Die neue Anlage auf dem Dach des Neuen Schlosses in Stuttgart ist ein Vorzeigeprojekt – sie kostet aber mindestens vier Mal so viel wie andere Komplexe. Das sind die Gründe.
Ende Mai ist die Fotovoltaikanlage auf dem Neuen Schloss in Stuttgart in Betrieb gegangen, und noch ist sie nicht ganz abgerechnet. Aber klar ist jetzt schon: Sie könnte die teuerste Solaranlage werden, die das Land Baden-Württemberg je gebaut hat. Pro Kilowattpeak Leistung liegt der Preis nämlich bei 7391 Euro, insgesamt sind es bei 46 Kilowattpeak dann 340.000 Euro. Den Durchschnittspreis aller installierten Anlagen auf Landesgebäuden gibt das Finanzministerium selbst mit 2000 Euro pro Kilowattpeak an.
Und eigentlich ist der Preis für das Neue Schloss noch geschönt. Denn zumindest anteilig müssten die Kosten für das sehr aufwendige Gerüst hinzugerechnet werden, das bis April sowohl auf der Planieseite als auch im Ehrenhof aufgebaut war. Da aber zugleich Reparaturarbeiten am Dach sowie Putz- und Stuckarbeiten erledigt worden waren, ist eine genaue Zuordnung nicht möglich.
Sebastian Engelmann, der Sprecher des Finanzministeriums, spricht von einem maximal mittleren vierstelligen Betrag, den man hinzurechnen dürfte. Dann käme man auf 8500 Euro pro Kilowattpeak. Insgesamt gibt das Ministerium die Kosten für Solaranlage und Sanierung inklusive Gerüst mit 1,2 Millionen Euro an.
Denkmalschutz verteuert jede Fotovoltaikanlage
Nun ist es aber nicht ganz fair, als Vergleichspreis die genannten 2000 Euro heranzuziehen. Bei recht neuen Anlagen auf dem Gebäude der Staatsanwaltschaft Stuttgart oder auf dem Rechenzentrum der Universität Stuttgart waren es übrigens sogar nur 1500 Euro pro Kilowattpeak. Aber dabei handelt es sich eben um normale Gebäude, während das Neue Schloss unter Denkmalschutz steht und zu den herausragendsten Gebäuden im Südwesten zählt. Das erhöht die Anforderungen enorm.
So mussten zum Beispiel spezielle Module gewählt werden, die sich auf den dunklen Schieferplatten möglichst wenig abheben. Die Unterkonstruktion durfte nicht sichtbar sein. Und es musste mit Blenden gearbeitet werden, um an den Rändern kein Zickzackmuster entstehen zu lassen.
Kosten in Stuttgart sind aus dem Ruder gelaufen
Neben dem Ausbau der Solarenergie war es dem Land beim Neuen Schloss eben auch darum gegangen, zu demonstrieren, dass sich Energiewende und Denkmalschutz selbst auf so markanten Gebäuden nicht ausschließen. „Wir wollen zeigen, was mit einer PV-Anlage alles möglich ist“, hatte Simon Schreiber, der Leiter des Stuttgarter Amtes des Landesbetriebs Vermögen und Bau, kurz vor Fertigstellung gesagt. Denn das Ziel des Landes ist es, bis 2030 auf allen geeigneten Landesgebäuden Solarstrom zu ernten.
Beim Neuen Schloss waren die Kosten am Ende noch aus dem Ruder gelaufen, wie das Ministerium einräumen muss. Im Frühjahr war noch von 5500 Euro pro Kilowattpeak die Rede gewesen – jetzt sind es 30 Prozent mehr. Der Grund sei hauptsächlich die Insolvenz des ursprünglichen Modul-Lieferanten gewesen, sagt Sebastian Engelmann. Man habe kurzfristig einen neuen Hersteller suchen müssen. Zudem sei etwa die Unterkonstruktion sehr viel aufwändiger als geplant gewesen.
Friedrich Haag, Landtagsabgeordneter und Stuttgarter Gemeinderat für die FDP, beobachtet den Solarausbau in Stuttgart seit langem und ist der härteste Kritiker der Landesregierung bei diesem Thema. Es handle sich bei der Anlage auf dem Neuen Schloss um reine Symbolpolitik, moniert er jetzt: „Ich erwarte, dass die Dächer der Landesgebäude mit PV-Anlagen belegt werden, bei denen es sinnvoll ist und sich die Investition rechnet.“
Sebastian Engelmann betont aber, dass sich auch die Anlage auf dem Neuen Schloss bezahlt machen werde, wenn auch erst nach rund 20 Jahren. Grundsätzlich setze das Land nur Projekte um, die sich in maximal 20 Jahren amortisierten.
Das Ausbautempo hat auch in Stuttgart stark zugenommen
Im Übrigen kann sich Engelmann einer kleinen Replik gegenüber Friedrich Haag nicht enthalten. Früher sei man kritisiert worden, weil der Ausbau zu langsam ging, sagt er: „Dieselben, die erst das Ausbautempo kritisiert haben, kritisieren nun wiederum die Kosten.“
Insgesamt hat der Zubau an Solarenergie auf Landesimmobilien in den letzten beiden Jahren tatsächlich stark angezogen, auch in Stuttgart. Anfang 2024 gab es lediglich auf 30 von 380 landeseigenen Gebäuden PV-Anlagen mit zusammen 1115 Kilowattpeak.
Allein bis 2027 will das Land nun in Stuttgart 33 weitere Anlagen errichten, die zusammen mehr als 3000 Kilowattpeak Leistung haben sollen. Nur bei vier gibt es Anforderungen des Denkmalschutzes. Die größte mit 573 Kilowattpeak ist auf dem Rotebühlbau am Rotebühlplatz geplant, in dem das Finanzamt und die Oberfinanzdirektion ihren Sitz haben.