Den größten Anteil an den potenziell vermeidbaren Sterbefällen in der EU haben Herzinfarkte. Schuld an dem mitunter tödlich endenden Gefäßverschluss ist häufig eine koronare Herzkrankheit. Foto: dpa

Die Tübinger Biologin Madhumita Chatterjee entdeckt neuartige Methode, um die koronare Herzkrankheit früh zu erkennen. Sie erklärt, wie der Frühtest funktionieren kann.

Tübingen - Es fühlt sich an, als habe man einen Gürtel straff um den Brustkorb geschnallt – beim Treppensteigen etwa oder beim schnellen Gehen. Ärzte brauchen für dieses Symptom nur zwei Worte: Angina pectoris oder Brustenge. Meist hervorgerufen durch eine Durchblutungsstörung in den Herzkranzgefäßen. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung leiden rund sechs Millionen Bundesbürger an dieser koronaren Herzerkrankung (KHK), die zum Infarkt führen kann. Wie bei Wasserleitungen, die allmählich verstopfen, bilden sich im Verlauf der Erkrankung in vielen Arterien Ablagerungen, sogenannte Plaques, die die Adern verengen. Viele bemerken Symptome wie Schmerzen im Brustkorb, die vor allem bei Belastung und Stress auftreten, erst wenn eine der beiden großen Koronararterien verschlossen ist.

Beim üblichen klinischen Test werden die besonders riskanten Werte nicht erfasst

Um möglichst früh das Risiko für eine KHK zu erkennen, lassen Ärzte stets die Blutfette eines Patienten untersuchen – in der Fachsprache Lipide genannt. Doch nun hat eine Tübinger Forscherin herausgefunden, dass diese Früherkennung nur bedingt erfolgreich ist. „Das Problem ist, dass die Blutfettwerte bei der üblichen Testung nur in einem bestimmten Teil des Blutes gemessen werden, nämlich im Blutplasma“, sagt Madhumita Chatterjee. Die Biologin und ihr Team haben aber beweisen können, dass die weitaus größere Menge der Blutfette sich in den Blutplättchen befindet. Diese werden beim normalen Test nicht erfasst.

Infarkt-Patienten haben chemisch veränderte Blutfette

Ein riskantes Versäumnis, so Chatterjee: Denn unter anderem sind es gerade die Blutplättchen, die diese Lipide in schädliche Blutfette verändern, dass es zu Entzündungsprozessen in den Arterien kommt. Diese verengen sich daraufhin noch weiter. Das Herzinfarktrisiko steigt. So zeigen gerade Betroffene, die einen Infarkt erleiden, große Mengen an solch chemisch veränderten Blutfetten, wie der ärztliche Direktor der Klinik für Kardiologie und Kreislauferkrankungen am Uniklinikum Tübingen, Meinrad Gawaz, in einem Bericht der Herzstiftung bestätigt. Es sei daher unerlässlich, künftig bei allen Risikopatienten die Blutfettwerte zusätzlich in den Blutplättchen zu analysieren.

Ansatz zur Früherkennung ist preisgekrönt

Für ihre Entdeckung hat die Biologin den Uta und Jürgen Breunig-Forschungspreis 2017 der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) erhalten, der mit 6000 Euro dotiert ist. „Im Kampf gegen die Sterblichkeit durch die KHK ist die Erforschung neuer Therapieansätze von großer Bedeutung“, heißt es bei der Herzstiftung und der DGIM, die den Preis alljährlich vergeben. Nun hofft Chatterjee, dass sich aus den Erkenntnissen möglichst bald ein kliniktauglicher Schnelltest entwickeln lässt: „Bislang ist diese umfassende Testung eine komplizierte Angelegenheit.“ Bis es soweit ist, bleibt den Patienten nur, weiterhin auf kleine Symptome zu achten und diese früh abklären zu lassen. Wird eine KHK festgestellt, sollten die Herzkranken täglich Acetylsalicylsäure (ASS) verordnet bekommen, so die Tübinger Herzspezialisten. Das verhindere die Bildung von Blutgerinnseln. Teils sei eine höhere Dosis Statine sinnvoll, da sie bestimmte Blutfette senken und gegen die Entzündungen der Gefäßwände wirkt. Um einer KHK allerdings schon vorzubeugen, sollte man sein Leben ändern, gesünder essen, sich mehr bewegen und Stress reduzieren.

Kostenfreie Infos für Betroffene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bietet die Herzstiftung unter Telefon 069 95 51 28 400 oder im Internet unter www.herzstiftung.de Dort bietet die Herzstiftung auch einen Herzinfarkt-Risiko-Selbsttest

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