Die Wiesent ist sowohl für Kanu-Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet. Foto: Cyris

In der Fränkischen Schweiz dreht sich vieles ums Wasser: Etwa beim Kanuwandern auf der Wiesent. Danach stillt veredeltes Brauwasser den Durst.

Gössweinstein - Man kann gar nicht so schnell schauen, wie sie Reißaus nehmen. Normalerweise. Normalerweise nehmen Bachforellen in Anbetracht größerer Tiere quasi die Flossen unter die Arme und verdrücken sich wie ein geölter Blitz in sichereres Gewässer. Doch die bunt gesprenkelte Forelle lässt das Boot links liegen und aalt sich stattdessen ungerührt in der Sommersonne. Ihre Schuppen strahlen durch die Wasseroberfläche der Wiesent.

Recht hat sie. Das idyllische Flüsschen in der Fränkischen Schweiz ruft förmlich danach, sich einfach mal treiben zu lassen. Etwa in einem Kanu. Vorbei an Burgruinen und restaurierten Mühlen, rauschenden Wehren und raschelnden Weiden, bunten Bauern- und lauschigen Biergärten. Eine Streckenkulisse wie im Wasserwanderbilderbuch.

René Busch, Kajakverleiher, händigt Schwimmwesten und Paddel aus und demonstriert die sogenannte Paddelbrücke. Diese Technik ermöglicht es auch unerfahrenen Bootstouristen, das Gefährt mit trockenen Füßen zu besteigen. Selbst in munteren Gewässern wie der Wiesent. „Die Fließgeschwindigkeit ist genau richtig“, meint René Busch, „weder zu lahm noch zu reißend.“

An der Pulvermühle im Wiesenttal werden die Boote zu Wasser gelassen. Das gleichnamige Gasthaus genießt einen legendären Ruf. Unter anderem war es im Herbst 1990 für drei Monate Zufluchtsort des exzentrischen Schachweltmeisters Bobby Fischer. Wochenlang fachsimpelte er dort mit dem Sohn der Familie über die richtige Strategie auf dem Brett. Um nicht frühzeitig matt zu sein, gibt es für Kanuwanderer eine simple Taktik: immer locker flussabwärts. Mit lässigen Paddelschlägen geht’s dahin. Wer erinnert sich bei dieser Gelegenheit nicht gerne an des Müllers Lust: „Vom Wasser haben wir’s gelernt, vom Wasser. Das hat nicht Ruh bei Tag und Nacht, ist stets auf Wanderschaft bedacht, ist stets auf Wanderschaft bedacht, das Wasser.“

 Auch im Hochsommer ist das Flüsschen 17 Grad kühl

Die Wiesent rauscht und plätschert und befördert die Kajaks in Richtung Gößweinstein und weiter Richtung Ebermannstadt. Hier und da gilt es ein paar Ästen auszuweichen. Oder sich darunter wegzuducken. „Festhalten und versuchen, per Armarbeit drum herum zu kommen, ist eher ungünstig“, sagt René Busch. Sprich: Während der Körper versucht Halt zu finden, reißt die Strömung das Boot weiter - was nicht selten zum Kentern des Bootes führt. Eine kühle Angelegenheit. Denn auch im Hochsommer kommt die Wiesent nie über 17 Grad hinaus.

 Auch einige der Stromschnellen sorgen für erhöhten Pulsschlag. Doch die meisten sind mit etwas Geschick leicht zu meistern. Bei den wenigen schwierigen gibt es den Notausgang: An Ausstiegsstellen können diese kleinen Mutproben buchstäblich umgangen werden. Damit sich jeder Kanukapitän mental einstellen kann, weisen die Kajakverleiher auf die sportlichen Stellen hin. Auf der Wiesent kommen sowohl blutige Anfänger als auch etwas Fortgeschrittene zu ihrem Spaß. In der warmen Sonne taucht oberhalb der Wiesent eine Burg auf: Rabeneck. Ein echtes Postkartenmotiv. Hier muss das Boot um ein Wehr herumgetragen werden. Eines von mehreren auf der Strecke. Auch die Burg ist nicht die einzige: Die Fränkische Schweiz ist für ihren Reichtum an Burgen bekannt.

Dann herrscht wieder Funkstille. Beziehungsweise das Rauschen des Wassers. Davon gibt’s reichlich: Der Naturpark Fränkische Schweiz ist Karstgebiet. Ganzjährig strömt kühles Grundwasser durch die Flüsse. Zahlreiche Quellen speisen die Wiesent. Außerdem münden mehrere Nebenflüsse hinein - für Wassernachschub ist also bestens gesorgt. „Seit ich hier bin, ist es noch nie vorgekommen, dass es zu wenig Wasser zum Bootfahren gibt, auch nicht in heißen Sommern“, sagt Busch, der immerhin schon seit 24 Sommern hier paddelt. In den Schulferien hat er einst beim Kajakverleih im Weiler Doos an der Wiesent ausgeholfen. Vor elf Jahren hat er den Betrieb dann übernommen. Dieser gehörte zuvor einem pensionierten Seemann aus Berlin. Motto: Kanu statt Kahn.

