Michael Ransburg schlüpft in viele verschiedene Rollen. Foto: Sabine Haymann

Karin Epplers Inszenierung von „Drink.Think.Love.“ macht Platons Gastmahl im Forum Theater auf wunderbare Weise lebendig.

Es ist ja schon eine echte Herausforderung, als einziger Schauspieler eine komplette Gesprächsrunde darzustellen. Michael Ransburg macht das in Karin Epplers Bearbeitung und Inszenierung von „Drink.Think.Love.“ – Platons Gastmahl“ nun schon im fünften Jahr. 2016 wurde er dafür beim Monospektakel mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Irgendwelche Abnutzungserscheinungen? Keine Spur!

„Dieser Text weiß immer mehr als ich. Das heißt, dass ich ihn über die Jahre immer mehr verstehe und den Figuren und ihren Meinungen immer näher komme“, erzählt Michael Ransburg. „Dadurch gewinnt das Spiel immer mehr an Leben.“ Nein, langweiliger wird der Text keineswegs, wie er betont. „Diese Gedanken denken zu dürfen, ist ein Geschenk.“ Worum es geht? „Der Text behandelt, was für alle Menschen eine Lebensaufgabe ist: zu erkennen, was die Liebe ist.“

Gibt es echte Liebe nur zwischen Männern?

Michael Ransburg kennt die Teilnehmer wie enge Freunde: den Komödiendichter Aristophanes, den Lebe- und Liebemenschen, der intellektuell ist, ohne es zu wissen. Und dann ist da noch der Arzt Eryximachos, für den die Liebe der Gesundung des Menschen dient, der körperlichen ebenso wie der metaphysischen. Pausanias, ein adeliger Kriegsherr, gibt sich eher elitär und idealistisch. Er vertritt die Auffassung, dass nur die Liebe zwischen Männern eine echte sein kann.

Jede Figur steht für eine Art von Lebensform

„Die Figuren sind wie wir Menschen“, findet der Schauspieler. Wir haben alle Bereiche, in denen wir unsere Talente haben und uns zu Hause fühlen. Oft sind wir aber geneigt, Bereiche, die wir nicht kennen, zu entwerten. Das machen die Figuren genauso.“ Jede Figur steht für eine Art von Lebensform auf beinahe arche­typische Weise. Und man hat für jede Figur Verständnis. Auch für den Gastgeber Agathon, den jungen Tragödiendichter, der einen kraftvollen Idealismus hat und die Auffassung vertritt, dass, wer aus Liebe handelt, zur Kunst finden wird. Der griesgrämige Philosoph Phaidros verzweifelt hingegen an seiner eigenen These, dass das Höchste, was die Götter den Menschen gegeben haben, das Verliebtsein ist. Denn wer wahrhaft liebe, handle stets rechtschaffen, um sich nicht vor seinem Geliebten zu blamieren. Sokrates wiederum, der liebevolle Philosoph, denkt, dass alles Gesagte richtig, aber nur eine Station auf dem Weg hin zur Fähigkeit sei, das wahre Wesen der Liebe zu erkennen. Welche Figur Michael Ransburg die liebste ist? „Die, die aus den Anteilen aller Figuren entsteht: das Stück selbst“, sagt er.

„Drink.Think.Love.“: 3., 4., 11., 12. und 13. Juli, jeweils 20 Uhr; 14. Juli, 18 Uhr, Forum Theater, Tickets unter 07 11 / 44 00 74 999 oder online.

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