Musiker Frank Tischer hat sich dem „Sonnengesang“ von Franz von Assisi verschrieben. Am 7. und 8. Dezember sind seine Klänge im Forum Theater Ludwigsburg zu hören. Foto: Privat

Franz von Assisi schrieb seinen „Sonnengesang“, eine Huldigung an die Schöpfung, im 13. Jahrhundert. Der Musiker Frank Tischer stellt den Worten am 7. und 8. Dezember im Forum Theater meditative Klänge an die Seite. Im Interview verrät er, wie diese Klänge erzeugt werden und wie der „Sonnengesang“ ins hier und heute übersetzt werden kann.

Herr Tischer, wann haben Sie das Bedürfnis verspürt, diese Gedanken in Musik auszudrücken?

Schon der Titel hat mich sofort gefangen genommen. Von mittelalterlichen Texten sind in der Regel keine Melodien überliefert. So entstand die Idee, den Sonnengesang zu vertonen. In meiner Urfassung singt ein Chor die Strophen in Umbrisch, der Sprache des Franz von Assisi, und in Deutsch. Hier in Stuttgart spiele ich den Sonnen­gesang alleine als Meditationskonzert und freue mich sehr, dass der Schauspieler Jürg Löw den Text für eine Sprachaufnahme rezitiert hat. Diese lasse ich vor jeder Strophe einspielen.

Wonach haben sie die musikalische Struktur und Klanggestalt gewählt?

Da der Sonnengesang eine Huldigung an die Schöpfung und den Schöpfer ist, kam für mich eine andere Darstellung als die der positiven Aspekte der Elemente nicht infrage, obwohl man sie sowohl positiv als auch negativ darstellen könnte. Die Sonne, der Mond und die Sterne, Wind, Wasser und Feuer sind notwendig und Leben spendend. Zu viel davon ist aber tödlich.

Ich habe jedes Element so für Klavier arrangiert, dass es einen wesentlichen Aspekt widerspiegelt. So ist die Sonne strahlend, der Mond ruhig, der Wind ist lebendig und das Wasser perlend. Kombiniert mit den Naturgeräuschen und etwas Hilfe eines Synthesizer entstehen Bruder Sonne, Schwester Mond und die Sterne hoffentlich vor dem geistigen Auge des Zuhörers.

Wie werden die Klänge erzeugt?

Den Hauptteil der Musik spiele ich auf dem Flügel oder Klavier. An zwei Stellen setze ich einen sogenannten Sonnen-Gong ein und an anderer Stelle spiele ich Xiao-Flöte, eine asiatische Bambusflöte und eine nordamerikanisch-indianische Holzflöte. Den Synthesizer nutze ich beim Sonnengesang, weil ich kein Streichorchester habe.

Was kann der „Sonnengesang“ hier und heute den Menschen mitgeben?

In erster Linie ist der Sonnengesang wunderschöne Poesie und natürlich ein Gebet. Faszinierend ist für mich, dass er zu den Texten gehört, die nichts an Bedeutung und Aktualität verloren haben. Ich glaube, dass er für Menschen jeder oder auch keiner Konfession zugänglich ist, weil er nichts fordert, sondern ein Bewusstsein für die Natur und deren Herkunft schaffen will.

Info: Frank Tischer: 7. Dezember, 20 Uhr, 8. Dezember, 18 Uhr, Forum Theater Stuttgart, Tickets unter 07 11 / 44 00 74 999 oder auf der Homepage des Forum Theater.

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