Inhaberin Angela Sixt hört in Fellbach schweren Herzens auf. Foto: Gottfried Stoppel

Das Fachgeschäft Foto Sixt in Fellbach schließt Ende Juli. Die Inhaberin hat den Wandel in der Branche, aber auch Veränderung im Herzen der Stadt erlebt. In Hegnach geht es weiter.

Schon beim Blick auf den Bagger, der inmitten des Fotos thront, umgeben von einem Schilderwald mit weiß-roten Baustellenbarken, lässt sich erahnen, was die Großbaustelle heißt: Lärm, Umwege, Schmutz und immer wieder Chaos im Verkehr. „Wir waren damals mittendrin bei den Arbeiten zum neuen Fellbacher Stadttunnel“, sagt Angela Sixt. Das Foto ist eines, das sie aus ihrem großen Archiv herausgesucht hat. Auf dem anderen Bild sieht man in einen langen Graben, ein gähnend dunkles Loch, mitten in der Stuttgarter Straße, abgeschirmt von Bauzäunen. Das war Ende der 1990er Jahre. Der Straßentunnel auf der alten Bundesstraße 14 durch das Stadtzentrum wurde schließlich 1997 fertiggestellt.

 

Das Fotogeschäft Sixt war eine Institution und fast 40 Jahre am Platz

Angela Sixt hat ihr Fotogeschäft 36 Jahre am Stuttgarter Platz geführt und damit auch ein Stück Fellbacher Stadtgeschichte dokumentiert. Nun schließt sie ihr Fachgeschäft Ende Juli. Am bisherigen Hauptsitz in Hegnach in der Kirchstraße 21 geht es jedoch weiter.

Andere Bilder zeigen Szenen vom Fellbacher Herbst oder von Aktionen, die sie mit dem Fachgeschäft organisiert hat. Beim 20-jährigen Bestehen beispielsweise hat der Fellbacher Pyrotechniker Peter Notter die Jahreszahl mit Feuerwerk in den Himmel gezeichnet.

Beim Fellbacher Herbst war es Usus, dass die Mitarbeiter des Fotostudios den Festumzug dokumentierten. „Die CD gab es dann bei uns zu kaufen“, erzählt Angela Sixt. Viele Brautpaare in Fellbach und auch aus der Region hat sie abgelichtet. Alle Hochzeitspaare sind archiviert, sie könnte man sich digitalisieren lassen. Es ist ein historischer Schatz, den das Fotostudio in den fast 40 Jahren geschaffen hat.

Auch die frühere Fotografin der Fellbacher Zeitung, Patricia Sigerist, kam damals immer wieder vorbei und hatte Dias von zahlreichen Veranstaltungen und Terminen entwickeln lassen. Auch Hagen von Ortloff, ein ehemaliger Fernsehmoderator, der vor allem durch die vom SWR produzierte Fernsehsendung Eisenbahn-Romantik bekannt wurde, hat seine Bilder bei Foto-Sixt entwickeln lassen. Das scheint alles lange zurück.

Die Geschichte von Fotostudio Sixt spiegelt auch die Entwicklung der Fotobranche wider, die durch die Digitalisierung einem enormen und rasanten Wandel unterzogen wurde. Natürlich hat die Fotografenmeisterin darauf reagiert, hochauflösender Digitaldruck aus allen Speichermedien gehört dazu wie biometrische Passfotos und vieles mehr. „Es gab mal acht Geschäfte in Fellbach, die Dienstleistungen rund ums Fotografieren geboten haben“, erinnert sich Angela Sixt, „inzwischen sind wir übrig geblieben.“ Umso mehr bedauern Stammkunden das Aus des Ladens in Fellbach, wie diese Familie, die an diesem Vormittag vorbeikommt. „Wir werden das Fachgeschäft sehr vermissen“, sagen die Familienmitglieder unisono.

Die Suche nach einer Nachfolge blieb erfolglos

Angela Sixt hat versucht, eine Nachfolge für den Laden mit seinen rund hundert Quadratmetern Fläche zu finden. Sie hat sich dabei auch an die IHK gewendet. Das sei aber erfolglos geblieben. Eine Belastung für die Branche war auch die Coronapandemie mit dem Lockdown, die die Absage vieler Veranstaltungen mit sich gebracht hatte. „Wir haben keine Hochzeitsbilder gemacht, weil es keinen Hochzeiten gab“, erzählt Angela Sixt. Inzwischen würden zum Glück wieder einige Feiern nachgeholt. Doch wie es im Herbst weitergehe, das müsse man sehen.

Keinen Hehl macht die Inhaberin des Traditionsgeschäftes aber daraus, dass die derzeitigen Arbeiten zum Neubau der Volksbank am Stuttgarter Platz eine Belastung darstellen. Und wenn sie an die Arbeiten an einen möglichen Radschnellweg entlang der Schorndorfer Straße denkt, winkt sie ab. „Baustellen hatten wir wirklich genug“, sagt sie. Gleichzeitig ist die Fotografenmeisterin aber überzeugt, dass „gute Fotos weiterhin gebraucht werden“.

Ende Juli wird der Schlüssel umgedreht in Fellbach

Ein Schwerpunkt sei inzwischen das Fotografieren für Firmenpräsentationen und den Businessbereich. Und doch liegt Angela Sixt das gewachsene Vertrauen zu den Kunden am Herzen.

„Kommen Sie nach Hegnach, da sind wir weiter für Sie da“, sagt sie daher immer wieder zu ihren Kunden. Und auch auf dem Plakat im Laden drückt sie das aus, was sie auch jedem immer wieder persönlich sagt: „Wir bedanken uns für Ihre Treue.“ Man merkt, leicht fällt es ihr nicht, den Schlüssel Ende Juli in Fellbach für immer umzudrehen.