Der weibliche Orgasmus im Fokus: Der brasilianische Fotograf Marcos Alberti fotografierte Frauen auf ihrem Weg zum Höhepunkt. Foto: Marcos Alberti

Der Fotograf Marcos Alberti hat Frauen vor, während und nach ihrem Orgasmus porträtiert. Mit seiner Bildreihe „The O Project“ möchte der Brasilianer das Thema weibliche Sexualität aus der Tabu-Zone holen.

São Paulo - Der Gesichtsausdruck beim Orgasmus ist in der Regel eine eher private Angelegenheit. Bei der Fotoserie „The O Project“ dagegen steht genau dieser im Fokus: Um das Thema weibliche Sexualität aus der Tabu-Zone zu holen, hat der Fotograf Marcos Alberti mehr als 20 Frauen bei ihrem Höhepunkt porträtiert.

Anstößig sind die Bilder aber nicht – im Gegenteil: Die Frauen sind auf den Fotos völlig bekleidet, nur ihr Gesicht und der Oberkörper sind darauf zu sehen. Jeweils viermal lichtete Alberti die Teilnehmerinnen ab. Auf dem ersten Bild sind sie noch mit einem neutralen Gesichtsausdruck zu sehen. Die Bilder zwei bis vier zeigen sie kurz vor, während und nach dem Orgasmus.

Abgebildet sind 22 Frauen mit unterschiedlichen Nationalitäten und Ethnien. Die Fotos grenzen sich gezielt von gängigen Höhepunkt-Darstellungen ab. Gegenüber Refinery29 UK sagte Alberti: „In TV-Produktionen wollen die Frauen unrealistisch gut für die Kamera aussehen, in Pornos wird der Orgasmus oft vorgetäuscht. Die Sexpositionen, die Gesichtsausdrücke, die geschminkten Körper – es ist alles so unrealistisch. Ich würde mir wünschen, dass dieses Projekt einen ehrlichen Dialog anregt. Frauen sollten sich nicht für ihre Köper schämen oder einem Ideal hinterherlaufen, das es gar nicht gibt.“

„The O Project“ entstand als Kooperation zwischen Alberti und dem Sexspielzeug-Hersteller Smile Makers. „Die weibliche Sexualität ist noch immer häufig in Scham und Schweigen gehüllt“, kommentierte Fan Yang, Marketingmanagerin bei Smile Makers, die Aktion. „Unsere Zusammenarbeit mit Marcos hat uns erlaubt, diese Serie zu erschaffen, die das Stigma um das Thema weibliche Sexualität aufheben und das weibliche Vergnügen normalisieren soll.“

Die Teilnehmerinnen, berichtete Yang, seien alle erstaunt über die Fotos gewesen – besonders über die letzte Aufnahme, die sie kurz nach dem Höhepunkt zeigt. „Dieses starke, weibliche Strahlen in die Kamera ist genau das, was wir den Leuten zeigen wollen“, sagte Yang. „Wir hoffen, dass jeder, der das Projekt sieht, dadurch mehr Selbstvertrauen über seinen Körper und seine Sexualität gewinnt.“

„Es war eine ziemliche Herausforderung“

Während der Aufnahmen saßen die Teilnehmerinnen hinter einem schwarzen Vorhang. Durch ein kleines Loch im Stoff fotografierte Alberti die Gesichter der Frauen, während sie sich selbst befriedigten. Er habe es geliebt, mit den Frauen offen über Sex und Lust sprechen zu können, sagte der Fotograf: „Wenn man sich dem Tabu-Thema Sex durch die Linse des Humors nähert, fangen die Leute an, sich zu öffnen und ihre Meinungen kundzutun – und das kann das gesellschaftliche Denken gewaltig verändern.“

Camille, eine der Teilnehmerinnen, betonte gegenüber der britischen Huffington Post, sie sei froh, mitgemacht zu haben. „Es war eine ziemliche Herausforderung für mich. Aber nun fühle ich mich besser dabei, meine eigene Sexualität zu erkunden.“ Jede Frau, fügte sie hinzu, sollte wissen, dass ihre Sexualität kein Tabuthema sei und dass ein erfülltes Sexleben zum persönlichen Wohlbefinden beitragen könne. „Sex ist ein wichtiger Teil des Lebens. Frauen sollten keine Angst davor haben, Lust zu empfinden.“

Nach ein, zwei und drei Gläsern Wein

Im vergangenen Jahr hat Alberti schon einmal Aufsehen mit einer Bildserie erregt: Für das „Wine Project“ hat er seine Freunde nüchtern sowie nach ein, zwei und drei Gläsern Wein porträtiert. Den Anstoß dazu hatte ein Sprichwort gegeben, erklärte der Fotograf: „Beim ersten Glas Wein geht es um Essen, beim zweiten um Liebe und beim dritten um Chaos – ich wollte einfach sehen, ob das tatsächlich zutrifft.“

Alberti begann seine künstlerische Laufbahn als Architekt und Grafikdesigner. Im Jahr 2000 begann er, Fotografie zu studieren. Anschließend arbeitete er als Assistent in einem Fotostudio, bis er sich 2004 selbstständig machte. Inzwischen ist der in Brasiliens Finanzzentrum São Paulo lebende Fotograf und Kurzfilmer für zahlreiche Großkunden tätig; darunter Coca Cola, Nike, Samsung und Fiat.

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