Der Waiblinger Werbefotograf Peter Oppenländer gehört weltweit zu den besten seiner Branche. Er ist immer auf der Suche nach der besonderen Aufnahme. Jetzt stellt er in Kernen einige seiner Werke aus. Wer steckt hinter den faszinierenden Motiven?
Wusch!!! Was für eine Dynamik, was für eine Geschwindigkeit, welche Power, was für eine Explosivität steckt in dieser Momentaufnahme, in diesem merkwürdigen Anblick: eine Rose in Orange, mit voller Rasanz durchlöchert, sodass die inneren Teile der Blume nach rechts katapultiert werden. Ein Foto voller Tempo – und genau das war es, was der Auftraggeber gewünscht und der Waiblinger Fotograf Peter Oppenländer umgesetzt hat.
Eine Hundertstelsekunde aus dem stetigen Fluss der Zeit
Fotokunst soll im Idealfall durch ihre Originalität wirken und auf den Punkt kommen, ohne dass ausführliche Beschreibungen erforderlich sind. Als Betrachter soll man gebannt sein, wie der Fotograf eine Hundertstelsekunde der stetig fließenden Zeit einfängt, wie er seine Sicht ästhetisch brillant umgesetzt oder die Wirklichkeit zuspitzt.
Seit Jahren einer der 200 besten Werbefotografen weltweit
Und doch bringt es durchaus noch tiefere Erkenntnisse, wenn man beim Gespräch mit dem Macher ein wenig hinter die Kulissen schauen kann – etwa durch einen Besuch im nur circa fünf Gehminuten vom Waiblinger Bahnhof entfernt liegenden Atelier des Waiblinger Fotografen. Seit 2016 gehört Peter Oppenländer jedes Jahr zu den „200 best Ad Photographers worldwide“, also den 200 besten Werbefotografen weltweit, die vom Lürzer’s Archiv, dem führenden Medium der Werbe- und Kreativwirtschaft, auserkoren werden. Oppenländer kann also amtlich anerkannt bestens fotografieren – aber er kann im Austausch auch Einblicke geben, warum er ausgerechnet diese ungewöhnliche Perspektive gewählt hat.
Die geschilderte Szene entstammt einer Serie voller Dynamik – womit der Wunsch des Auftraggebers ideal umgesetzt war –, um zu zeigen, dass dieses Unternehmen aus dem Automobilersatzteilhandel auf Höhe der Zeit agiert. Nach dem Motto: „Wir haben Tempo, wir sind schnell, wir liefern zackig.“ Mit einem Luftgewehr durchschoss Oppenländer die auf einer Messerspitze platzierte Peperoni, Tulpenzwiebel oder Rose, per Akustikverzögerung wurde der Blitz für die Langzeitbelichtung aktiviert. Mobilität in der Highspeed-Variante.
50 seiner besonderen Arbeiten zeigt Oppenländer demnächst in Kernen im Rathaus und im Bürgerhaus in Rommelshausen – und gibt bei der Vernissage sicher gerne manches Detail zur Entstehungsgeschichte preis. Oder über seinen Werdegang. Schon als 14-Jähriger legte er los, nachdem er zur Konfirmation eine Kamera geschenkt bekommen hatte. Nach dem Abitur zog es ihn nach Berlin zur Berufsfachschule für Design, er absolvierte Assistenzen bei renommierten Fotografen. „Mir ist es seit jeher um das gute Bild gegangen und ich habe da auch keine Auseinandersetzung gescheut“, sagt er.
Die Konzeption dauert wesentlich länger als die Fotosession
Gerade in seinem Metier gilt es auszutarieren – was genau das Unternehmen oder die Werbeagentur will, wie groß der kreative Spielraum für außergewöhnliche Ideen ist. „Was ich mache, will ich gut machen“, sagt Oppenländer, „ich möchte stets an die Grenzen gehen.“ Mehr Zeit als die Fotosession im Studio oder in den Produktionsräumen einer Firma nimmt die Konzeption ein. Gerne läuft im Atelier im Hintergrund Jazz, das Köln-Konzert von Keith Jarrett oder Miles Davis oder auch Pink Floyd, wie die neben seinem Computer liegenden CD-Hüllen offenbaren.
