Eine von Walde Huths Modeaufnahmen. Huth sorgte nicht nur in Paris für Furore. Foto:  

Gesellschaft, Porträt, Mode und Werbung: die Jahresausstellung des Esslinger Kunstvereins in der Villa Merkel zeigt eine thematische Bandbreite zwölf bedeutender Fotografen wie Adolf Lazi, Hermann Landshoff, Jim Rakete und Dieter Blum.

Esslingen - Der namenlosen, digitalen Bilderflut handwerklich hervorragende Fotografie entgegenstellen und Einblicke in soziale und politische Zusammenhänge geben: das und noch viel mehr erhofft sich der Esslinger Kunstverein mit der „foto.com“. Etwas später als üblich im Jahr eröffnete der Verein seine jährliche Gastausstellung am Freitagabend in der Villa Merkel. Noch bis Sonntag, 24. Januar, sind Arbeiten von elf Fotografen zu sehen. Von Jim Rakete über Guy Tillim bis hin zu Hermann Landshoff hat der Kurator Christian Gögger zusammengetragen, was internationalen Rang hat.

Sein Mut zu thematischer Vielfalt hat sich ausgezahlt. Gesellschaft, Porträt, Mode, Produkt, Werbung und Dokument: die Bandbreite der Exponate ist groß, ebenso wie die Qualität der gezeigten Fotografien. Viele der Künstler sind mit dem Südwesten verbunden, manche, wie Dieter Blum oder der 1955 verstorbene Adolf Lazi, gar mit der Stadt Esslingen. Hier befindet sich das Adolf Lazi Archiv, also der Nachlass eines Mannes, der geschätzt 20 000 Aufnahmen hinterlassen hat. Gezeigt wird davon eine kleine aber wohl gewählte Auswahl.

Walde Huth etablierte sich international als Modefotografin

Lazis teils wie Heiligenbilder anmutende Porträts ziehen den Betrachter ebenso in den Bann wie seine nüchtern, sterilen Produktfotografien. Technische Präzision bis ins Letze war sein Mantra. Über seine Arbeitsweise hat er einmal gesagt: „Nicht das Zufallsbild erstrebe ich, sondern jede Aufnahme wird erarbeitet.“

Mit Karin Szekessy und Walde Huth sind immerhin auch zwei Frauen vertreten. Huth, 1923 in Stuttgart geboren und in Esslingen aufgewachsen, war Porträt-, Theater- und Kunstfotografin. Für Furore sorgte sie nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch mit ihren Fotos für führende deutsche Modezeitschriften. Sie schaffte den Sprung nach Paris wo sie Haute Couture für Dior oder Givenchy fotografieren durfte. „Sie hatte auch feste Models“, sagt Gögger. Huths Foto des Models Lucky im schwarzen Dior-Kleid in den Straßen von Paris gilt als Klassiker. „Ein Teil ihres Nachlasses befindet sich hier im Stadtmuseum“, sagt Gögger. Neben Modeaufnahmen sind auch einige Porträts in der Villa Merkel zu sehen.

Auch Guy Tillims Reportagefotografie hat ihrenPlatz

Christian Gögger hebt als Besonderheit der Ausstellung hervor, dass jeder Künstler eine andere Position habe und dass jeder irgendetwas mit Esslingen zu habe oder zumindest einmal hatte. Fast. Einer hat dann doch nichts mit Esslingen am Hut. „Ich bin aber sehr glücklich, dass wir Hermann Landshoff haben“, sagt Gögger über den Modefotografen, der zwischen 1942 und 1961 selbst berühmte Fotografen vor seine Linse bekam. Der Zyklus gilt auch in der Fotografiegeschichte als einzigartig.

Weniger glücklich zeigte Gögger sich bei der Ausstellungseröffnung darüber, dass der Leipziger Zoll die Bilder von Guy Tillims beschlagnahmt hat. Dabei handelt es zwar nur um einen Teil der Fotos des südafrikanischen Reportage-Fotografen. „Die Ausstellung war ein wahnsinniger Aufwand. So etwas ärgert dann schon sehr“, sagt Gögger, der davon ausgeht, dass die Bilder noch in der Villa Merkel eintreffen.

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