Olaf Späth lernt bei einer Runde durch Steckental sein neues Revier kennen Foto: / Frühauf

Insgesamt gehören zu Weil der Stadt knapp 1200 Hektar Wald. Das umfangreichste Areal ist der „Große Wald“ in Merklingen. Seit Mai ist für alle städtischen Gebiete wieder ein eigener Förster verantwortlich: Olaf Späth. Genau wie seine Kollegen muss er die Wälder auf den Klimawandel vorbereiten.

Weil der Stadt - Mit seinen Teilorten besitzt Weil der Stadt knapp 1200 Hektar Wald. Seit Mai ist dafür wieder ein städtischer Förster verantwortlich. Die Untere Förstbehörde Böblingen ist zuständig für den kommunalen und privaten Wald im Landkreis. Sie ist in 15 Forstbetriebe aufgeteilt, von denen Leonberg, Renningen, Sindelfingen Nord und Süd und jetzt auch wieder die Keplerstadt, eigene städtische Förster beschäftigen. Warum man sich für diesen Weg entschieden hat, weiß der neue Revierförster Olaf Späth.

 

Herr Späth, im Mai haben Sie Ihre Arbeit als Revierförster aufgenommen. Wie sind Sie nach Weil der Stadt gekommen? Wo waren Sie davor beschäftigt?

Die letzten Jahre habe ich in Schömberg im Tourismus gearbeitet. Dort hatte ich viel mit den Förstern zu tun. Die Stelle hier war meine Chance wieder ein Revier zu bekommen. Denn nach meinem Studium der Forstwirtschaft habe ich bereits zwei Reviere betreut und das hat viel Spaß gemacht.

Rund 1200 Hektar groß sind die Waldflächen rund um die Stadt. Sind Sie auch für die privaten zuständig?

Nein, das macht nach wie vor das Kreisforstamt. Ich kümmere mich um die städtischen Flächen, wovon die größte der „Große Wald“ in Merklingen ist.

Was ist zu tun?

Eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre ist der Waldumbau. Auch bei uns bekommen beispielsweise einzelne Weißtannen eine rötliche Verfärbung – ein Anzeichen von Trockenheit. Die gefällten Bäume werden mit Arten aufgeforstet, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen. Einmal im Jahr werden die Bäume an den Straßen von den vier städtischen Waldarbeitern und mir auf ihren Zustand überprüft, auch eine wichtige Tätigkeit. Darüber hinaus mache ich die Hiebsplanung, also den festgelegten nachhaltigen Holzeinschlag.

Gehen sie auch auf die Jagd?

Ja, ich jage schon seit über 25 Jahren in Gärtringen in einem naturgemäß wirtschaftenden privaten Forstbetrieb. In Weil der Stadt machen das die Jagdpächter. Die Stadt hat dadurch zusätzliche Einnahmen.

Wie passt denn ein eigener Stadtförster zu den leeren Kassen der Stadt?

Die staatliche Beförsterung der letzten Jahre wird nach Kostensätzen berechnet, diese sind zuletzt stark gestiegen. Ein Stadtförster lohnt sich ab einer gewissen Waldfläche, die hier dank der Teilorte zusammenkommt - die Größe macht dies möglich. Auf einen eigenen Revierförster haben Stadt und Gemeinderat auch mehr Einfluss und damit mehr Gestaltungsspielraum.

Was bringt denn der Wald wirtschaftlich gesehen?

Beim Wald ist es nicht einfach, Geld zu erwirtschaften. Die Holzpreise waren in den letzten Jahren niedrig. Also hat man eher weniger Holz eingeschlagen und verkauft. Wenn im Herbst, in der Einschlagssaison, die Preise wohl wieder stimmen, wird wieder mehr eingeschlagen – natürlich im Rahmen des Hiebsatzes. Dabei werden Tannen meist zu Bauholz. Minderwertiges Holz, auch von geschädigten Bäumen, wird dagegen zu Verpackungen und Paletten verarbeitet. Schwache Fichten und Tannen sind sogenanntes Papierholz. Der Wald hat aber vor allem auch Erholungs- und Naturschutzfunktion. Und die Personalkosten sind auch ein Kostenfaktor.

Beim Spaziergang durch die Natur fallen kahle Baumspitze auf. Wie ist denn der Zustand unseres Waldes tatsächlich? Ist der Weil der Städter Wald für den Klimawandel gerüstet?

Wir haben Mischwälder, und die stehen ganz gut da. Der Fichtenanteil liegt bei rund 16 Prozent. Sie leiden vor allem unter der Trockenheit. Nicht umsonst spricht man bei den weißen Muschelkalkböden im Heckengäu von des Teufels Hirnschale. Wie durch ein Sieb versickert das Regenwasser ganz schnell. Buchen bekommen teilweise kahle Kronen, und die Weißtanne verfärbt sich bei Wassermangel rötlich. Geschädigte Bäume oder auch Bedränger, also Bäume, die anderen den Platz nehmen, werden gefällt. Gemeinsam mit dem Gemeinderat wird demnächst entschieden, welche Baumarten für den Waldumbau und damit zur Anpassung an den Klimawandel verwendet werden. Die Frage ist, ob man heimische Arten verwendet - dazu zählen Vogelkirsche, Elsbeere, Linde und Eichenarten, aber auch Spitzahorn und Speierling oder fremdländische wie Douglasie und Roteiche.

Was sind Ihre ersten Herausforderungen?

Dazu zählen ganz klar der Waldumbau und das Ausweisen von Waldrefugien und Habitaten. Eine hohe Biodiversität ist für die Widerstandskraft eines Wald-Ökosystems von großer Bedeutung. Habitat-Bäume sind dafür eine Schlüsselkomponente. Ein Habitat-Baum ist ein lebender oder toter stehender Baum, der mindestens ein Mikrohabitat trägt. Sie sind wichtige Zufluchts-, Brut-, Überwinterungs- oder Nahrungsstätten für Tausende von Arten. Viele Tier-, Pilz- und Pflanzenarten kommen lediglich auf bestimmten Baummikrohabitaten vor. Auf Flächen von jeweils drei Hektar markieren wir in nächster Zeit Bäume mit Spechthöhlen und Vogelhorsten. Für diese Habitate gibt es dann auch Ökopunkte, die man bei der Überbauung von Grünflächen als Ausgleichsmaßnahmen einsetzen kann.

Auch in der Keplerstadt gehen mehr Menschen während der Corona-Einschränkungen in die Natur und die Wälder. Was sollen Waldbesucher beachten?

Auch wenn es das freie Betretungsrecht gilt, sollen Waldbesucher auf den Wegen bleiben. Das hilft den Tieren, die vor allem im Winter wichtige Kraftreserven bei Aufschreckung verlieren. Jetzt gibt es Eichenprozessionsspinner, die starke Hautauschläge verursachen können. An Stellen mit starkem Befall stellen wir Hinweisschilder auf. Um die Kitze und Junghasen zu schützen, sollen Hunde im Wald angeleint werden. Abfälle sollen wieder mitgenommen werden. Das gefährlichste Tier im Wald bleibt die Zecke, die FSME und Borreliose verursachen kann. Zur Vermeidung eines Zeckenbisses bleibt man am besten auf den Wegen.

Was gibt es für den aufmerksamen Besucher im Wald zu entdecken?

Viele Vogelstimmen, darunter das Rufen des Kuckucks, das Klopfen eines Spechts. Vor allem unter der Woche ist immer etwas zu hören.