Der 54-Jährige hat gut zu tun. Erfolgreiche Arbeiten und Auszeichnungen sprechen sich herum, „das Vertrauen der Auftraggeber steigt, sie fühlen, sie sind in guten Händen.“ Oft arbeitet er für „Weltmarktführer als Mittelständler“, wie er es nennt, also auch „ganz kleine Industriebetriebe“ aus der Region, „die Anreise ist vergleichsweise kurz, ich verballere wenig Zeit auf der Straße“.
Die Furchen und Schunden eines Brotlaibs
Ganz in der Nähe ist auch der Sitz der Winnender Bäckerei Maurer für die er die Fotografie des großformatigen, zweimal jährlich erscheinenden Magazins „Ofen und ehrlich“ übernimmt. Ein Titelfoto zeigte einen Brotlaib – mit vielen Furchen und Schrunden. „Aufgenommen von unten, eine ungewöhnliche Perspektive, um ein Brot darzustellen, was zeigt, dass auch der Mut des Kunden erforderlich ist.“ Das Foto brachte Oppenländer erneut eine Prämierung durch Lürzer’s Archiv ein und wurde im Winter auf der Fachmesse in Seoul ausgestellt.
Auch die Erderwärmung ist ein Motiv
Von unten hat Oppenländer auch andere Lebensmittel aufgenommen – für die „Food Serie“ eines Foodstylisten wurde der mit Gemüse drapierte Teller umgedreht und das Ganze durch eine Glasplatte abgelichtet – mit dem Effekt, dass die Glasnudeln auf dem Teller zu fliegen scheinen. „Upside down“ oder „Kopfüber lecker“ hat er diese Reihe übertitelt.
In der Ausstellung in Rommelshausen präsentiert Oppenländer auch zahlreiche andere Werke. Etwa aus der „Roten Serie“, die sich angesichts von Titeln wie „Heat“ und „Melt“ mit Umweltthemen, etwa der Erderwärmung, befasst. Dabei hat er bereits beim Fotografieren die felsige Landschaft in Wahnsinnshitze auf Kreta oder das dünne Eis auf Lappland mit einem roten Filter versehen, „um Spannung aufzubauen“.
Der listige Narr setzt den Sensenmann schachmatt
Sehr gelungen ist das Porträt des Narren Frascatelli von der Zaubermühle Merklingen. Cineasten werden sich an den Film „Das siebente Siegel“ des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman erinnern – denn Oppenländer setzt Frascatelli ans Schachbrett mit einem Totenkopf als Gegenspieler, der mit Giftfläschchen agiert. „Und der listige Narr setzt den Sensenmann schachmatt.“
Der Fotograf will kein lauter Star der Branch sein
Und wie listig sieht sich Oppenländer selbst in der riesigen Branche seines Berufsstands? „Ich bin erstaunlich gut dabei für jemanden, der kein Star ist, sondern hier im ruhigen Kämmerchen agiert. Star-Fotografen sind lauter, aber das ist nicht meine Art.“
Schon als Teenager als Fotograf unterwegs
Anfänge
Peter Oppenländer wird am 25. Oktober 1969 in Waiblingen geboren und wächst dort auch auf. Schon während der Schulzeit arbeitet er als Sportfotograf für den Zeitungsverlag Waiblingen und kurz danach insbesondere als Urlaubsvertretung oder für Wochenendtermine bei der Fellbacher Zeitung. Oppenländer ist verheiratet und hat zwei Kinder, er lebt in Waiblingen.
Ausstellung
Die Vernissage in Kernen findet an diesem Dienstag, 9. Juli, um 18 Uhr im oder bei gutem Wetter vor dem Bürgerhaus in Rommelshausen statt. Zur Einführung spricht die Kunsthistorikern Barbara Martin, Kuratorin für Gegenwartskunst und Sammlung Grafik des Kunstmuseums Bonn. Stimmungsvolle Musik steuert der Narr Frascatelli von der Zaubermühle Merklingen bei, der auch auf einigen Fotos zu sehen ist. Die Ausstellung läuft bis 24. Oktober 2024.