Die Fränkische Schweiz gehört zu den ältesten deutschen Ferienregionen. Der Tourismus geht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Zu Zeiten der deutschen Teilung wurde die Gegend mit Vorliebe von Westberlinern bevölkert. Grund: Es war eines der ersten Ferienziele hinter dem Eisernen Vorhang. Nach stundenlanger Holperei über die DDR-Autobahnen tat schnelle Erholung not. So gelangte auch René Busch, gebürtiger Sachse, Jahrgang 1977, als Zwölfjähriger erstmals in die Fränkische Schweiz. Seine Eltern, passionierte Kanufahrer, investierten nach dem Mauerfall das Begrüßungsgeld in eine Reise in die Region zwischen Erlangen, Bamberg und Bayreuth. „Mit drei Kajaks auf dem Dach unseres Trabis sind wir hierhergetuckert“, erinnert sich Busch, „das Ganze sah aus wie ein Plastikraketenwerfer.“

Nicht unbedingt Raketen, aber zumindest verbale Giftpfeile handelt sich ein, wer die Regeln missachtet, die das Zusammenleben von Anglern, Fliegenfischern und Wassersportlern regeln sollen. Die Paddler müssen sich an Kontingente, Uhrzeiten und Einstiegsstellen halten: Wer’s nicht tut, riskiert im besten Fall eine lautstarke Diskussion. Im schlimmsten Fall droht eine Strafe durch die Naturwärter. Wildes Bootfahren soll - so gut es geht - eingedämmt werden. Schlauchboote und Luftmatratzen sind ohnehin verboten, auch zum Schutz von Flora und Fauna.

 Mit dem Kajak in den Biergarten

Mit etwas Glück sind Eisvögel oder die ebenso seltenen Wasseramseln zu erspähen. Der Flusslauf Richtung Behringersmühle, unterhalb des Wallfahrtsorts Gößweinstein gelegen, und weiter Richtung Ebermannstadt ist weitgehend naturbelassen. I-Tüpfelchen jeder Kanutour ist, unterwegs in einem Biergarten einzukehren. Erst recht, wenn man es bei einer Tagestour von der Pulvermühle bis Ebermannstadt geschafft hat. Die Fränkische Schweiz ist berühmt für ihre Brauereidichte. Sie wird sogar im Guinness-Buch der Rekorde erwähnt. Auf 150 000 Einwohner kommen 74 Brauereien.

Sehr verkehrsgünstig, weil direkt an der Ausstiegsstelle der Wiesent gelegen, lockt etwa in Ebermannstadt eine Brauereigaststätte. Die Preise sind niedrig: die Halbe Bier unter zwei Euro, herzhafte Wurstplatten vier Euro. Hier wird die Fränkische Schweiz ihrem Ruf als günstige Urlaubsregion voll gerecht. Bevor zugeschlagen werden darf, müssen erst noch die Boote auf dem Dachträger vertäut werden. Eines ist kaum zu stemmen, weil halbvoll mit Wasser. Ein kurz zuvor gekenterter Teilnehmer hat vergessen, den Rumpf zu leeren. Völlegefühle im Rumpf - Touristen in der Fränkischen Schweiz kennen dieses Gefühl. Aber anders als das Kanu erst nach dem Biergartenbesuch.

So wird das Reisewetter in Deutschland 

Infos zur Fränkischen Schweiz

Anreise
Von Stuttgart aus über die A 81 Richtung Heilbronn, bis Kreuz Weinsberg, dort auf die A 6 Richtung Nürnberg, bis Kreuz Nürnberg-Süd, dort auf die A 73 bis Ausfahrt Forchheim-Süd. In Forchheim Richtung Ebermannstadt auf der B 470. Diese Bundesstraße führt durchs Wiesenttal.

Unterkunft
Unweit der Wiesent kommt man in Behringersmühle etwa im Landhotel Frankengold unter. Das Dorf ist auch Endstation der beliebten Museumsdampfeisenbahn ( www.dfs.ebermannstadt.de ). ÜF ab 35 Euro pro Person. Die Pension Zweck in Gößweinstein bietet nicht nur saubere Zimmer, sondern auch Parkplätze für Hausgäste - Mangelware im berühmten Wallfahrtsort. Die Basilika und die Burg ziehen vor allem an den Wochenenden viele Besucher an, ÜF ab 22 Euro pro Person, www.zweck-goessweinstein.de .

Kanuwandern auf der Wiesent
Die Wiesent kann von Mai bis Ende September mit Kanus, Kajaks und Kanadiern befahren werden. Boote verleiht der Kajak-Mietservice in Doos an der Wiesent. Die Tagestour (von Pulvermühle bis Ebermannstadt) im Einerkajak kostet 36 Euro, drei Stunden im Zweierkajak pro Person 18 Euro, verschiedene Kurzstrecken im Angebot, www.kajak-mietservice.de . Allgemeine Informationen Tourismuszentrale Fränkische Schweiz, www.fraenkische-schweiz.com .

Was man tun und lassen sollte
Auf jeden Fall sollten Sie das Naturschwimmbad oberhalb von Gößweinstein besuchen. Fantastischer Panoramablick auf die Basilika und das malerische Umland. Eintritt frei! Auf keinen Fall Angler und Fliegenfischer verärgern, also nicht vor 9 Uhr und nicht nach 18 Uhr paddeln. Wer außerhalb der genehmigten Uhrzeiten auf der Wiesent unterwegs ist, dem drohen empfindliche Geldbußen. 

Fan werden auf Facebook:https://www.facebook.com/fernwehaktuell

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: