Der Murrhardter Fotograf Friedrich Weber hat das Leben im Schwäbischen Wald festgehalten. Seine Fotos zeigen spielende Kinder, stolze Autobesitzer und Bauten, die auch heute noch stehen.
Die Szene von der Straßenbaustelle könnte aus einem Westernfilm stammen: Die wettergegerbten Männer tragen Hemden, Westen, manche einen Hut und Schnauzbart, und betrachten den Besucher ernst. Ein Pferdekarren schafft Geröll beiseite, im Hintergrund erstreckt sich der Wald. Doch das Foto stammt nicht aus der Pionierzeit der USA, sondern aus den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, aufgenommen im Schwäbischen Wald von Friedrich Weber.
Der Fotograf war zu seinen Lebzeiten der wohl gefragteste Bildermacher in Murrhardt. Und noch heute erzählen uns seine Fotografien einiges über das Leben vor hundert Jahren. Etwa durch die Art und Weise, wie er sich selbst und seine Familie in Szene setzte: Ordentlich gekleidet, in die Kamera lächelnd – und auffallend gern in einem Auto sitzend. Schon damals nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern auch ein Prestigesymbol. „Damals hat es in ganz Murrhardt drei Autos gegeben, mit seinem Fahrzeug hat Weber sogar touristische Exkursionen angeboten und die Fahrgäste dann noch porträtiert“, erzählt Christian Schweizer, der Leiter des Murrhardter Carl-Schweizer-Museums.
Der Fotograf richtete einen „Adolf-Hitler-Garten“ ein
Dem sehr aktiven Fotografen, der im Jahr 1879 geboren wurde und 1904 nach Murrhardt zog, wo er 1959 starb, ist es zu verdanken, dass aus Murrhardt ungewöhnlich viele historische Aufnahmen erhalten geblieben sind. „Er war im Ort der Bild-Chronist schlechthin“, sagt Schweizer. Auch schriftliche Aufzeichnungen von Weber sind erhalten geblieben – und sogar Gedichte. „Willst Du ein schöns Foto haben / Dann geh nach Murrhardt in den Graben / Da steht des armen Fotografen Haus / Dort ‚kummt dann´s Vechele bald raus’ / Mit viel Raach, Humor und Blitz / fotografiert dich dort der Webers Fritz“, reimte er zum Beispiel.
Friedrich Weber war durchaus als schillernde Persönlichkeit bekannt. Der gelernte Schneider hatte es während der Kaiserzeit als Porträtfotograf zu Geld gebracht. Zu Beginn des Dritten Reiches tat er sich als glühender NS-Anhänger hervor, richtete einen „Adolf-Hitler-Garten“ ein – eine Art Erlebnispark, den er zum Kriegsende in „Friedensgarten“ umbenannte. „Irgendwann schien er auf Distanz zu diesem System zu gehen, ein Kurgast beschwerte sich zum Beispiel, dass er für ein Foto das NSDAP-Abzeichen abnehmen sollte“, sagt Schweizer. In dieser Zeit endet auch die Foto-Chronik, die Weber der Nachwelt hinterlassen hat. Die beiden ansehnlichen Häuser des reichen Fotografen überstanden den Krieg nicht.
Wer mehr über das Leben im alten Murrhardt und das Leben sowie die Fotografien von Friedrich Weber erfahren und noch mehr Bilder aus der Kamera des Murrhardter Originals anschauen will, kann dies am Freitag, 24. Juni, tun. Ab 17 Uhr halten Christian Schweizer und Andreas Kozlik im Carl-Schweizer-Museum, Seegasse 36, einen Vortrag mit vielen Einblicken in das Leben des Foto-, Lebens- und Hungerkünstlers. Um eine Anmeldung per E-Mail an akozlik@web.de wird gebeten.