Die Sopranistin Anna Lucia Richter tritt mit der Gaechinger Cantorey an zwei Abenden als Solistin auf. Die Konzerte finden am 7. Dezember im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg und am 8. Dezember in der Stuttgarter Liederhalle statt. Foto: Kaupo Kikkas

Am 7. und 8. Dezember feiert die Gaechinger Cantorey „Italienische Weihnachten“ mit einem Konzert, veranstaltet von der Internationalen Bachakademie. An den beiden Abenden wirkt als Solistin auch Anna Lucia Richter mit. Im Interview spricht sie über die Bedeutung von Weihnachten.

Frau Richter, was bedeutet für Sie Weihnachten? Oder anders gefragt: Was darf an Weihnachten aus Ihrer Sicht auf gar keinen Fall fehlen?

Ganz exakt an Weihnachten, also wirklich an den Weihnachtsfeiertagen selbst, ist mir nur eines wichtig: Familie. So kitschig es klingen mag, aber Weihnachten ist das Fest der Liebe und darum kann es auch nur im Kreise der Liebsten für mich Weihnachten geben.

Aber rund um Weihnachten darf für mich ein anderes Element nicht fehlen, und das ist natürlich die Musik. Ich bin im Mädchenchor am Kölner Dom und in einer großen Musikerfamilie aufgewachsen, da gab es eigentlich kein Adventswochenende ohne Bach-Kantaten, Oratorien und so weiter. Das mündete dann in den Heiligabend, an dem wir oft mehrere Konzerte und Messen gestaltet haben. Das ist auch ein Grund, warum ich bis heute das Gefühl habe, es kann nicht Weihnachten werden, wenn ich nicht zumindest ein Bach’sches Weihnachtsoratorium gesungen habe. Und wenn sich das einmal nicht ausgeht, höre ich es auf CD.

Sie singen berühmte Werke auf den großen Bühnen dieser Welt. Welchen Platz hat weihnachtliche Musik in Ihrem Repertoire?

Es ist ja bei uns Musikern nicht anders als bei den meisten anderen Menschen: Kurz vor Weihnachten ist man oft etwas müde und abgekämpft. Es ist so lange dunkel und kalt, Erkältungen fliegen durch die Luft…dann weihnachtliche Musik singen zu dürfen, weckt in mir meistens neue Kräfte. Die Vorfreude auf Weihnachten beginnt, die Proben sind meistens in einer besonders freundlichen Atmosphäre. Daher möchte ich das in meinem Repertoire nicht missen.

Was verbinden Sie mit traditionellen Weihnachtsliedern?

Ich fürchte, ich bin da ziemlich alt­modisch: Wenn die Kerzen am Baum brennen, ruft man Kinder mit dem Glöckchen und man singt „Ihr Kinderlein kommet“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“. So und nicht anders darf es sein. Auch „Maria durch ein Dornwald ging“ und „In dulci Jubilo“ liebe ich sehr. Dann erinnere ich mich, wie es als Kind war, um Mitternacht im eiskalten Kölner Dom, Atemwölkchen vor dem Gesicht, Kerzenschein, etwas wackelige Knie, weil man schon so müde war, aber auch so aufgeregt.

Aber ein „Last Christmas“ oder „Have Yourself a Merry Little Christmas“ oder „Jingle Bells“ kommen im Laufe des Weihnachtsfests auch irgendwann vor und machen mir Spaß.

Ihre jüngste CD mit Liedern von Franz Schubert trägt den Titel „Heimweh“. Warum ausgerechnet dieser Begriff?

„Heimweh“ ist ein Wort, das in jedem von uns gleich ein Gefühl und tausend Erinnerungen weckt. Es ist irgendwie etwas altmodisch, fast kitschig und doch fällt es nie aus der Zeit. Es ist außerdem ein sehr romantischer Begriff, der viele Dichter und eben auch Schubert inspiriert hat, wunderschöne Werke zu erschaffen. Ich habe auf dieser CD versucht, den Begriff aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten: durch die Augen einer heimat­losen Mignon oder einer tröstenden Ellen ebenso wie durch die des lebensmüden Totengräbers.

Und ich habe nicht zuletzt auch durch die Stücke Franz Schubert selbst nachgefühlt, spannen wir doch gemeinsam mit Gerold Huber am Klavier und Matthias Schorn mit der Klarinette einen Bogen von früheren Liedern bis hin zum „Hirt auf dem Felsen“, einem der allerletzten Werke Schuberts.

Ist es für Sie wichtig, an Weihnachten zu Hause zu sein?

Ja. Wie ich schon sagte, ist Familie für mich an Weihnachten besonders wichtig. Heiligabend und die beiden Feier­tage sind daher für mich, wenn irgend möglich, reisefreie Zeit.

Info: Italienische Weihnachten, Gaechinger Cantorey (Leitung: Hans-Christoph Rademann): 7. Dezember, 19 Uhr, Forum am Schlosspark; 8. Dezember, 19 Uhr, Liederhalle, Tickets unter 07 11 / 6 19 21 61 sowie auf der Homepage der Bachakademie

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