Sie lieferten einen Überraschungshit: Ana de Armas und Daniel Craig in „Knives Out“ Foto: imago images/Everett Collection

„Knives Out“ mit Daniel Craig war ein netter Überraschungserfolg im Kino. Hollywoods Studios konkurrierten um eine Fortsetzung. Jetzt schlägt Netflix ganz hart zu.

Los Angeles - Die starbesetzte Krimikomödie „Knives Out - Mord ist Familiensache“ mit Daniel Craig als Privatdetektiv erhält zwei Fortsetzungen. Netflix habe sich die Rechte an den beiden Produktionen gesichert, berichten die Branchenblätter „Variety“ und „Hollywood Reporter“ am Mittwoch. Der Streamingdienst soll sich das 450 Millionen Dollar kosten lassen, hieß es in Filmkreisen.

Altes Genre, neuer Erfolg

US-Regisseur Rian Johnson („Star Wars: Die letzten Jedi“) hatte den Original-Hit im Stil eines Agatha-Christie-Krimis 2019 für preiswerte 40 Millionen Dollar gedreht. Weltweit spielte der Streifen über 311 Millionen Dollar ein. Christopher Plummer glänzte als ungeliebter Familienpatriarch, der in seinem Herrenhaus auf mysteriöse Weise stirbt. Der lässige Ermittler Benoit Blanc (Daniel Craig) soll den Fall aufklären. Der Familienclan und Hausangestellte stehen unter Verdacht. Neben Bond-Star Craig spielten Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Collette, Don Johnson, Michael Shannon und Ana de Armas mit.

Der neue Erfolg eines uralten Genres, des Rätselkrimis im Landhaus, sorgte in der heutigen Filmwelt für ganz andere Aufmerksamkeit als Außenseiterhits das früher taten. Seit längerem verzweifelt Hollywood selbst daran, dass kaum noch etwas außer etablierten Franchises wie „Star Wars“ und Marvel-Superhelden an der Kinokasse punkten kann – allenfalls noch teure Lizenzdeals mit Marken außerhalb der Filmindustrie, mit Spielzeug wie Lego etwa oder mit bekannten Computerspielen. Mit „Knives Out“ schien sich ein neues, noch nicht überteuertes Franchise anzukündigen, jedenfalls im Paket mit dem nun als Wundermann bestaunten Regisseur Rian Johnson und dem Hauptdarsteller Daniel Craig.

Als Rammbock geeignet

Dass die „Knives Out“-Köpfe von allen Seiten wegen einer Fortsetzung umworben wurden, war seit längerem bekannt. Nach der finanziell verheerenden Kinoschließungszeit in der Pandemie und angesichts der unklaren Öffnungsperspektiven hatten die angeschlagenen Studios einander allerdings wohl nur verhaltene Angebote zugetraut. Dass Netflix nun mit einer derart ungeheuerlichen Summe auftrumpft, muss man als neuerliche Kampfansage der in Lockdownzeiten kräftig gewachsenen Streamingwelt an die geschwächten Kino-Platzhirsche werten.

Eventuell sind die „Knives Out“-Fortsetzungen vom Streaming-Marktführer auch als Rammbock gedacht, um den De-Facto-Boykott gegen Netflix zu durchbrechen. Fast alle Kinos weigern sich bislang, Netflix-Filme parallel zur Auswertung im Streaming auf ihren Leinwänden zu zeigen, obwohl es dieses Angebot immer wieder gab. Die Kinobetreiber beharren auf langen exklusiven Auswertungsfenstern für sich allein.

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