kommenden Wochen seien weitere Diskussionen geplant. Die Rückmeldungen sollen in das Eckpunktepapier einfließen, dass noch vor den Sommerferien im Kabinett behandelt werde.

Strittig ist vor allem der Vorschlag, dass künftig alle Lehrer für die weiterführenden Schulen gemeinsam ausgebildet werden und alle eine sonderpädagogischen Grundausbildung erhalten sollen. Dadurch fehle die nötige Zeit für die fachliche Ausbildung, argumentierten einige Vertreter von Gymnasien und Universitäten. Aber auch von Pädagogischen Hochschulen und Seminaren für die Ausbildung von Haupt- und Realschullehren kam Kritik. Diese begrüßen zwar, dass „ihre“ Lehrer künftig statt acht zehn Semester studieren sollen. Allerdings halten sie den Vorschlag, alle Lehrer auf Gymnasialniveau auszubilden, für überzogen. Zum einen gehe dies zu Lasten der pädagogischen und der fachdidaktischen Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen, zum anderen könnten durch die hohen Leistungsanforderungen Studenten abgeschreckt werden.

Alle Pädagogen der Sekundarstufe eins (Klasse fünf bis zehn) und Sekundarstufe zwei (Klasse elf bis dreizehn) müssten in der Lage sein, berufsvorbereitend zu unterrichten und die Schüler auf ein Hochschulstudium vorzubereiten, meint hingegen Kommissionschefin Volkholz. Nur wenn sie auch fachlich fit seien, könnten sie starke und schwache Schüler gut fördern.

Empfehlung: Alle Grundschullehrer sollen Deutsch und Mathe studieren

Bei der Ausbildung der Lehrer sollen die Universitäten und die Pädagogischen Hochschulen nach dem Willen der Kommission eng zusammenarbeiten und nach angelsächsischem Vorbild so genannte Professional Schools of Education gründen. Die künftigen Grundschullehrer sollen weiter an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet werden. Die Kommission empfiehlt, dass künftig alle Grundschullehrer Deutsch und Mathematik studieren und ein drittes Fach oder einen Schwerpunkt wie etwa Sonderpädagogik wählen sollen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kinder in den grundlegenden Fächern besser gefördert werden.

Offen ist auch, ob die jetzigen Lehramtsstudiengänge aufgegeben und wie in den meisten anderen Studienfächern das Bachelor- und Masterstudium eingeführt wird. Damit würde nicht nur der Wechsel in andere Bundesländer erleichtert, sondern auch in einen anderen Beruf, wenn die Lage auf dem Lehrerarbeitsmarkt schwierig sei oder Studierende etwa während des Praxissemesters erkennten, dass der Lehrerberuf doch nicht der richtige für sie sei, so die Experten.

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