Laut Michael Ransburg weiß das Publikum ziemlich lange nicht, wohin die Reise geht. Foto: Sabine Haymann

Das Stück „Event“, frisch ausgezeichnet mit dem ersten Preis des Reutlinger Solo-Theaterfestivals „Monospektakel“, steht nun wieder auf dem Spielplan des Forum Theaters.

Bei der Inszenierung von Dieter Nelle gestaltet Michael Ransburg den handlungsarmen und dennoch spektakulären, oft sehr amüsanten Monolog. Anlässlich der Vergabe des Preises Anfang Februar lobte die Jury „die besondere Bühnenpräsenz, die das Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde gepackt hatte“. Ausschlaggebend für die Auszeichnung sei „das gelungene Spiel mit dem Publikum“, und dass das Stück „trotz der Metaebene durchweg fesselnd war“.

Bühnenaufführung in Einzelteilen

„Event“ stammt aus der Feder des US-Autors John Clancy und zerlegt das Phänomen einer Bühnenaufführung in seine Einzelteile, um alles fein säuberlich für das Publikum auf dem Seziertisch, der Theaterbühne, zu arrangieren. Mal nimmt Michael Ransburg sein Publikum bei seinen scheinbar nüchternen Gedankenkapriolen an der Hand, unvermittelt hält er ihm zwischendurch einen Spiegel vor oder führt es unbemerkt in emotionale Abgründe. So nebensächlich und harmlos wie der Mann auf der Bühne sein Publikum glauben machen will, ist er nämlich keineswegs. Laut Ransburg weiß das Publikum ziemlich lange überhaupt nicht, wohin die Reise geht. „Aber man versteht, was passiert“ – oder anders gesagt: „Man bildet eine Illusion, indem man eine Illusion erklärt.“ Diese wiederum beleuchtet, warum das Geschehen auf der Bühne eine solche Illusion ist.

Schauspielerdasein entzaubert

Eigentlich müsste es ja ernüchternd sein, wie „der Mann“, der Akteur auf der Bühne, das Schauspielerdasein entzaubert. So stellt er zum Beispiel klar, dass „die Fremden“, die Menschen im Zuschauerraum, das Sagen haben, obwohl „der Mann“ der Einzige ist, der sich auf das Ereignis, den Theaterabend, wochenlang vorbereitet hat. Oder dass alles außer seinen eigenen Gedanken nach dem Ende der Vorstellung einfach „wieder weggepackt“ wird. Das Gegenteil aber ist der Fall. Je ungerührter er die ungeschriebenen Gesetze schildert, die unausgesprochene Verabredung zwischen dem Darsteller und seinem Publikum, umso mehr nimmt die Faszination zu an dem, was auf der Bühne passiert, vor allem zwischen „dem Mann“ und „den Fremden“. So schaffen Worte fast unmerklich eine enge Verbindung zwischen „dem Mann“ und „den Fremden“. Vielleicht ist es gerade das, was Theater auch in seiner reduziertesten Form noch zum Ereignis werden lässt.

„Event“: Wiederaufnahme 7. März, 20 Uhr, weitere Termine bis 10. März, Forum Theater, Tickets 07 11 / 4 40 07 49 99

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