Förster Anton Watzek hat den Bezirk Schurwald unter seinen Fittichen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Umstrukturierung der Forstämter im Jahr 2020 machte den Staatswald zum eigenständigen Unternehmen. Anton Watzek, Forstdirektor des Bereichs Schurwald, gibt Einblicke in die neuen Aufgabenfelder.

Die Berufsbezeichnung von Anton Watzek ist Forstdirektor und seine Aufgabe ist die Verwaltung und Bewirtschaftung des Staatswaldes des Forstbezirks Schurwald, einer der 21 Bezirke, die nach der Neuorganisation des Waldes 2020 entstanden waren. Denn in Folge eines Kartellverfahrens und auf Grundlage des Koalitionsvertrags der Landesregierung hatte der Landtag die Neuorganisation der Forstverwaltung beschlossen.

 

Nach der Aufteilung in Staats-, Kommunal- und Privatwald ist der Staatswald nun der größte Forstbetrieb des Landes. Er umfasst eine Fläche von 324 000 Hektar – das ist ein Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs. Anton Watzek ist seit 2020 zuständig für den Bezirk Schurwald. Der Alltag des gebürtigen Berliners, der in Göttingen Forstwirtschaft studiert hat, ist eine Mischung zwischen Innen- und Außendienst und umfasst neben administrativen Tätigkeiten die Bewirtschaftung des Waldes und die Bereiche Landschaftspflege und Naturschutz, Jagd und Holzernte.

Nach einem Forsteinrichtungsplan, der einem Zehnjahresplan entspricht und aktuell von 2016 bis 2026 läuft, werden die Entscheidungen zu Waldpflege und Holzernte festgelegt. Pro Jahr werden aus seinem Bezirk 100 000 Festmeter Holz aus 14 000 Hektar Fläche geerntet und gehen in die Holzverarbeitung und somit in den Verkauf. Der Klimawandel zwinge im Wald zum Umdenken. So setzte man im Staatswald konsequent auf „Biodiversität“ und pflanze Bäume, die mit Trockenheit und den gegebenen Bodenverhältnissen zurechtkämen. Sowohl eine flächendeckende Standortkartierung und die „Überprüfung vor Ort mit einem Rohrstock“ als auch die Lage des Waldes erlaubten die richtige Wahl der Jungpflanzen von Eiche, Hainbuche, Winterlinde, Kirsche oder Elsbeere.

Zehn Prozent der Fläche werde zum „Totwaldkonzept“ erklärt, damit für Pflanzen und Tiere der ursprüngliche Lebensraum erhalten bliebe. Sogenannte „Habitatbaumgruppen“, die altern dürfen und von selbst zerfallen, bieten Nistmöglichkeiten für Schwarzspecht, Fledermäuse und viele andere Arten. Einen weiteren Teil seiner Arbeit erledigt Anton Watzek vom Schreibtisch aus. Dazu gehören die Überprüfung alter Verträge, manche über 100 Jahre alt, die auf die heutigen Lebensumstände heruntergebrochen würden. In diesem Zusammenhang gehe es um Fragen zu Ortsverbindungsstraßen oder Ruinen im Wald und deren Nutzung, Verkehrssicherheit und Instandhaltung. Auch das Thema Sicherheit spiele eine große Rolle. Aufgrund der Trockenheit in den vergangenen Jahren seien mehr Bäume geschädigt als früher. Ein Spezialtrupp kümmere sich um das Entfernen schadhafter Bäume und Äste zur Sicherheit von Mensch und Verkehr. Viele Aufgaben seien nach der Reform von 2020 gleich geblieben, dennoch sollen in den Forstbezirken Revierleiter weiter entlastet werden. Durch die Reform wurden laut Watzek Kolleginnen und Kollegen zusammengewürfelt, die sich erst kennenlernen mussten, und der Personalstamm wurde von 42 auf 62 Personen aufgestockt. Corona erschwerte das Kennenlernen zusätzlich.

In den Revieren gab es neue Flächen zu erkunden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass ein neu eingerichtetes Beschwerdemanagement Anfragen und Kommentare zum Thema Wald effizienter bearbeite, als das früher der Fall gewesen sei. Insgesamt arbeiteten 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter landesweit für ForstBW.

Ein besonderes Augenmerk hat Anton Watzek auf illegal angelegte Mountainbikestrecken geworfen, die immer wieder Probleme bereiteten, da hier die Haftungsfragen ungeklärt seien. Man nehme Kontakt mit den Mountainbikern auf. So sei schon die eine oder andere Strecke zurückgebaut worden, andere wiederum übernommen worden, wenn sie ins Konzept gepasst hätten.

Ein weiteres Ziel von ForstBW in der Zukunft bestehe darin, die Einnahmen nicht nur über den Holzverkauf zu generieren, sondern sich breitflächiger aufzustellen. Man denke an die Vermietung von Windkraftstandorten und Freiflächen-Fotovoltaik-Anlagen nach. Aber auch mehr Friedwaldflächen auszuweisen, die Erträge in die Kassen spülten, passten ins Konzept.

Wenn Anton Watzek von seinem anspruchsvollen Beruf ausspannt, macht der 61-Jährige das gern mit seiner Familie, der Ehefrau und den drei erwachsenen Kindern in seinem Garten in der Gemeinde Auenwald im Rems-Murr-Kreis oder geht auf die Jagd.

Nachhaltig im 18. Jahrhundert

Weitblick
 Im Wald begegnete man dem Thema Nachhaltigkeit schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als der Adlige Hans Carl von Carlowitz dem hohen Verbrauch an Holz in jenen Tagen mit gezielter Aufforstung begegnete.

Klimasystem
Beim Klimaschutz, betont Forstdirektor Anton Watzek, käme dem Wald, der große CO2 -Speicher im Klimasystem der Erde, eine tragende Rolle zu. So speichere ein Hektar Wald pro Jahr mehr als sechs Tonnen CO2. Und: Jedes Holzprodukt speichere den Kohlenstoff, den der ursprüngliche Baum, aus dem das Produkt schließlich gefertigt wurde, der Atmosphäre entzogen hat.