Vorbilder für gute Nachbarschaft: Sonja Wörtmann, Claus Sendler und Salman Gedik. Foto: Benjamin Schieler

Gemeinsam Heslach weiterentwickeln – das ist das Ziel der Initiative „Heslach im Blick“, an der sich Bürger und Mitarbeiter der Stadt mitbeteiligen. Seit Dezember 2012 haben sich inzwischen mehrere Arbeitsgruppen gebildet, die sich damit beschäftigen, wie die Wohn- und Lebensqualität in Heslach verbessert werden kann.

Heslach - Wer die Wohn- und Lebensqualität des eigenen Umfelds verbessern will, sollte selbst aktiv werden, ohne das Rad neu erfinden zu müssen. Mit dieser Botschaft wandten sich die Organisatoren der Veranstaltungsreihe „Heslach im Blick“ an die interessierten Bürger im Generationenhaus – in der Hoffnung, Initialzündungen für einen Austausch und für Nachahmungstaten zu liefern.

Modell gegen Entfremdung und Vereinzelung

Für Alexander Gunsilius vom Sozialamt der Stadt, der die Reihe mitkoordiniert, ist „Heslach im Blick“ ein Schauraum für Modelle gegen Entfremdung und Vereinzelung in der Gesellschaft. Als besonders gelungenes Modell betrachtet Gunsilius die sogenannten Alten­knüpfer, die im Scharnhauser Park in Ostfildern ein Nachbarschaftsprojekt ins Leben gerufen haben. Fünf ältere Paare und eine Witwe zwischen 69 und 82 Jahren organisieren dort regelmäßig Veranstaltungen füreinander – vom gemeinsamen Frühstück bis zum Sicherheitstraining für Senioren. Bei der Geselligkeit endet das Konzept der Altenknüpfer aber nicht, wie Sonja Wörtmann, frühere Heslacherin und heute eine der Beteiligten, betonte. Es gehe auch um Achtsamkeit. Es kursieren Vertrauenslisten, auf denen hinterlegt ist, was im Notfall zu tun ist. „Unsere älteste Bewohnerin legt jeden Morgen nach dem Zeitungholen ein Steinchen vor die Haustür ihrer Nachbarn“, sagte Wörtmann. „Wenn das Steinchen bis elf Uhr nicht da ist, wissen sie, dass etwas nicht in Ordnung ist.“

Für Claus Sendler, just jenen Nachbarn, ist diese kleine Handlung nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern ein Bedürfnis fürs eigene Wohlergehen. Die Vorstellung, in seinem Mehrfamilienhaus ein Einsamer unter lauter Fremden zu sein, erschrecke ihn zutiefst. „Es ist schlimm, wenn Menschen in ihren Wohnungen sterben und niemand merkt es.“

Um ein Vorbild für ein gutes Miteinander zu finden, müsse man aber nicht nach Ostfildern schauen, fand Gunsilius und lud den Heslacher Lebensmittelhändler Salman Gedik ein, der seit 21 Jahren einen Laden in der Taubenstraße führt und seine Stammkunden als Freunde bezeichnet. Für sie nimmt er Postpakete an, leiht ihnen Regenschirme, wenn es vor der Türe überraschend stürmt oder liefert Sprudelkisten nach Hause, wenn ein Kunde nicht gut zu Fuß ist. „Ein glückliches Gesicht bei einem Nachbarn zu sehen macht auch mich glücklich“, sagte Gedik – und sorgte dafür, dass auch Alexander Gunsilius ein glückliches Gesicht machte. „Ein solche Einstellung braucht es in der Großstadt“, sagte er.

Andere Städte sind bei Nachbarschaftsprojekten weiter

Dieser Gedanke sei auch in der Stadtverwaltung angekommen, weswegen seit zwei Jahren eine beim Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung angesiedelte Kontaktstelle für Baugemeinschaften beim gemeinsamen Planen, Bauen und Wohnen berate. Bei den Projekten, die von Natur aus eine engere Nachbarschaft förderten, gebe es zwar Nachholbedarf, wie Michael Kunert von der Kontaktstelle sagte. „Städte wie Tübingen oder Freiburg, aber auch Hamburg und Berlin sind da viel weiter als Stuttgart.“ Die Stadt hole dank gezielter Projekte aber auf.

Kunert musste allerdings einräumen, dass sich die Lage am Grundstücksmarkt in Heslach schwierig darstelle. Infrage kommende städtische Flächen gebe es derzeit nicht. Baugemeinschaften sind deswegen darauf angewiesen, auf dem privaten Markt fündig zu werden. Immerhin: eine Online-Kontaktbörse, deren Start für den Sommer 2014 vorgesehen ist, soll helfen, verkaufswillige Eigentümer und Interessenten zusammenzubringen.

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